{"id":19894,"date":"2026-06-30T16:39:34","date_gmt":"2026-06-30T14:39:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=19894"},"modified":"2026-06-30T16:40:27","modified_gmt":"2026-06-30T14:40:27","slug":"heimat-kehrt-zur-heimat-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/heimat-kehrt-zur-heimat-wieder\/","title":{"rendered":"HEIMAT KEHRT ZUR HEIMAT WIEDER"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"632\" height=\"401\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/WH119-1.jpg\" alt=\"Am 20. September 1945 feierten die Kleinwalsertaler die Wiedervereinigung des Kleinwalsertals\nmit Vorarlberg. Zu diesem historischen Festakt an der Walserschanz trafen sich Mitglieder des neu\ngegr\u00fcndeten Vorarlberger Landtags, Vertreter der Franz\u00f6sischen Besatzungsmacht sowie Pers\u00f6nlichkeiten\naus Vorarlberg und aus dem Tal. Foto: Karl Max Kessler Archive\" class=\"wp-image-19896\" style=\"width:826px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/WH119-1.jpg 632w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/WH119-1-300x190.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Am 20. September 1945 feierten die Kleinwalsertaler die Wiedervereinigung des Kleinwalsertals<br>mit Vorarlberg. Zu diesem historischen Festakt an der Walserschanz trafen sich Mitglieder des neu<br>gegr\u00fcndeten Vorarlberger Landtags, Vertreter der Franz\u00f6sischen Besatzungsmacht sowie Pers\u00f6nlichkeiten<br>aus Vorarlberg und aus dem Tal. Foto: Karl Max Kessler Archive<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 20. September 1945 wurde die offizielle Wiedervereinigung des Kleinwalsertals mit Vorarlberg gefeiert \u2013 nach sieben Jahren Zugeh\u00f6rigkeit zum \u201eGau Schwaben\u201c infolge des Anschlusses \u00d6sterreichs an das Deutsche Reich im M\u00e4rz 1938. Zu diesem historischen Festakt trafen sich Mitglieder des neu gegr\u00fcndeten Vorarlberger Landtags, Vertreter der Franz\u00f6sischen Besatzungsmacht sowie Pers\u00f6nlichkeiten aus dem L\u00e4ndle und aus dem Tal selbst im Kleinwalsertal.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Anschluss \u00d6sterreichs an das nationalsozialistische Deutschland, de facto der Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 12. M\u00e4rz 1938, hatte f\u00fcr das Kleinwalsertal weitreichende Folgen. Naturgem\u00e4\u00df verlor durch die Angliederung an Deutschland der Zollanschlussvertrag von 1890 seine Bedeutung. Der Gemeindetag wurde aufgel\u00f6st und B\u00fcrgermeister Gedeon M. Fritz abgesetzt. Am 16. April 1938, wenige Tage nach der Abstimmung \u00fcber den Anschluss \u00d6sterreichs an das Deutsche Reich, stellten der Kommissarische B\u00fcrgermeister und die NSDAP-Ortsgruppenleitung bei der Landeshauptmannschaft und der NSDAP-Gauleitung Vorarlberg den Antrag, das Kleinwalsertal im Zuge des Neuaufbaus \u00d6sterreichs verwaltungsm\u00e4\u00dfig dem Bezirk Sonthofen im Regierungsbezirk Schwaben einzugliedern. Die Partei feierte schlie\u00dflich am 12. Juli 1938 pomp\u00f6s die Eingliederung des Kleinwalsertals in den NSDAP-Gau Schwaben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die feierliche \u00dcbernahme vollzog bei str\u00f6menden Regen der Gauleiter Karl Wahl. Nicht wenige Kleinwalsertaler blieben dieser Zeremonie freilich fern, manche wohl auch demonstrativ, um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen. F\u00fcr alle politischen Ma\u00dfnahmen war ab diesem Zeitpunkt der Gau Schwaben zust\u00e4ndig. Die Steuern mussten in Folge nach Deutschland abgef\u00fchrt werden. Zu Beginn der NS-Zeit wurde das Kleinwalsertal als zweitgr\u00f6\u00dfter Wintersportplatz des Gro\u00dfdeutschen Reiches beworben. Nach Ausbruch des Kriegs kam der Fremdenverkehr jedoch nach und nach zum Erliegen. Andererseits nahm die Anzahl der im Tal evakuierten Personen betr\u00e4chtlich zu. Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges waren \u00fcberall zu sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1944 landeten die Alliierten Streitkr\u00e4fte in der Normandie. Die Frontlinien r\u00fcckten immer n\u00e4her und schoben viele Tausende ostdeutsche Fl\u00fcchtlinge in den s\u00fcddeutschen Raum, so auch ins Kleinwalsertal, das sich seit M\u00e4rz 1945 mit Tausenden von Fl\u00fcchtlingen und Evakuierten f\u00fcllte. Hinzu kamen \u00fcber tausend Rekonvaleszenten, die in den zu Lazaretten umgewandelten Hotels untergebracht wurden. Im Verlauf von wenigen Monaten wuchs die Bev\u00f6lkerung von 2.500 auf nahezu 10.000 Personen, die versorgt werden mussten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abseits der akuten Nahrungssorgen bangte die Walser Bev\u00f6lkerung mehr denn je um das Schicksal ihrer Angeh\u00f6rigen an der Front. Einhundert Kleinwalsertaler waren bereits gefallen, f\u00fcnfzig galten als vermisst und noch dreihundert k\u00e4mpften an allen Fronten. Nur durch Abh\u00f6ren von Feindsendern im Radio erfuhr man von dem Herannahen der Westarmeen, die am 27. April 1945 Kempten erreicht hatten. In Kenntnis dieser h\u00f6chst bedrohlichen Lage sahen sich beherzte M\u00e4nner seit den Aprilwochen zu regelm\u00e4\u00dfigen Nachtwachen gen\u00f6tigt, um Leben, Hab und Gut der Mitb\u00fcrger vor un\u00fcberlegten \u00dcbergriffen und Pl\u00fcnderungen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwas Zuversicht auf eine \u201eL\u00f6sung ohne Blutvergie\u00dfen\u201c bewirkten die abgeworfenen Flugbl\u00e4tter, in denen Franzosen und Amerikaner zusicherten, in \u00d6sterreich als \u201eBefreier\u201c einmarschieren zu wollen. Einen zweiten Hoffnungsschimmer bildeten die von der Gestapo als sogenannte \u201eEhrengefangene des III. Reiches\u201c im Ifen Hotel in Hirschegg internierten Ausl\u00e4nder, unter denen der ehemalige franz\u00f6sische Botschafter Andr\u00e9 Fran\u00e7ois-Poncet eine Schl\u00fcsselrolle spielen sollte. Ein von ihm verfasstes Schreiben konnte von Peter Meusburger, dem Leiter der im Fr\u00fchjahr gebildeten Widerstandsbewegung, mit Hilfe einiger Mitglieder der Oberstdorfer Heimwehr an die ins Allg\u00e4u vorger\u00fcckten Franzosen \u00fcbergeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Kriegstagen wurde das Kleinwalsertal vor dem Anr\u00fccken der franz\u00f6sisch-marokkanischen Truppen von der \u00f6sterreichischen Widerstandsbewegung, dem Heimatschutz, unter Kontrolle gebracht. Diese M\u00e4nner mit Peter Meusburger an der Spitze waren bewaffnet. Waffen und Munition hatten sie vom J\u00e4gerbataillon aus Oberstdorf bekommen: 40 Maschinenpistolen, einige Dutzend Pistolen, Gewehre, Infanteriemunition und 100 Handgranaten. Das Ziel des Heimatschutzes war, in den letzten Kriegstagen das Kleinwalsertal sowohl vor den fanatischen Nationalsozialisten als auch vor den anr\u00fcckenden k\u00e4mpfenden Truppen der Alliierten zu sch\u00fctzen und das Tal kampflos zu \u00fcbergeben. Letztlich konnte diese \u00dcbergabe ohne Blutvergie\u00dfen erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 1. Mai 1945 umstellten 30 M\u00e4nner des Heimatschutzes das provisorisch im Caf\u00e9 Seiwald in Riezlern, dem sp\u00e4teren Caf\u00e9 Amely, untergebrachte Gemeindeamt. Die zivile Verwaltung wurde an Gedeon Fritz und Peter Meusburger \u00fcbergeben. Am 2. Mai 1945 erwartete an der Walserschanz eine Delegation des Heimatschutzes mit dem Schild \u201eHere is Austria\u201c das Eintreffen der amerikanischen Truppen. \u00dcberraschenderweise kamen dann aber franz\u00f6sische Truppen, deren schwere Panzer wegen zu geringer Breite und Tragf\u00e4higkeit der Br\u00fccken wieder umkehren und durch leichtere Sp\u00e4hwagen ersetzt wurden. Um 11 Uhr erreichte dann die