Chronik 2025 Triesenberg

Das Jahr 2025 in der Gemeinde Triesenberg

Das Walserdorf im Wandel

Dass sich Siedlungen, Landschaften und das gesellschaftliche Leben im Laufe der Zeit verändern, ist seit jeher Realität. Oft erfolgt der Wandel so langsam, dass er kaum wahrgenommen wird, manchmal so schnell, dass man die Welt nicht mehr versteht. Ein Rückblick auf die Geschehnisse in Triesenberg lässt erahnen, wie sich auch unsere Walsergemeinde und das Leben hier verändern.

Kurz vor Beginn des Jahres 2025 drehte die Familie Gassner den Schalter des Backofens ihrer traditionellen Bäckerei und Konditorei auf „Aus“ und schloss die Türen des Café-Restaurants Guflina. Das gemütliche Lokal war ein Treffpunkt für viele Leute. Einst gab es in Triesenberg zwei Bäckereien; jetzt scheint die Zeit der Dorfbäckerei am Bärg – hoffentlich nicht für immer – vorbei zu sein. Ende November hat auch die Metzgerei Schädler, die einzige Metzgerei in Triesenberg, den Betrieb eingestellt, da der Inhaber in Pension ging und sich keine Möglichkeit einer Nachfolge ergab.

Dass Triesenberg innert einem Jahr die Dorfbäckerei und die Dorfmetzgerei verloren hat, ist nicht nur ein Verlust für die Nahversorgung, sondern auch ein Einschnitt in das Dorfleben. Kleine Geschäfte, Gasthäuser und andere Kleinbetriebe sind auch ein gesellschaftlicher Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Zum Glück haben wir noch ein echtes Dorfzentrum, wo sich die Leute im Dorfladen, den drei Restaurants, in der Poststelle, auf der Gemeindeverwaltung, im Vorzimmer des Arztes oder der Physiotherapie, im Pflegewohnheim, auf dem Kirchenvorplatz oder dem Friedhof treffen können.

Vier Landtagsabgeordnete und ein Regierungsrat

Bei den Landtagswahlen im Februar 2025 wurden gleich vier Kandidaten aus Triesenberg in den liechtensteinischen Landtag gewählt. Für Dagmar Bühler- Nigsch (Vaterländische Union – VU) und Sebastian Gassner (Fortschrittliche Bürgerpartei – FBP) hat damit die zweite Legislaturperiode begonnen. Roger Schädler (VU) und Achim Vogt (Demokraten pro Liechtenstein – DPL) kandidierten zum ersten Mal und schafften den Sprung ins Parlament auf Anhieb. Die vier Abgeordneten wissen, dass sich für unsere Berggemeinde mit dem weitläufigen Dorf, mit den Wintersportund Naherholungsgebieten Malbun und Steg, mit den rheintalseitigen Ferien- und Erholungsgebieten Masescha, Silum und Gaflei, mit den drei Maiensässen und sieben Gemeindealpen ganz andere Herausforderungen.

Seit 47 Jahren war niemand mehr aus Triesenberg Mitglied der fünfköpfigen Landesregierung. Wir am Bärg sind stolz, dass jetzt seit dem Frühjahr mit Dr. Emanuel Schädler wieder ein Triesenberger im Grossen Haus als Regierungsrat arbeitet. Er führt das breitgefächerte Ministerium für Gesellschaft und Justiz. Zu seinen vielen Herkulesaufgaben gehören unter anderem der seit Jahren kontrovers diskutierte Neubau eines Landesspitals und die steigenden Gesundheitskosten.

Neuer Stützpunkt

Der 16. Mai war in unserer Gemeinde, insbesondere für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr und die Samariter, ein Freudentag: Der neue Stützpunkt im Guferwald konnte nach gut zweijähriger Bauzeit eingeweiht werden. Dass ein Neubau notwendig und in der Bevölkerung unbestritten war, verdeutlicht das beeindruckende Abstimmungsergebnis vom November 2021, als die Stimmbürger den Verpflichtungskredit mit einem Ja-Stimmenanteil von 90,7 Prozent bewilligt hatten. Im alten, 50-jährigen Gebäude mangelte es schlichtweg an Platz für die Löschfahrzeuge und Gerätschaften. Aber auch der Standort direkt neben dem Schulhaus und Kindergarten zeigte sich beim Ausrücken der Feuerwehr aus Sicherheitsgründen problematisch. Der neue Stützpunkt im Guferwald mit grosszügigem Raumangebot, moderner Infrastruktur und an verkehrsmässig idealer Lage wird den Bedarf der Feuerwehr und der Samariter auf Jahrzehnte hinaus decken. Das wohl bedeutendste und teuerste Infrastrukturprojekt der letzten Jahre ist nun abgeschlossen.

