{"id":12046,"date":"2017-05-10T23:16:07","date_gmt":"2017-05-10T21:16:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=12046"},"modified":"2024-03-02T16:05:08","modified_gmt":"2024-03-02T15:05:08","slug":"der-erste-weltkrieg-im-kleinwalsertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/der-erste-weltkrieg-im-kleinwalsertal\/","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg im Kleinwalsertal"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: left;\">1914<\/h2>\n<p>Am 31. Juli 1914 langte um 21:00 Uhr vom Abteilungskommando das Telegramm von der allerh\u00f6chst angeordneten allgemeinen Mobilmachung ein. Wachtmeister Johann Stampfl und Vizewachtmeister Johann Steixner \u00fcbergaben diese an Gemeindevorsteher Franz Josef Felder in Riezlern. Die Gemeindevertretung begann mit der Verlautbarung im Rayon (Zust\u00e4ndigkeitsbereich einer Sicherheitsbeh\u00f6rde). Zu den Alpen wurden Boten entsandt, um die Betroffenen, f\u00fcr die ein Einr\u00fcckungsbefehl vorlag, zu holen. Bis tief in die Nacht hinein wurde die Gendarmerie um Ausk\u00fcnfte hinsichtlich der Mobilisierungskundmachung gebeten. \u201eKeine Frage wurde schuldig geblieben und jeder Zweifel wurde gel\u00f6st\u201c, hei\u00dft es in der Chronik der Gendarmerie. Tadellos schnell und ohne Zwischenfall sei die Mobilmachung vonstatten gegangen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<figure id=\"attachment_12048\" aria-describedby=\"caption-attachment-12048\" style=\"width: 616px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/walsersoldaten\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12048\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/walsersoldaten.jpg\" alt=\"\" width=\"616\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/walsersoldaten.jpg 616w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/walsersoldaten-300x207.jpg 300w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/walsersoldaten-150x103.jpg 150w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/walsersoldaten-600x414.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 616px) 100vw, 616px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-12048\" class=\"wp-caption-text\">Walser Soldaten:<br \/>\nunbekannt, Albert Heim, Eduard Riezler, unbekannt, Hermann Riezler (v.li.).<br \/>\nFoto: Archiv Friedrich Mathies<\/figcaption><\/figure>\n<p>An der Walserschanze wurde eine 20 Mann starke deutsche Grenzschutzwache aufgestellt und der Zollanschlussvertrag wurde au\u00dfer Kraft gesetzt. Erst nach langwierigen Verhandlungen wurde dieser Vertrag wieder anerkannt. Die mobilisierten Walser durften aber nicht \u00fcber die Grenze gehen, um zu ihren Einheiten einzur\u00fccken. 120 M\u00e4nner aus dem Tal sammelten sich um 12:00 Uhr mittags am 2. August in Riezlern. Der Zug ging mit Begleitung durch die Musikkapelle \u00fcber das Starzeljoch zur Bahnstation nach Bezau. Am Starzeljoch nahm die Musikkapelle Abschied von den M\u00e4nnern und marschierte wieder zur\u00fcck ins Tal. Alle mobilisierten M\u00e4nner waren zeitgerecht einger\u00fcckt, auch die, die sich zur Zeit im Ausland aufhielten. Laut Chronik \u201efolgten alle dem Rufe mit Freuden und keine Verhaftung hatte zu erfolgen.\u201c<\/p>\n<p>Die vorgeschriebene Beistellung von Fuhrwerken und Pferden entfiel f\u00fcr die Gemeinde Mittelberg. Am 16. August wurde Landesstreifung im Rayon angeordnet. Titularwachtmeister Stampfl und Vizewachtmeister Steixner trugen in die Chronik ein, dass sie resultatlos verlief. Aber im Kleinwalsertal gab es pl\u00f6tzlich keinen Kaminkehrer mehr und die Gendarmerie machte es sich zur Aufgabe, einen neuen \u201esicherzustellen\u201c. In den Wochen danach sind nur noch Eintragungen von neuen Musterungen und Einr\u00fcckungen vorhanden.