{"id":19619,"date":"2025-08-03T19:21:25","date_gmt":"2025-08-03T17:21:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=19619"},"modified":"2025-08-03T19:22:55","modified_gmt":"2025-08-03T17:22:55","slug":"brand-fundament-fuer-das-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/brand-fundament-fuer-das-leben\/","title":{"rendered":"BRAND \u2013 FUNDAMENT F\u00dcR DAS LEBEN"},"content":{"rendered":"\n<p>Unter Kaiserin Maria Theresia wurde im Jahr 1774 die Unterrichtspflicht f\u00fcr \u00d6sterreich und die unter habsburgerischer Herrschaft stehenden L\u00e4nder eingef\u00fchrt. Eine eigene Schule in Brand ist aber erst Ende des 18. Jahrhunderts auf mehrfaches Dr\u00e4ngen des Kreisamtes errichtet worden. Es war eine einklassige Volksschule, wo die Kinder lesen, schreiben und rechnen lernten. Der Pfarrer hatte die Pflicht, einmal w\u00f6chentlich in die Schule zu gehen und Christenlehre zu halten. Nach einer schriftlichen Aufzeichnung mussten die Schulkinder jeden Abend nach beendeter Schule ein \u201eVaterunser\u201c und ein \u201eAve- Maria\u201c beten.<\/p>\n\n\n<a class=\"wp-block-read-more\" href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/brand-fundament-fuer-das-leben\/\" target=\"_self\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">: BRAND \u2013 FUNDAMENT F\u00dcR DAS LEBEN<\/span><\/a>\n\n\n<p>Wie alt das erste Schulhaus ist und wann erstmals Unterricht gehalten wurde, ist nicht genau bekannt. Es d\u00fcrfte das Jahr 1793 gewesen sein, als Chrysogonus Sugg als erster Lehrer von Rungelin nach Brand versetzt wurde. Der Posten eines Lehrers in einem abgelegenen und schwer erreichbaren Bergdorf war verst\u00e4ndlicherweise nicht begehrt. So blieb die Stelle \u00f6fters unbesetzt, da kein Lehrer gefunden werden konnte. In diesen F\u00e4llen sprang immer wieder der Pfarrer ein und musste Unterricht erteilen. Franz M\u00e4ser, Pfarrer von 1827 bis 1843, schreibt in seiner Chronik:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eIn Brand befindet sich nur eine Schule und zwar n\u00e4chst der Pfarrkirche. Es ist nur ein Schulzimmer vorhanden. Im Winter 1833\/34 besuchten 76 Kinder die Schule. Sie h\u00e4lt einen eigenen Lehrer, der zugleich auch Organist ist. Der Gottesdienst wird mit Orgel und Gesang gefeiert.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1884 kam Melchior Geser aus Andelsbuch als Pfarrer nach Brand. Er muss ein sehr fortschrittlicher Mann gewesen sein, denn auf seine Anregung hin wurde eine Sonntagsschule eingef\u00fchrt. Den Unterricht hielten Pfarrer und Lehrer gemeinsam. Schulpflichtig waren alle ausgeschulten M\u00e4dchen und Burschen bis zum 18. Lebensjahr. Die Volksschule wurde bis zum Jahr 1912 einklassig gef\u00fchrt, wobei sich die Sch\u00fclerzahlen zwischen 50 und 65 bewegten und das in nur einem Klassenzimmer.<\/p>\n\n\n\n<p>Als im Schuljahr 1911\/12 die Sch\u00fclerzahl auf 75 anstieg, wurde die Schule erstmals zweiklassig gef\u00fchrt. Die erste Klasse mit 33 Sch\u00fclern unterrichtete Elsa Muther und die zweite Klasse mit 42 Sch\u00fclern der bisherige Lehrer Fidel Schallert. Die Einstellung und Entlohnung der zweiten Lehrkraft war Aufgabe der Gemeinde und musste vom Gemeindeausschuss jedes Jahr neu beschlossen werden. W\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges wurde der zweiklassige Schulbetrieb eingestellt, da keine zweite Lehrkraft zu finden war. Nach Kriegsende ist wieder eine zweite Lehrkraft besch\u00e4ftigt und der Schulbetrieb zweiklassig gef\u00fchrt worden. Den Religionsunterricht erteilte der