Möglicher zentraler Schulstandort

Nach dem Umzug der Feuerwehr und Samariter in den neuen Stützpunkt im Guferwald steht das Untergeschoss des anno 1974 gebauten Mehrzweckgebäudes im Obergufer leer. Im Obergeschoss ist ein Kindergarten untergebracht. Da das Gebäude direkt neben der Primarschule liegt, prüft die Gemeinde die Einrichtung eines zentralen Schulstandortes. Der Kindergarten vom unteren Dorfteil Täscherloch würde hierher verlagert und die Voraussetzungen für die Tagesstrukturen mit Kinderbetreuung, Mittagstisch usw. geschaffen.

Holzhäuser
Modellfoto: Mit diesem Loipengebäude, in welchem ebenerdig ein Rennbüro, ein Wachsraum und Aufenthaltsraum, im unterirdischen Geschoss Umkleidekabinen und sanitäre Anlagen, eine Garage für das Pistenfahrzeug und Lagerfläche geplant sind, soll die Infrastruktur für die Langläufer verbessert
werden. Foto: Gemeindearchiv Triesenberg

Langlauf-Infrastruktur Steg blockiert

Steg bietet zusammen mit dem Valünatal den Langlaufsportlern eine herrliche Loipe in idyllischer Landschaft. Seit etlichen Jahren ist ein sanfter Ausbau der Infrastruktur geplant. Das provisorische Loipengebäude und zwei Schuppen würden abgebrochen. Dafür würde ein einfaches Loipengebäude mit einem unterirdischen und einem oberirdischen Geschoss gebaut, wo die Garage für das Loipenfahrzeug, ein Materialraum, Rennbüro, Wachs- und Aufenthaltsraum, Umkleidekabinen, Duschen und Toiletten Platz finden sollen. Das bestehende Alpwerkgebäude der Alpgenossenschaft Kleinsteg würde zu einem Vereinsraum und kleinem Restaurant umgebaut, das sanierungsbedürftige kleine Restaurant Seeblick abgebrochen und dort ein Lagerraum für die Alpgenossenschaft erstellt. Die Loipe bliebe unverändert. Anfangs Winter dürfte an drei Stellen etwas Kunstschnee produziert werden. Verschiedenste Ämter waren bei der Erarbeitung des Konzepts einbezogen, Gemeinde und Regierung haben das Projekt genehmigt und der Landtag hat einen Kredit zur Finanzierung bewilligt. Nun haben die Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz, angeblich wegen Verfahrensfehlern, und ein Anwalt im Steg aus prinzipiellen Überlegungen Beschwerde eingelegt. Dadurch wird das Projekt um weitere Jahre verzögern. Bei aller Achtung der Rechtsstaatlichkeit stellt sich in diesem Fall schon die Frage, wie Demokratie zu interpretieren ist.

Parkraumbewirtschaftung

Die Gemeinde hat in Zusammenarbeit mit dem Amt für Hochbau und Raumplanung sowie unter Einbezug verschiedener Institutionen ein Konzept für die Parkraumbewirtschaftung erstellt, das sich an den landesweiten Vorgaben orientiert, aber die spezifischen Gegebenheiten in Triesenberg berücksichtigt. Was spricht für ein solches Konzept: An schönen Wochenenden herrscht in Malbun, Steg, im Gaflei auf der Rheintalseite und zeitweise in anderen Gebieten ein Verkehrschaos. Die Parkierung ist gratis und ungeordnet. Das Konzept hat grundsätzlich seine Berechtigung, die praktische Umsetzung hingegen wird wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen in den Gebieten und der Besitzverhältnisse eine Herausforderung sein.

Landstrasse im Steg wird umgebaut

Die Landstrasse in den Tourismusort Malbun führt durch das idyllische Maiensäss Steg. Der Verkehr in der Ferienzeit und an Wochenenden ist immens. Die heutige Strasse verleitet zudem viele Autofahrer dazu, den Ort mit hoher Geschwindigkeit zu passieren. Schon vor vielen Jahren wurden deshalb Pläne geschmiedet, um den Verkehr zu verlangsamen und den Strassenraum dörflicher zu gestalten. Jetzt ist endlich auch das Land als Eigentümerin der Strasse bereit, die von der Gemeinde längst geforderten Massnahmen zu treffen. Die Verschiebung der Linienführung und eine entsprechende Gestaltung des Strassenraumes soll dazu führen, dass langsamer gefahren wird. Gleichzeitig sollen in diesem Bereich eine gedeckte Bushaltestelle, ein öffentliches WC und ein Technikraum für die Liechtensteinischen Kraftwerke erstellt werden.