franz\u00f6sische Kolonne das Gemeindeamt im Caf\u00e9 Seiwald. Hier erfolgte durch denkommissarisch ernannten B\u00fcrgermeister Gedeon Fritz die formelle \u00dcbergabe des Walsertales an den franz\u00f6sischen Kommandanten General Armoux de Maison Rouge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 4. Mai wurden die rund 30 Ehrengefangenen im Ifen Hotel von den Franzosen befreit. Am gleichen Tag wurde der erstgeborene Sohn Kaiser Wilhelms II., der sogenannte Kronprinz Wilhelm \u2013 seit 1941 Chef des Hauses Hohenzollern \u2013, in Baad festgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An der Walserschanz trafen nun die Alliierten Amerikaner, die das Allg\u00e4u besetzt hatten, und die Alliierten Franzosen zusammen. Die Aufteilung f\u00fchrte auch zu wirtschaftlichen und zollproblematischen Schwierigkeiten. Am 10. Mai erfolgte die Einquartierung von 500 Marokkanern der Zweiten Marokkanischen Infanteriedivision als erste stationierte franz\u00f6sische Besatzung. Im Haus Steppe, beim heutigen Caf\u00e9 Behringer in Mittelberg, wurde f\u00fcr den franz\u00f6sischen Gouverneur Capitaine Demossaineau die Ortskommandatur eingerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits zwei Tage sp\u00e4ter, am 12. Mai 1945, erschien das \u201eWalser Gemeindeblatt\u201c \u2013 das erste Printmedium in West\u00f6sterreich und im s\u00fcddeutschen Raum nach Kriegsende \u2013 als Fortsetzung des \u201eWalser Heimatboten\u201c, der 1938 im Zuge der Gleichschaltung der Presse sein Erscheinen hatte einstellen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background wp-block-paragraph\">\u201ePanzer erscheinen auf der Stra\u00dfe mitten im Schnee. Die<br>franz\u00f6sische Fahne flattert auf ihren drehbaren Gesch\u00fctzt\u00fcrmen.<br>Sie bleiben direkt am Hotel stehen, ein Wagen<br>kommt bis zu unserer T\u00fcr herauf, die Dorfaufseher,<br>die Gendarmen schlie\u00dfen sich an, Offiziere steigen aus,<br>darunter ist Oberst Durausoy.\u201c<br><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andr\u00e9 Fran\u00e7ois-Poncet, Tagebuch eines Gefangenen, S. 531<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mai 1945 trafen weitere hochrangige franz\u00f6sische Milit\u00e4rs im Kleinwalsertal ein. Die im Tal anwesenden franz\u00f6sischen und marokkanischen Besatzungssoldaten feierten ihren Sieg \u00fcber das nationalsozialistische Deutschland am 20. Mai 1945 mit einer gro\u00dfen Parade in Anwesenheit von Charles de Gaulle, dem sp\u00e4teren Staatspr\u00e4sidenten von Frankreich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schrittweise normalisierte sich nun das \u00f6ffentliche Leben. Am 30. Juli 1945 wurde der Postdienst nach \u00d6sterreich \u00fcber Schoppernau aufgenommen. Der Schulunterricht begann am 1. Oktober 1945 wieder. Ab dem 21. Oktober 1945 erhielten die Bewohner Kennkarten (Personalausweise) und Grenz\u00fcbertrittsscheine.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"737\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Veroeffentlichungsblatt-KWT-737x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-19901\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Veroeffentlichungsblatt-KWT-737x1024.jpg 737w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Veroeffentlichungsblatt-KWT-216x300.jpg 216w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Veroeffentlichungsblatt-KWT-768x1067.jpg 768w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Veroeffentlichungsblatt-KWT.jpg 947w\" sizes=\"auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Festakt mit dem Titel \u201eHeimat kehrt zur Heimat wieder \u2026\u201c markierte am 20. September 1945 die offizielle R\u00fcckkehr der Gemeinde Mittelberg zu \u00d6sterreich. In den ersten Monaten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges pr\u00e4gte die