jeweilige Pfarrer. Ab dem Schuljahr 1972\/73 gab es keine Oberstufe mehr, denn von da an durften in der Dorfschule von Brand nur noch Sch\u00fcler von der 1. bis zur 4. Schulstufe unterrichtet werden. Die Volksschule wurde trotzdem \u2013 und das heute noch \u2013 zweiklassig weitergef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 3. November 1924 fasste der Gemeindeausschuss einen f\u00fcr damalige Zeiten sehr weitsichtigen Beschluss zur F\u00fchrung einer Fortbildungsschule:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eZum Besuch der Fortbildungsschule, 3 bis 4 Stunden in der Woche, sind alle ausgeschulten J\u00fcnglinge bis zum vollendeten 17. Lebensjahr verpflichtet und haben dem Herrn Schulleiter Fidel Schallert in allen St\u00fccken gehorsam zu leisten.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter wurde die Schule als Sonntagsschule gef\u00fchrt. Der Besuch war auch f\u00fcr M\u00e4dchen verpflichtend. Anfang der 1930er Jahre wurde die Sonntagsschule wieder aufgelassen. Im Jahr 1937 beschloss der Gemeindeausschuss aufgrund einer Weisung der Landeshauptmannschaft Vorarlberg, die Fortbildungsschule f\u00fcr die Jahrg\u00e4nge 1919 bis einschlie\u00dflich 1923 wieder einzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Bestehen der Volksschule ist an der Erhaltung des Geb\u00e4udes und an der Inneneinrichtung nur wenig geschehen. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges wurden \u00fcberhaupt keine Instandhaltungsarbeiten durchgef\u00fchrt. Die Gemeinde hatte weder Geld noch Zeit daf\u00fcr. Das Schulgeb\u00e4ude samt Inventar befand sich in einem desolaten Zustand. Als nach Kriegsende franz\u00f6sisches Milit\u00e4r Brand besetzte, bestellte dieses einen kommissarischen B\u00fcrgermeister und Gemeindeausschuss. Bereits in der ersten Sitzung am 20. Mai 1945 wies der Ausschuss auf die Missst\u00e4nde in der Schule hin und fasste folgenden Beschluss:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDas Schulhaus, welches sich in kolossaler Unordnung befindet, soll von Hitler- Anh\u00e4ngern gereinigt werden.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nachdem sich f\u00fcr diese Arbeiten kein einziger Hitler- Anh\u00e4nger finden lie\u00df, wurde der Ausschuss nochmals aktiv und beschloss im J\u00e4nner 1946:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eIn Anbetracht, dass sich die Abortanlage im Schulhaus, besonders im Parterre, in einem gesundheitswidrigen Zustand befindet, wird beschlossen, bis zur gegebenen Zeit diese Frage bestm\u00f6glich zu erledigen und dies dem Franz Josef Schedler zu \u00fcbergeben. Wegen der Dringlichkeit des Ersatzes der Schulb\u00e4nke wurde vorerst vereinbart, Holzscheine zu beschaffen, dann Holz zu liefern und neue Schulb\u00e4nke zu bestellen.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Als ich im Herbst 1946 als Erstkl\u00e4ssler einschulte, sa\u00df ich jedenfalls auf einer neuen Schulbank und das \u201ePlumpsklosett\u201c konnte anstandslos, jedoch mit kleinem Beigeschmack ben\u00fctzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte in der Volksschule wieder normaler Alltag ein. Auch die Fortbildungsschule wurde weitergef\u00fchrt, der Unterricht aber auf zwei Jahre verl\u00e4ngert. Dieser fand von November bis April statt. Die Schule erhielt aber einen neuen Namen. F\u00fcr die m\u00e4nnlichen Volksschulabg\u00e4nger wurde sie in landwirtschaftliche Fortbildungsschule und f\u00fcr die M\u00e4dchen in Haushaltungsschule umbenannt. Die Burschen wurden w\u00f6chentlich an zwei Abenden