Das und ditz

Die Gemeinde kaufte einen alten Stall auf Gnalp und eine Stallhälfte in der Bleika, wo sie bereits die andere Stallhälfte besitzt. Damit bietet sich der Gemeinde die Chance, zwei weitere Ställe in der Kulturlandschaft zu renovieren und zu erhalten. Alte Ställe sind bekanntlich Kulturgut und zeugen von der einstigen Viehwirtschaft am Bärg, wo die Bauern mit dem Vieh „naahigfaara“ sind, also von Stallgut zu Stallgut gezogen sind.

Im Mai 2022 hatten die Stimmbürger das vom Gemeinderat vorgelegte Konzept für die Erweiterung und Umgestaltung des Dorfzentrums abgelehnt. Die Gemeinde befasste sich 2025 erneut mit dem Thema „Neugestaltung des Dorfzentrums“. Sie will nunmehr einen neuen Weg einschlagen. Mit Teilprojekten soll ein neues Zentrum entstehen, das den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird. Ein Masterplan wurde erarbeitet, der nächste Schritt ist die Ausarbeitung einer Machbarkeitsstudie.

Die Umrüstung der Strassenbeleuchtung auf LED wurde konsequent fortgesetzt. Zur Verbesserung der Sicherheit im Dorfzentrum wurden die drei Zebrastreifen besser ausgeleuchtet.

Der Melkstand im Gebiet Gross-Steg wird im Sommer während rund sechs Wochen aufgestellt, um die rund 100 Kühe von der Sücka zu melken. Der Melkstand war im Jahr 2009 gemäss BGS-Verordnung (Berggebietssanierung) vom Land erstellt und zum grossen Teil finanziert worden. Heute befindet sich der Standort nach einer Kartierung in der Quellschutzzone der Rieter-Quellen und ist laut dem Amt für Umwelt nicht mehr akzeptabel. Die Quellen werden deshalb während der Alpzeit ausser Betrieb genommen. Es steht die Forderung im Raum, den Melkstandplatz zu verlegen, was aber alpwirtschaftlich und von den Kosten her keine einfache Sache ist. Die Suche nach Lösungen läuft.

Das Dorfgebiet von Triesenberg ist sehr weitläufig. Die Gemeinde hat nun ab vergangenen Dezember einen kostenlosen Ortsbus eingeführt, der die verschiedenen Weiler stündlich anfährt.

Schwar- Weiß bild historischer Postbus
Vor 100 Jahren wurde die Schlossstrasse gebaut. Damit erhielt Triesenberg eine zweite Strassenverbindung zum Tal. Bewundernswert ist, dass die Strasse durch das steile und felsige Gelände in Handarbeit innert einem Jahr fertiggestellt wurde. Foto: Gemeindearchiv Triesenberg

Der Gemeinderat hat entschieden, das Projekt einer Photovoltaikanlage am Hang unterhalb der Bergstation Sareis (oberhalb von Malbun) nicht weiterzuverfolgen. Zum einen wären laut den Kraftwerken die Kosten im Gegensatz zu Anlagen auf Dächern sehr hoch und die Anlage wäre nicht wirtschaftlich, zum anderen bestehen seitens der Gemeinde auch Bedenken bezüglich Akzeptanz in der Bevölkerung und Bewilligungsfähigkeit ausserhalb der Bauzone.

Vor 100 Jahren wurde die Schlossstrasse von Vaduz nach Triesenberg gebaut. Damit war Triesenberg nebst der in den 1860er-Jahren über den Meierhof und die Letzana führende Strasse über eine zweite Strasse mit dem Tal verbunden. Aus Anlass des Jubiläums gab es eine kleine Feierstunde und eine Sonderausstellung im Walser Museum Triesenberg.

Statistik

Die Einwohnerzahl ist seit 25 Jahren recht konstant geblieben und schwankt zwischen 2.600 und 2.700 Personen. Rund 55 Prozent sind Triesenberger Bürger, 22 Prozent andere Liechtensteiner und der Rest Ausländer.

Die aufgeführten Themen sollen zeigen, dass in der Walsergemeinde Triesenberg einiges in Bewegung ist und die Gemeinde vor vielen Herausforderungen steht. Mehr Infos über das Leben „bi ünsch am Bäärg“ gibt es auf: www.triesenberg.li, www.walsermuseum.li und www.ahnenforschung.li.

Hubert Sele