Anwesenheit franz\u00f6sischer und marokkanischer Besatzungssoldaten das Bild des Kleinwalsertals. Diese sicherten auch die Grenze an der Walserschanz. Die Bewegungsfreiheit war eingeschr\u00e4nkt und mit Passagierscheinen geregelt. Der Grenz\u00fcbertritt in die benachbarte US- Zone war nicht immer einfach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Tag des Festaktes am 20. September 1945 fand in der Alten Krone in Mittelberg auch eine Krisensitzung statt. Es trafen sich unter anderem Landeshauptmann Ulrich Ilg, Landesgouverneur Oberst Jung, Vertreter der Bezirkshauptmannschaft, B\u00fcrgermeister und Gemeinder\u00e4te. Die geografische Lage des Kleinwalsertals mit der franz\u00f6sischen Besatzung und der unter amerikanischer Besatzung stehenden Nachbarregion Allg\u00e4u f\u00fchrte zu vielen Problemen und b\u00fcrokratischen H\u00fcrden. Gekl\u00e4rt werden musste dringend, f\u00fcr welche Angelegenheiten Sonthofen und wof\u00fcr Bregenz zust\u00e4ndig ist. Sogar ein Gebietstausch Kleinwalsertal und Jungholz an Deutschland und Balderschwang an \u00d6sterreich stand zur Debatte. Wie erfolgt der Amts- und Postverkehr? Bei einer Lieferung \u00fcber das Allg\u00e4u w\u00e4re die Zensur der Amerikaner zust\u00e4ndig. Welche G\u00fcltigkeit hat der Zollanschlussvertrag? Wie erfolgt die Versorgung des Kleinwalsertals mit Lebensmitteln? Kann der Omnibusverkehr zwischen Oberstdorf und dem Tal wieder aufgenommen werden? Ein Kompromiss wurde gefunden: Das Kleinwalsertal liefert Fleisch, K\u00e4se und Butter nach Bayern ab, im Gegenzug erfolgt die Lebensmittelversorgung \u00fcber Sonthofen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 25. November 1945 wurde B\u00fcrgermeister Gedeon Fritz in den Vorarlberger Landtag gew\u00e4hlt. Am 1. Dezember 1945 konnte schlie\u00dflich auch der Postverkehr mit Bayern wieder aufgenommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den folgenden Jahren wurde auch das gesellschaftliche und kulturelle Leben wiederbelebt: Im M\u00e4rz 1946 fand die 40-Jahr-Feier des Skiclubs Kleinwalsertal statt. Am 1. August 1946 wurde die neue Telefonleitung nach Schoppernau in Betrieb genommen. Einen Vorgeschmack f\u00fcr den Aufbruch in eine neue Zeit gaben die Walser Kulturtage 1946. In einer Ausstellung, die auch wirtschaftliche Perspektiven er\u00f6ffnen sollte, pr\u00e4sentierten sich Handwerksbetriebe des Tales. Nur kurze Zeit nach der nationalsozialistischen Herrschaft wurde f\u00fcr die Feier bewusst der Titel \u201e950 Jahre \u00d6sterreich \u2013 650 Jahre Walsertal\u201c gew\u00e4hlt. Die Grenzkontrollen durch die franz\u00f6sischen Soldaten an der Walserschanz endeten im April 1947. Wenige Tage sp\u00e4ter wurde die Grenze wieder besetzt, nunmehr von \u00f6sterreichischen Soldaten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 1. Oktober 1947 konstituierte sich eine neue Gemeindevertretung, erneut unter B\u00fcrgermeister Gedeon Fritz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 15. Dezember 1948 verlie\u00df der letzte Soldat der franz\u00f6sischen Besatzungsmacht das Kleinwalsertal. Dies bedeutete, dass alle seit Kriegsende beschlagnahmten Hotels und Privatwohnungen wieder f\u00fcr den Tourismus zur Verf\u00fcgung standen. Dieser wurde durch den erleichterten Grenz\u00fcbertritt aus Deutschland ma\u00dfgeblich gef\u00f6rdert und erlebte zu Weihnachten 1948 eine erste, noch zaghafte Bl\u00fcte. Der Tourismus sollte sich in den kommenden Jahrzehnten ungeahnt weiterentwickeln, vor allem durch das deutsche Wirtschaftswunder der 1950er Jahre gef\u00f6rdert. Nachdem bereits 1940 der erste Skilift im Kleinwalsertal errichtet worden war, setzte nunmehr die Schaffung neuer und moderner touristischer Infrastruktur ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 25. Dezember 1948 kehrte mit Max Kessler aus