unterrichtet und die M\u00e4dchen w\u00f6chentlich an zwei Nachmittagen. [&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Krieg begann wieder frisches Leben zu pulsieren und der Tourismus erlebte einen nicht geahnten Aufschwung. Neben vielen G\u00e4sten aus Deutschland verbrachten auch Engl\u00e4nder und Franzosen ihren Urlaub in unserem Dorf. Schon damals erkannten die Fremdenverkehrsinteressierten von Brand, wie wichtig es ist, eine Fremdsprache zu erlernen. Es war geradezu ein Gl\u00fccksfall, dass zu dieser Zeit die Grafenfamilie Sch\u00f6nborn hier wohnte. [&#8230;] Sie fl\u00fcchtete am Ende des Krieges vor den Russen von Hollabrunn in Nieder\u00f6sterreich nach Brand. Die Familie besch\u00e4ftigte f\u00fcr ihre Kinder standesgem\u00e4\u00df eine Privatlehrerin. Diese unterrichtete deren f\u00fcnf Spr\u00f6sslinge in den Fremdsprachen Englisch und Franz\u00f6sisch. Frau Kleteschka, die von den Brandnern liebevoll \u201eMissi\u201c gerufen wurde, konnte als Lehrerin f\u00fcr die Fortbildungs- und Haushaltungsschule gewonnen werden. Sie brachte den Sch\u00fclern die Grundbegriffe der englischen und franz\u00f6sischen Sprache bei. Urlaubsg\u00e4ste aus England und Frankreich waren dann nicht wenig \u00fcberrascht, wenn ihnen junge Einheimische, zwar etwas holprig, in Englisch und Franz\u00f6sisch antworteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab den 1950er Jahren besuchten immer mehr Brandner eine h\u00f6herbildende Schule. Die Sch\u00fclerzahlen in der Fortbildungsschule gingen stark zur\u00fcck. Um den Bestand doch zu sichern, wurde die Fortbildungsschule von Brand mit der in B\u00fcrserberg zusammengelegt. Dort fand auch der gemeinsame Unterricht statt. Leo Ga\u00dfner erz\u00e4hlte mir, dass er als einziger Bub des Jahrgangs 1945 auch einziger Sch\u00fcler von Brand in der Fortbildungsschule gewesen sei. Da auch in B\u00fcrserberg die Sch\u00fclerzahlen stark zur\u00fcckgegangen sind, wurde im Jahre 1959 der Schulbetrieb endg\u00fcltig eingestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Brandner Volkssch\u00fcler begann seit Bestehen der Schule bis in die 1980er Jahre jeder Schultag mit einer heiligen Messe. Diese fand t\u00e4glich um 7:15 Uhr statt. Es galt nicht nur Anwesenheitspflicht f\u00fcr alle Sch\u00fcler, sondern auch Aufsichtspflicht f\u00fcr den jeweiligen Lehrer. Pfarrer Anton D\u00f6nz, von 1893 bis 1900 Seelsorger in Brand, machte in seiner Chronik zur Schulmesse folgende Anmerkung:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDie Werktagssch\u00fcler, Sommer- und Wintersch\u00fcler m\u00fcssen immer vorne in die St\u00fchle und zwar sonntags und werktags. Auf den gegenw\u00e4rtigen Lehrer Wendelin Jenny von Fontanella darf man sich nicht verlassen. Er mag zwar f\u00fcr seine Person ein recht guter Christ sein, aber seine Aufsicht in der Kirche l\u00e4sst sehr zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Namentlich ist zu bedauern, dass er nicht laut betet.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Als Anfang August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, ist auch unser Dorf nicht verschont geblieben. Bereits zu Kriegsbeginn wurden zwanzig wehrt\u00fcchtige Brandner an die Front gerufen. Am Tag des Abschieds feierte Pfarrer Thomas K\u00fcng mit den jungen M\u00e4nnern eine heilige Messe und \u00fcbergab ihnen nach einer aufmunternden Rede eine Muttergottesmedaille mit in den Krieg. Im Juli 1916 flatterte auch dem damaligen Brandner Schulleiter Fidel Schallert der Einr\u00fcckungsbefehl ins Haus. Trotz gr\u00f6\u00dfter Bem\u00fchungen des Gemeindevorstehers konnte f\u00fcr ihn kein Ersatzlehrer gefunden werden. Kurzfristig sprang \u201ez\u2019Odams Leo\u201c mit seinen erst 24 Jahren als Hilfslehrer ein. Er besa\u00df zwar keinerlei p\u00e4dagogische Ausbildung, war aber ein sehr gescheiter Bauernbub. Zudem besa\u00df er einen gesunden Hausverstand, den man heute oft vermisst.