{"id":2509,"date":"2016-04-23T21:26:39","date_gmt":"2016-04-23T19:26:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wordpress.vorarlberger-walservereinigung.at\/?p=2509"},"modified":"2024-02-25T14:38:29","modified_gmt":"2024-02-25T13:38:29","slug":"tracht-in-kleines-walsertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/tracht-in-kleines-walsertal\/","title":{"rendered":"Tracht in Kleinwalsertal"},"content":{"rendered":"<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-2631 size-medium\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/045kw2-268x300.jpg\" alt=\"045kw2\" width=\"268\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/045kw2-268x300.jpg 268w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/045kw2-134x150.jpg 134w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/045kw2.jpg 536w\" sizes=\"auto, (max-width: 268px) 100vw, 268px\" \/><\/em><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1090\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/mittelberg-150x150.gif\" width=\"120\" height=\"126\" \/>&#8222;Leisch ds H\u00e4\u00e4s aa?&#8220;<\/em> Mit dieser Frage beginnt oft das Ankleideritual zum Kirchgang an Sonn- und Feiertagen in vielen Familien des Kleinen Walsertales. Wenn auch die Juppa und der Dreispitz immer seltener an Sonntagen zu sehen sind, so sind Hochzeiten, Taufen, Begr\u00e4bnisse und hohe Feiertage h\u00e4ufig Anlass, die wohl beh\u00fctete Tracht aus den Kleiderk\u00e4sten hervorzuholen und sie als Festtagskleid zu verwenden.<\/p>\n<p>Allerdings schreiben Pfarrer Joseph Fink und Dr. Hippolyt von Klenze 1891:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u00a0<em><span class=\"zitat\">An der Tracht haben die M\u00e4nner bis vor etwa zwanzig, die Frauen bis vor zehn Jahren im ganzen Thale z\u00e4h festgehalten. Leider hat inzwischen in der Gemeinde Riezlern die fr\u00fcher von den Walsern selbst im Spott (&#8230;) &#8222;Schwabh\u00e4\u00df&#8220; genannte, abscheuliche und geschmacklose Kleidung der Allg\u00e4uerinnen, ein l\u00e4cherlicher Abklatsch der franz\u00f6sischen Mode, \u00fcberhand genommen.<\/span><\/em><!--more--><\/p>\n<p>Trotz dieser pessimistischen Stimme aus dem 19. Jahrhundert hat sich das Tragen der Frauentracht in einigen Familien im Kleinen Walsertal bis heute gehalten. Bis vor wenigen Jahren gab es Frauen, die sonntags und werktags &#8222;i dr Juppa&#8220; ihre Arbeit verrichteten. Auch Wanderungen wurden &#8222;i der Juppa&#8220; unternommen.<\/p>\n<h4>Die Frauentracht<\/h4>\n<h5>Grundausstattung<\/h5>\n<p>Zur Grundausstattung geh\u00f6rt die gezogene, kurze oder lang\u00e4rmelige <b>Bluse<\/b> aus Baumwolle oder Leinen, an den B\u00fcndchen schlicht mit rotem Zierstich versehen. Von dieser Bluse sind lediglich die \u00c4rmel zu sehen. Dar\u00fcber wird der gr\u00fcne <b>Unterrock<\/b> aus Wolle oder festem Baumwollstoff gezogen. Das kurze, hoch geschlossene Mieder dieses Unterrocks endet oberhalb der Brust, ist mit breiten roten B\u00e4ndern eingefasst und zeigt auf schwarzem Untergrund Rosenstickereien. Mit vier achteckigen Silberkn\u00f6pfen wird dieses Mieder geschlossen. Der Saum des Unterrockes ist mit gro\u00dfen, roten Zacken verziert. \u00dcber diesem Unterkleid tr\u00e4gt die Kleinwalserin die <b>Juppa<\/b>, eine Art Tr\u00e4gerrock, der bis zu den Kn\u00f6cheln reicht. Die Juppa aus schwarz gef\u00e4rbter Baumwolle ist an breiten Samttr\u00e4gern befestigt und in ca. 1000 ein bis zwei mm breite Falten gelegt. Damit dieses in m\u00fchsamer Handarbeit hergestellte Pliss\u00e9e nicht seine Form verliert, wird die Juppa an ihrem Saum mit der Bsetze versehen. Dieser \u00fcppige, bis zu 18 cm hohe Volant aus schwerem Tuch verleiht der Tr\u00e4gerin einen eleganten Schwung beim Gehen und Tanzen.