<\/p>\n<p>Die von den Deutschen verh\u00e4ngte Grenzsperre lastete schwer auf den Talbewohnern. Alle Postsendungen mussten von Schoppernau aus m\u00fchsam \u00fcber das Starzeljoch ins Tal bef\u00f6rdert werden. Alle Fuhrwerke, die den Weg nach oder von Oberstdorf nahmen, wurden streng untersucht und die Walser mussten sich beim Verkehr ins Bayerische mit einem von der Gemeindevorstehung ausgestellten Grenzschein ausweisen, der den Grund des Grenz\u00fcbertritts erkl\u00e4rte. Die Kontrollen wurden an der Walserschanz erst von deutschen Finanzwachorganen, sp\u00e4ter von Soldaten ausge\u00fcbt.<\/p>\n<p>Ende Oktober mussten bei den H\u00e4ndlern im Kleinwalsertal die Mehlvorr\u00e4te festgestellt werden. 50 Meterzentner Mehl wurden der Bezirkshauptmannschaft gemeldet. Anfang November mussten Stra\u00dfenarbeiter f\u00fcr die Armee in Galizien \u201esichergestellt\u201c werden. Einer hatte sich sogar freiwillig gemeldet, acht wurden \u201enamhaft\u201c gemacht.<\/p>\n<p>Die wirtschaftlichen Folgeerscheinungen des Krieges warfen ihre Schatten auch in das Kleinwalsertal. Infolge der Absperrung des Tales von Deutschland sanken die erzielbaren Verkaufspreise f\u00fcr Lebendvieh, Milch und Milchprodukte mangels eines entsprechenden Absatzgebietes. F\u00fcr alle G\u00fcter, die von au\u00dferhalb eingef\u00fchrt wurden (Mehl, Teigwaren, Zucker, Kaffee), mussten deutlich h\u00f6here Preise bezahlt werden. In kurzen Abst\u00e4nden wurden viele Kriegsverordnungen erlassen, die mitunter nicht gerade wohldurchdacht erschienen und speziell die Verh\u00e4ltnisse des Kleinwalsertals nicht ber\u00fccksichtigten.<\/p>\n<p>Ein recht tr\u00fcbes Kapitel bildete die im Winter 1914\/15 eingetretene Not an Beleuchtungsmaterial. Vom Verlust der galizischen Petroleumquellen waren die Kleinwalsertaler hart betroffen. Auch Kerzen waren nicht mehr erh\u00e4ltlich. So wurde notgedrungen die \u201eLichtpfanne\u201c wieder entdeckt und man f\u00fchlte sich um Jahrhunderte zur\u00fcckversetzt. 162 Mann waren im ersten Kriegsjahr einger\u00fcckt, wovon zum Jahresende 1914 bereits zw\u00f6lf nicht mehr lebten.<\/p>\n<h2>1915<\/h2>\n<p>Das Jahr 1915 wurde durch ein freudiges Ereignis eingeleitet: Die Flugpost brachte aus dem belagerten Przemysl in Galizien die herzlichsten Neujahrsgr\u00fc\u00dfe der eingeschlossenen Walser an die Gemeinde. Einige Monate ist nur noch von Musterungen und neuerlichen Einr\u00fcckungen in der Chronik zu lesen. Zw\u00f6lf Landsturmmusterungspflichtige mussten am 26. Mai 1915 wegen Nichterscheinen bei der Musterung \u201eausgeforscht\u201c werden. Auch Vizewachtmeister Johann Steixner wurde als Feldgendarm einberufen. Anfang Juli 1915 leistete die Gendarmerie der Gemeindevorstehung Assistenz bei der Mehlenteignung. Sie hatte auch die Aufgabe, einen Hufschmied f\u00fcr den Heeresdienst namhaft zu machen.<\/p>\n<p>Mit dem fortgesetzten empfindlichen Abgang der m\u00e4nnlichen Arbeitskr\u00e4fte durch die Einberufungen wurde die Arbeitslast der Zur\u00fcckgebliebenen immer gr\u00f6\u00dfer. Frauen und M\u00e4dchen leisteten oft die M\u00e4nnerarbeit und selbst schwere Arbeiten auf dem Feld und im Wald mussten die Frauen \u00fcbernehmen. Ab und zu halfen f\u00fcr kurze Zeit Ernteurlauber und vom Land gestellte milit\u00e4rische Hilfskr\u00e4fte. Manchen Sennen und Hirten auf den Alpen blieb der Frontdienst erspart, damit sie die Alpen weiter bewirtschaften konnten.