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Herbst 1916 schulte mein Vater Othmar als Erstkl\u00e4ssler in der Volksschule Brand ein. Leo Beck war sein Cousin und gleichzeitig sein erster Lehrer. Der Unterricht fand sehr eingeschr\u00e4nkt statt und das nur von Anfang November bis Ende Mai. In der \u00fcbrigen Zeit vom Fr\u00fchjahr bis Herbst wurden die Kinder bei der Feld- und Stallarbeit gebraucht, denn alle wehrt\u00fcchtigen Familienv\u00e4ter und S\u00f6hne hielten sich an der Kriegsfront auf. Als 1918 der Krieg zu Ende ging, kehrte Fidel Schallert als Schulleiter wieder an die Volksschule Brand zur\u00fcck. Der Gemeindeausschuss beschloss darauf, ihm von Oktober bis Mai eine Lehrerin beizustellen, um einen zweiklassigen Schulbetrieb sicherzustellen. Ab dieser Zeit fand wieder normaler Unterricht mit zwei Klassen statt.<\/p>\n\n\n\n<p>In fr\u00fcheren Jahren wurden die Volkssch\u00fcler neben dem Schulunterricht auch zu verschiedenen anderen Arbeiten herangezogen. An kalten Wintertagen war es selbstverst\u00e4ndlich, dass die Sch\u00fcler Brennholz mitbringen mussten, um f\u00fcr eine warme Schulstube zu sorgen. Ein weiteres Beispiel ist aus der Zeit w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges bemerkenswert. Nachdem Baumwolle knapp war, sind als Ersatz verst\u00e4rkt Brennnesseln f\u00fcr die Stofferzeugung verwendet worden. In den Schulen fanden die sogenannten \u201eNesseltage\u201c statt. M\u00e4dchen und Buben mussten unter Aufsicht des Schulleiters Fidel Schallert Brennnesseln sammeln. Diese wurden zu Stoffen verarbeitet und daraus Milit\u00e4runiformen angefertigt. Als im Jahr 1919 das Kapuzinerkloster Bludenz bei der Gemeinde anfragte, ob es nicht m\u00f6glich w\u00e4re, dem Kloster etwas Brennholz zu liefern, beschloss der Gemeindeausschuss:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"632\" height=\"397\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/WH117_2025-1.jpg\" alt=\"Volkssch\u00fcler in Brand im Schuljahr 1916\/17 mit Pfarrer Thomas K\u00fcng und Hilfslehrer Leo Beck\nFoto: Archiv Manfred Beck\" class=\"wp-image-19628\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/WH117_2025-1.jpg 632w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/WH117_2025-1-300x188.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Volkssch\u00fcler in Brand im Schuljahr 1916\/17 mit Pfarrer Thomas K\u00fcng und Hilfslehrer Leo Beck<br>Foto: Archiv Manfred Beck<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDie Gemeinde tr\u00e4gt das Ansuchen in der Weise mit, dass die Schulknaben eine Sammlung f\u00fcr diesen Zweck vornehmen d\u00fcrfen und soll diese dann dem Kloster \u00fcberbracht werden.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr die Mitarbeit der Volkssch\u00fcler in unterschiedlichen Bereichen war der Neubau der Volksschule im Jahre 1949. Bei der Ermittlung der Baukosten plante die Gemeinde von vornherein mit ein, dass verschiedene Arbeiten Brandner B\u00fcrger im Frondienst, aber auch die Schulkinder zu erbringen haben. Wir Sch\u00fcler wurden u. a. zum Dachdecken eingeteilt. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir Buben auf einer Leiter standen und die Dachziegel von Hand zu Hand aufs Dach bef\u00f6rderten. Nachdem wir diese Arbeit mit Bravour bew\u00e4ltigten, wurden wir Sch\u00fcler dazu eingeteilt, auch bei der Dacheindeckung des Personalhauses vom Hotel Schesaplana mitzuhelfen. Als Belohnung wurden wir zu W\u00fcrstchen und einer Limo eingeladen. Diese T\u00e4tigkeiten galten dann als Turnunterricht! Heute w\u00e4re dies unvorstellbar und der B\u00fcrgermeister wie auch der Lehrer w\u00fcrden vor dem Kadi landen!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich ging auch der Frage nach, inwieweit sich der Nationalsozialismus auf den Schulunterricht auswirkte. Wie bereits erw\u00e4hnt, fand w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges normaler Schulunterricht statt, der Einzug des NS-Gedankenguts war aber zu sp\u00fcren. [&#8230;] Ernst Bitschi erz\u00e4hlte mir, er erinnere sich noch gut, als ein NSDAP-Mann aus B\u00fcrs in die Schule gekommen sei. Die Buben mussten mit ihm ins Gufer gehen, um dort mit St\u00f6cken aus Haselnuss das \u201eKriegsspielen\u201c zu lernen. Dabei habe er ihnen immer wieder eingetrichtert:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDas K\u00e4mpfen f\u00fcr den F\u00fchrer muss f\u00fcr euch Buben eine Ehre sein.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Gott sei Dank sind diese Zeiten vorbei!<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges war es Aufgabe der Sch\u00fcler, die Mittagsglocken zu l\u00e4uten. Damals gab es nat\u00fcrlich noch keinen mechanischen Antrieb. So wurden die Kirchenglocken bis zum Jahr 1953 mit einem langen Hanfseil h\u00e4ndisch gel\u00e4utet. Auch die Turmuhr musste von Hand aufgezogen werden, die Umstellung auf elektrisch wurde erst 1964 mit dem Umbau der Kirche installiert. Erich Schallert erz\u00e4hlte mir, dass \u201ez\u2019Joklis Buaba\u201c von der Gemeinde den Auftrag hatten, zu den vorgesehenen Zeiten die Glocken zu l\u00e4uten und die Turmuhr aufzuziehen. Die jungen wehrt\u00fcchtigen M\u00e4nner mussten aber in den Krieg einr\u00fccken. W\u00e4hrend dieser Zeit sprangen die Volkssch\u00fcler ein. Er und Helmut Gassner seien \u00f6fters zum 11-Uhr-L\u00e4uten und zum Aufziehen der Uhr eingeteilt worden. Sie h\u00e4tten aber immer l\u00e4nger als bisher \u00fcblich gel\u00e4utet, denn das L\u00e4uten habe ihnen mehr Spa\u00df als der Schulunterricht gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerne erinnere ich mich an meine Volksschulzeit zur\u00fcck. Bereits um 7:15 Uhr begann die Schulmesse. Da wir p\u00fcnktlich sein mussten und von der Warth bis zur Schule gut eine halbe Stunde unterwegs waren, gingen wir sehr zeitlich weg. Im Fr\u00fchjahr schien bereits die Sonne, im Winter war es noch stockdunkel. Oft stapften wir durch den tiefen Schnee und mussten uns selbst einen Weg bahnen, denn ein Schneepflug wie heute fuhr damals nicht. Ich staune heute noch, wie wir den langen Weg zur Schule, oft viermal am Tag, bew\u00e4ltigt haben. F\u00fcr die Kinder von heute w\u00e4re dies unzumutbar!<\/p>\n\n\n\n<p>Die damalige Erziehung der Kinder war sehr vom katholischen Glauben gepr\u00e4gt. Es galt f\u00fcr uns Sch\u00fcler als selbstverst\u00e4ndlich, ja, es war sogar Pflicht, monatlich zu beichten und w\u00f6chentlich einmal die heilige Kommunion zu empfangen. \u201eWer monatlich beichtet und kommuniziert, kommt in den Himmel\u201c, hie\u00df es. An Sonn- und Feiertagen besuchten wir um 9 Uhr das Hochamt mit vorhergehendem Rosenkranz und nach dem Mittagessen meinten die Eltern: \u201eEs ischt Zit, i Vesper z\u2019g\u00f4h.