<\/p>\n<p> Der <b>F\u00fcrsches<\/b>, eine Sch\u00fcrze aus Seide, Halbseide oder Wollbrokat, fr\u00fcher auch aus Baumwolle, wird oberhalb der Brust mit den F\u00fcrschesb\u00e4ndel, das sind bestickte Samtb\u00e4nder, festgehalten. Die Farben und Muster des F\u00fcrsches haben viele Ver\u00e4nderungen mitgemacht. Heute besinnt man sich auf gedeckte Farben und kleine, eingewobene, traditionelle Muster. Beliebt sind auch einf\u00e4rbige, changierende Stoffe.<\/p>\n<p> Wei\u00dfe oder bei Beerdigungen schwarze <b>Str\u00fcmpfe<\/b> und schwarze, niedrige <b>Schnallenschuhe<\/b> machen die Grundausstattung der Walser Frauentracht komplett.<\/p>\n<h5>Schmuck<\/h5>\n<p>Das &#8222;Halsbaater&#8220;, eine <b>Korallenkette<\/b> aus Spitzkorallen oder Stockperlen in Form von F\u00e4sschen, kann bis zu f\u00fcnfreihig sein und wird am Nacken mit einer Silberschlie\u00dfe befestigt, auf der oft die Initialen der Tr\u00e4gerin eingraviert sind. Am besten kommt dieses wertvolle Schmuckst\u00fcck zur Geltung, wenn die Frisur der Tr\u00e4gerin den Nacken frei l\u00e4sst. Beim Kirchgang tragen die M\u00e4dchen den &#8222;Pl\u00e4tteleschg\u00fcrtel&#8220;, ein mit Silberpl\u00e4ttchen und drei kleinen Silberfiligranbroschen versehenes Samtband.<\/p>\n<p> Die Braut schm\u00fcckt sich an ihrem Hochzeitstag noch zus\u00e4tzlich mit der silbernen <b>Gollerkette<\/b>.<\/p>\n<p> Die Frauen tragen die &#8222;Bschlacht&#8220;, einen <b>Leder- oder Lacklederg\u00fcrtel<\/b>, beschlagen mit drei wertvollen, verschieden gro\u00dfen Gold- oder Silberornamenten. Bei Beerdigungen wird die Bschlacht durch den &#8222;Truurg\u00fcrtel&#8220;, einen schlichten, ca. 6 cm breiten schwarzen Lederg\u00fcrtel, ersetzt.<\/p>\n<h5>\u00dcberbekleidung<\/h5>\n<p>Die <b>\u00c4rmel<\/b>, ein kurzleibiges, lang\u00e4rmeliges schwarzes J\u00e4ckchen aus Wolltuch, Samt oder Seide sind oft mit einer breiten Webborte an Ausschnitt und \u00c4rmel eingefasst und lassen den Blick auf oberhalb der Brust gebundene Sch\u00fcrzenb\u00e4nder und Schmuckg\u00fcrtel frei. An hohen Festtagen und bei Beerdigungen werden die \u00c4rmel durch das mit Seidenchenille kunstvoll besetzte <b>Sch\u00e4lkle<\/b> aus schwarzem Tuch ersetzt. <b>Schlutta<\/b> hei\u00dft eine taillenlange, leicht ausgestellte Jacke aus kleingemustertem Wollstoff oder dunklem, einf\u00e4rbigem Samt, die gerne mit dem Strohhut kombiniert wird. Beim Kirchgang wird ein schmaler schwarzer <b>Schal<\/b> aus Seide oder Wollchiffon zur Schleife um den Hals gebunden. In der \u00dcbergangszeit w\u00e4rmt ein quadratischer, mit Fransen versehener, diagonal gefalteter Schal aus Wolltuch und im Winter tragen die Frauen und M\u00e4dchen das pelerinenartige M\u00e4ntele. Es ist schwarz, mit Pelz, Webpelz oder Wollbrokat gef\u00fcttert.<\/p>\n<h5>Kopfbedeckungen<\/h5>\n<p>Die Kopfbedeckung f\u00fcr M\u00e4dchen beim Kirchgang ist das &#8222;Kr\u00f6nele&#8220; oder der &#8222;Chrans&#8220;, eine mit Samt, kleinen Stoffblumen und Goldflitter verzierte <b>Krone<\/b>, die r\u00fcckw\u00e4rts mit vier roten, bei der Braut gr\u00fcnen, Seidenb\u00e4ndern versehen ist.