<\/p>\n<p>Die wirtschaftlichen Folgen machten sich im zweiten Kriegsjahr deutlich Walser Soldaten: unbekannt, Albert Heim, Eduard Riezler, unbekannt, Hermann Riezler (v. li.). Foto: Archiv Friedrich Mathies 518 Walserheimat 97\/2015 st\u00e4rker bemerkbar. Eine ganze Reihe von Beschlagnahmungen und Enteignungen wurden angeordnet und f\u00fcr jeden Kopf wurde nur eine geringe Verbrauchsmenge vorgesehen. Kommunalverb\u00e4nde \u00fcbernahmen die gerechte Verteilung der Lebensmittel und \u201esollten\u201c Preistreiberei und Wucherei verhindern. Wurde das Brot zuerst aus Wei\u00dfmehl, Gerste und Maismehl hergestellt, mussten sp\u00e4ter sogar 40 Prozent Kartoffelmehl beigemengt werden. Das Brot bekam ein feldgraues Aussehen. Das erforderliche Mehl wurde von der Gemeinde aus Bregenz bezogen. K\u00e4se durfte nur noch mit einem Fettgehalt von 25 bis 30 Prozent erzeugt werden. Ein Teil des Alpk\u00e4ses wurde gegen gute Bezahlung an die Heeresverwaltung nach Innsbruck verkauft.<\/p>\n<p>Am 28. September 1915 wurden Metallgegenst\u00e4nde aus Kupfer, Messing, Nickel, Zinn usw. beschlagnahmt. Sogar der Stacheldraht musste an die italienische Front geliefert werden. Die Schuljugend des Tales sammelte unter Aufsicht der Lehrkr\u00e4fte Brennnesseln und Brombeerbl\u00e4tter. Das starke Ansteigen aller Preise ging vielfach auf das Konto von Wucherern. Bei der fortgesetzten Entwertung des Geldes trachtete jeder danach, das verf\u00fcgbare Papiergeld m\u00f6glichst rasch in Waren umzusetzen.<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h2>1916<\/h2>\n<p>Im Sommer 1916 wurde der Mangel an Arbeitskr\u00e4ften im Tal immer sichtbarer. 34 Walser waren vom Milit\u00e4rdienst im Sommer befreit, um die Alpen zu bewirtschaften und 21 Soldaten halfen bei der Erntearbeit. Immer deutlicher weisen die Eintragungen nach, dass der Krieg h\u00e4rter wird und immer mehr Opfer verlangt. Im April 1916 trafen 25 russische Kriegsgefangene ein. Sie wurden zu landwirtschaftlichen Arbeiten eingeteilt, bei denen die Gendarmerie die Oberaufsicht f\u00fchrte. Im Juni mussten Brennholzmengen f\u00fcr die Milit\u00e4rverwaltung sichergestellt werden. Sogar Blitzableiter verlangte die Milit\u00e4rbauleitung. Sp\u00fcrbar wurde im Tal auch der Mangel an Handwerkern. Die Instandhaltung von H\u00e4usern und D\u00e4chern wurde immer mangelhafter. Mancher nahe gelegene Baum wurde kurzerhand gef\u00e4llt und als Brennholz verbrannt. Die Bergm\u00e4hder wurden w\u00e4hrend der ganzen Kriegszeit nicht mehr gem\u00e4ht. Neben dem Nahrungsmangel maulten die M\u00e4nner im Tal \u00fcber den Mangel an Tabak und Z\u00fcndh\u00f6lzern und die Frauen vermissten Seife und Kleiderstoffe. Im Sommer mussten dann s\u00e4mtliche Goldm\u00fcnzen, Alteisen, Papier und Schafwolle abgeliefert werden.<\/p>\n<p>Eine wichtige Eintragung wurde sorgf\u00e4ltig am 22. November 1916 notiert: der Todestag Seiner Majest\u00e4t Kaiser Franz Joseph I., und einen Tag sp\u00e4ter der Regierungsantritt von Kaiser Karl I. Am 1. Dezember wurde die Postenmannschaft auf den neuen Kaiser vereidigt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12050\" aria-describedby=\"caption-attachment-12050\" style=\"width: 328px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/walserrekruten\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12050\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/walserrekruten.jpg\" alt=\"\" width=\"328\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/walserrekruten.jpg 328w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/walserrekruten-238x300.jpg 