\u201c Diese fand nachmittags um zwei Uhr statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Sch\u00fclerbeichte wurde mir eine am\u00fcsante Begegnung erz\u00e4hlt, die sich Anfang der 1960er Jahre zugetragen hat. Die Br\u00fcder Wilfried und Peter Kegele vom Innertal gingen zur monatlichen Beichte. Befreit von allen \u201eschweren S\u00fcnden und Lasten\u201c verlie\u00dfen sie den Beichtstuhl. Auf dem Heimweg sollen sie \u2013 wie es bei Buben hin und wieder vorkommt \u2013 mit anderen Sch\u00fclern gestritten haben. Zu Hause angelangt, erz\u00e4hlten sie davon ihrer Mutter Luise. Diese war dar\u00fcber so ersch\u00fcttert, dass sie zu den zwei Buben sagte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eEs d\u00e4rf doch net w\u00f4hr si, kaum hond\u2019r biichtat und scho tuand\u2019r wied\u2019r s\u00fcndiga. Jetzt gond\u2019r noch am\u00f4l ussi und tuand des biichta, mit eura S\u00fcnd k\u00fcnd\u2019r Marn doch net ge kommuniziara go.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die beiden Buben nahmen die \u201eMoralpredigt\u201c ihrer Mama sehr zu Herzen und liefen eiligst zur Kirche. Dort sa\u00df zum Gl\u00fcck noch der Beichtvater im Beichtstuhl, es war Pater Mathias vom Bludenzer Kapuzinerkloster. Die beiden Buben baten \u2013 wohlgemerkt am selben Tag \u2013 ein zweites Mal um Vergebung ihrer S\u00fcnden. [&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p>Im Herbst 1946 schulte ich als Erstkl\u00e4ssler in der zweiklassigen Volksschule von Brand ein. Die Schulkleidung war einfach, aber ordentlich. Meine Mama legte ja besonderen Wert \u201euf sch\u00f6s H\u00e4\u00e4s\u201c. Ich trug eine kurze Lederhose mit Hosentr\u00e4gern. Diese war f\u00fcr mich sehr praktisch, denn ich konnte auf dem Hintern den Warth-B\u00fchel hinunterrutschen. Sie ging dabei nicht kaputt und wies lediglich Schleifspuren auf. Schuhe waren ein Luxus, den sich kaum jemand leisten konnte. So ging ich von Anfang Mai bis Oktober barfu\u00df in die Schule. Ich lief \u00fcber Stock und Stein und hatte Fu\u00dfsohlen wie Leder. Schuhwerk zog ich erst wieder an, wenn der Boden gefroren und mit Reif bedeckt war. Die Schuhe waren aber nicht neu, ich erbte sie von meinem \u00e4lteren Bruder Heinz und gab sie dann an meinen j\u00fcngeren Bruder Gerhard weiter. Auch er h\u00e4tte gerne einmal Neue getragen, aber man musste ja sparen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"632\" height=\"378\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/WH117_2025-2.jpg\" alt=\"Brandner Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler 1936 mit Schulleiter Alois Nesler. Foto: Archiv Manfred Beck\" class=\"wp-image-19630\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/WH117_2025-2.jpg 632w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/WH117_2025-2-300x179.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Brandner Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler 1936 mit Schulleiter Alois Nesler. Foto: Archiv Manfred Beck<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wenn ich zur Schule ging, trug ich eine h\u00f6lzerne Schultasche am R\u00fccken, die sogenannte Bulga. An dieser baumelte ein Schwamm. Der Inhalt der Schultasche bestand aus einer Schiefertafel und einem Griffel. Diesen legte ich in einen Griffelkasten, da er leicht zerbrechlich war. Den Schwamm verwendete ich zum Ausbessern von Fehlern oder wenn die Tafel vollgeschrieben war. Schulb\u00fccher, ein Heft, eine F\u00fcllfeder oder gar einen Kugelschreiber wie heute kannte ich