<\/p>\n<p> Verheiratete und unverheiratete Frauen tragen gerne den &#8222;Siidahuat&#8220;, einen ca. 1890 aus dem Inntal eingef\u00fchrten steifen Hut, der mit schwarzer Seide \u00fcberzogen ist. Das Hutband ist goldfarben und die Unterkrempe zeigt eine reich verzierte Goldborte. F\u00fcr den Sommer gibt es den schwarzen &#8222;Schtroohuat&#8220;, besetzt mit einem breiten, ger\u00fcschten Atlasband, und den &#8222;L\u00e4nzahuat&#8220;, einen schwarzen breitkrempigen Filzhut mit niedrigem Gupf und langen, vorne herabh\u00e4ngenden Seidenb\u00e4ndern. &#8222;Birgerkappa&#8220; hei\u00dft eine kegelf\u00f6rmige, gestrickte und dann sorgf\u00e4ltig geb\u00fcrstete schwarze Wollkappe f\u00fcr den Winter. Verheirateten Frauen und Frauen in Trauer ist die &#8222;Breemakappa&#8220; oder &#8222;Soometkappa&#8220;, eine Pelzkappe aus Fischotterfell, vorbehalten. Sie ist zweiteilig, vorne etwas niedriger als hinten, und verdeckt die Haare der Tr\u00e4gerin v\u00f6llig. Der Boden der Kappe ist aus dunkelrotem Samt und mit Kordeln verziert. Bei traditionsbewussten Beerdigungen tr\u00e4gt die n\u00e4chste Verwandte des oder der Verstorbenen die &#8222;Schtuucha&#8220;, ein an die Witwentracht des Mittelalters erinnerndes wei\u00dfes Leinentuch mit Fransen, das sorgf\u00e4ltig um den Kopf gelegt wird, und einen hohen, konisch zulaufenden Filzhut, den &#8222;Schtuuchahuat&#8220;.<\/p>\n<h4>Die M\u00e4nnertracht<\/h4>\n<h5>Grundausstattung<\/h5>\n<p>Die Burschen und M\u00e4nner tragen zum wei\u00dfen <b>Baumwoll- oder Leinenhemd<\/b> schwarze <b>Kniebundhosen<\/b> aus Samt, Tuch oder Leder. Die schwarzen oder roten <b>Hosentr\u00e4ger<\/b> und die 10 &#8211; 15 cm breiten Gurte aus schwarzem Tuch oder Leder weisen meist bunte Seidenstickereien auf. <b>Ledergurte<\/b> sind oft mit Federkielen bestickt oder mit Eisen- oder Messingnieten beschlagen. Manchmal dient der Gurt auch als Geldkatze. Wei\u00dfe oder bei Trauer dunkelblaue <b>Str\u00fcmpfe<\/b>, schwarze <b>Schnallen- oder Bundschuhe<\/b> und das &#8222;T\u00fcachle&#8220;, eine bunte oder schwarze seidene Schleife am Hals des Tr\u00e4gers, d\u00fcrfen nicht fehlen.<\/p>\n<h5>\u00dcberbekleidung<\/h5>\n<p>Die Burschen tragen eine wei\u00dfe gestrickte Zipfelkappe und den L\u00e4\u00e4derliib, ein kurzes wei\u00dfes Schaflederwams mit gr\u00fcnen Zierstichen und scharlachroten Tuch\u00e4rmeln.<\/p>\n<p> Der verheiratete Mann tr\u00e4gt zum <b>Liible<\/b>, einer roten Tuchweste mit Silberkn\u00f6pfen, und zum <b>Kamisol<\/b>, einem knielangen, schwarzen oder dunkelf\u00e4rbigen Gehrock, den <b>Dreischpitz<\/b> als Kopfbedeckung. Der Br\u00e4utigam bekommt an seinem Hochzeitstag einen schwarzen <b>Wollzylinder<\/b> und den &#8222;Bruutschtruu\u00df&#8220;, einen Ansteckstrau\u00df, der aus denselben Materialien besteht wie die Krone der Braut.<\/p>\n<h5>Verena Gillard-Fritz<\/h5>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/mittelberg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gemeinde Mittelberg<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Leisch ds H\u00e4\u00e4s aa?&#8220; Mit dieser Frage beginnt oft das Ankleideritual zum Kirchgang an Sonn- und Feiertagen in vielen Familien des Kleinen Walsertales. 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