der Schwende der letzte Walser Kriegsgefangene aus Jugoslawien zur\u00fcck. B\u00fcrgermeister Gedeon Fritz, der das Tal durch diese schwierige Zeit gef\u00fchrt hatte, verstarb am 18. Juli 1950. Wenige Wochen sp\u00e4ter, am 18. August 1950, wurde die Passkontrolle an der Walserschanz aufgehoben, womit auch die letzten Spuren der Besatzungszeit verschwanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Nachkriegszeit erhielt der Zollanschlussvertrag f\u00fcr das Kleinwalsertal erneute Bedeutung. Die Reichsmark wurde mit der W\u00e4hrungsreform am 21. Juni 1948 durch die D-Mark ersetzt. Nach der W\u00e4hrungsreform steigerte sich die Bedeutung des Kleinwalsertals als Bankenplatz abermals, indem viele deutsche G\u00e4ste ihren Urlaub mit der Erledigung von Bankgesch\u00e4ften verbanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Anlass des 80-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums wurde eine Ausstellung mit dem Thema \u201eHeimat kehrt zur Heimat wieder\u201c kuratiert und organisiert. Am 20. September 2025 fand auf dem Gemeindeplatz in Riezlern die Er\u00f6ffnung dieser sehr interessanten Ausstellung statt. Ein herzliches Dankesch\u00f6n an alle, die daran mitgewirkt haben, besonders an Dr. Thomas Gayda und Gemeindechronist Stefan Heim, an die Fachgruppe Kultur und Brauchtum mit Andrea Kainz und Renate Liebl, an Bettina und Mathias Kessler f\u00fcr die vielen Fotos aus den Karl Max Kessler Archiven. Die Ausstellung konnte im Gemeindeamt Riezlern und im Landhaus Bregenz besichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die nie gebaute Widdersteinstra\u00dfe<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background wp-block-paragraph\">Kurz nach dem Anschluss \u00d6sterreichs an das Deutsche Reich schickte das neue Ministerium f\u00fcr Wirtschaft und Arbeit am 11. Juni 1938 einen Bericht an den Generalinspektor f\u00fcr das deutsche Stra\u00dfenwesen \u00fcber eine Fortsetzung der Flexenstra\u00dfe von Lech \u00fcber die Auenfelder nach Hochkrumbach und weiter nach Oberstdorf. Die zu planende Verbindung zwischen dem Kleinwalsertal, dem Hochtannberg und Lech wurde als Widdersteinstra\u00dfe bezeichnet. Die Stra\u00dfe sollte durch das B\u00e4rgunt gebaut werden und durch einen zwei Kilometer langen Tunnel unterhalb des Hochtannbergpasses wieder an das Tageslicht f\u00fchren. Die ersten Baubaracken trafen bereits am 28. August 1939 beim Bauhof in Kempten ein. Einige Tage sp\u00e4ter, am 1.September 1939, begann der Zweite Weltkrieg und die Verwirklichung der Widdersteinstra\u00dfe kam nicht mehr in Betracht. Nach dem Krieg kam das Thema Stra\u00dfenverbindung wieder auf den Tisch. Am 3. Oktober 1945 legte der Vorarlberger Landesbaudienst einen technischen Bericht zur Stra\u00dfenverbindung Bregenzerwald\u2013Kleinwalsertal vor. Es wurden zwei Wahltrassen vorgeschlagen. Eine von Hochkrumbach mit einem zwei Kilometer langen Tunnel \u00fcber den Hochalppass durch das B\u00e4rgunttal, die zweite Variante f\u00fchrte von Sibratsgf\u00e4ll durch das Hirschgundtal \u00fcber deutsches Reichsgebiet ins Kleinwalsertal. Wobei hier die Franzosen in einem Geheimprotokoll vermerkten, dass f\u00fcr diesen Fall noch Gebiete annektiert werden m\u00fcssten, da das Rohrmoostal zur US-Besatzungsmacht geh\u00f6rt. Die Pl\u00e4ne verschwanden dann aber wieder in der Schublade.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jodok M\u00fcller, Riezlern<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Quellen:<br>Ausstellung \u201eHeimat kehrt zur Heimat wieder\u201c 2025<br>Gemeindearchiv Mittelberg<br>Karl Max Kessler Archive<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 20. September 1945 feierten die Kleinwalsertaler die Wiedervereinigung des Kleinwalsertalsmit Vorarlberg. 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