nicht. Diese Behelfe wurden erst Anfang der 1950er Jahre eingef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine erste Lehrerin war Maria Hildebrand, eine liebe und, wie ich damals schon feststellte, eine fesche Tirolerin. Sie bem\u00fchte sich f\u00fcrsorglich um uns Kinder und wollte nur das Beste aus uns machen. Schon damals lag mir unsere Mundart n\u00e4her als das Schriftdeutsch und so sprach ich im Unterricht einfach im Dialekt. Unvergessen bleibt mir, als die Lehrerin zu mir sagte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWenn du einmal \u00e4lter bist, musst du auf \u00c4mtern schon Hochdeutsch sprechen, sonst versteht dich ja niemand\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>worauf ich antwortete:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDesweg verschtond se mi oh.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Offensichtlich war ich damals schon ein Fan unserer Mundart und zog diese dem Hochdeutschen vor. Die Volksschulzeit war nicht nur eine Zeit des Lernens, sondern auch des Spielens. In der Freizeit unternahmen wir Sch\u00fcler die verschiedensten Spiele. Eine gesunde Rivalit\u00e4t bestand immer zwischen den \u201eInnerb\u00e4chlern\u201c und den \u201eAu\u00dferb\u00e4chlern\u201c. [&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p>Auszug aus dem Buch von Manfred Beck:<br><em>Stubarte \u2013 Kirchab\u00e4nk \u2013 Lotterl\u00e4ba.<\/em><br><em>Brandner erz\u00e4hlen. Seiten 26 &#8211; 33.<\/em><br>Gemeinde Brand (Hsg.) 2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Jodok M\u00fcller, Riezlern<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter Kaiserin Maria Theresia wurde im Jahr 1774 die Unterrichtspflicht f\u00fcr \u00d6sterreich und die unter habsburgerischer Herrschaft stehenden L\u00e4nder eingef\u00fchrt. Eine eigene Schule in Brand ist aber erst Ende des 18. Jahrhunderts auf mehrfaches Dr\u00e4ngen des Kreisamtes errichtet worden. Es war eine einklassige Volksschule, wo die Kinder lesen, schreiben und rechnen lernten. Der Pfarrer hatte [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[154,408],"tags":[],"taetigkeiten":[],"chronik-jahre":[],"chronik-gemeinden":[],"walserheimat":[],"gebiete":[],"superkategorien":[],"class_list":["post-19619","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-online-artikel","category-walserheimat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19619","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19619"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19619\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19635,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19619\/revisions\/19635"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19619"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19619"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19619"},{"taxonomy":"taetigkeiten","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/taetigkeiten?post=19619"},{"taxonomy":"chronik-jahre","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/chronik-jahre?post=19619"},{"taxonomy":"chronik-gemeinden","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/chronik-gemeinden?post=19619"},{"taxonomy":"walserheimat","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/walserheimat?post=19619"},{"taxonomy":"gebiete","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/gebiete?post=19619"},{"taxonomy":"superkategorien","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/superkategorien?post=19619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}