238w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/walserrekruten-119x150.jpg 119w\" sizes=\"auto, (max-width: 328px) 100vw, 328px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-12050\" class=\"wp-caption-text\">Rekruten vom Walserthal 1917<br \/>\nFoto: Archiv Friedrich Mathies, Mittelberg<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einen traurigen Abschied gab es f\u00fcr die Walser, als in jeder Pfarrei mehrere Kirchenglocken abgenommen wurden, um daraus Kanonen zu gie\u00dfen. Die Walser boten sogar Geld als Ersatz f\u00fcr die Kirchenglocken, aber es hat nichts genutzt. In Riezlern musste die gro\u00dfe Glocke in zwei Teile zersprengt werden, um sie bei den Fenstern hinausbef\u00f6rdern zu k\u00f6nnen. In Mittelberg wurde nebst der gro\u00dfen auch die dritte und vierte Glocke schweren Herzens geopfert, um wenigstens die Zweitgr\u00f6\u00dfte zu retten, jene Glocke, die im Jahr 1758 auf dem Mittelberger Kirchplatz gegossen wurde und daher sozusagen ein Walserkind war. Im Ganzen fielen der ersten Ablieferung neun Glocken mit einem Gesamtgewicht von 9.590 Kilogramm zum Opfer. Verg\u00fctet wurde das Kilo mit vier Kronen. Die Walser weigerten sich, bei der Abnahme mitzuhelfen. Bald wurden auch Vieh und Heu beschlagnahmt.<\/p>\n<p>Wiederholte Volksz\u00e4hlungen dienten als Grundlage der Versorgung und gleichm\u00e4\u00dfigen Verteilung von Lebensmitteln. Die Versorgung mit Mehl erfolgte bis Ende Februar 1916 von \u00d6sterreich aus, was auf Dauer aber nicht durchf\u00fchrbar war. Nach l\u00e4ngeren Verhandlungen wurde dann die Mehlversorgung von Bayern aus \u00fcber den Kommunalverband Sonthofen abgewickelt. Zu versorgen waren zu dieser Zeit 1 199 Personen mit je 200 Gramm t\u00e4glich.<\/p>\n<p>Die in \u00d6sterreich und einigen anderen Staaten eingef\u00fchrte Sommerzeit vom 1. Mai bis 15. Oktober erfreute sich bei den Landwirten keiner Beliebtheit. Im Herbst wurden die ersten Kriegssteuern beziehungsweise Kriegszuschl\u00e4ge eingehoben. Nickel-, Kupfer- und Eisenm\u00fcnzen wurden eingeschmolzen und der Bev\u00f6lkerung ging das Kleingeld aus. Man behalf sich damit, dass man die restlichen M\u00fcnzen selbst geviertelt und als Zahlungsmittel verwendet hat. Ende 1916 standen 331 Kleinwalsertaler teils an der Front, teils im Hinterland. 41 waren mittlerweile gefallen.<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h2>1917<\/h2>\n<p>Am Silvestertag des Jahres 1916 \u00fcberwachte die Gendarmerie eine Schafwollsammlung. Der Transport nach \u00d6sterreich wurde aber in Oberstdorf Anfang J\u00e4nner verhindert mit dem Hinweis, dass Mittelberg zum deutschen Zollgebiet geh\u00f6re. Die Wolle ging nach Deutschland. Gleich nach Weihnachten trat wieder ein Petroleummangel auf, viele Leute waren bereits ohne Beleuchtungsmaterial.<\/p>\n<p>In Sachen Ern\u00e4hrung und wirtschaftliche N\u00f6te war das Jahr 1917 wohl das Schlimmste aller Kriegsjahre. Die Walser litten Mangel an allen erdenklichen Bedarfsartikeln, an Schuhen, Kleidern, Brennstoffen, Rauchwaren und Seife. Vieles war ganz vom Markt verschwunden. Mehl, Brot, Fleisch, Eier und Kartoffeln wurden allmonatlich noch mehr gek\u00fcrzt. Die Zahl der verschiedenen Bezugsarten und Bezugsscheine erreichte im Sommer ihren H\u00f6hepunkt Der Humor ging aber nicht ganz verloren. So machte ein b\u00fcrgerliches Kochrezept die Runde: Man nehme die Fleischkarte, w\u00e4lze sie in der Eierkarte und brate sie in der Butterkarte sch\u00f6n braun. Die Kartoffelkarte und Gem\u00fcsekarte wird gekocht und die Mehlkarte hinzugesetzt. Um schnell und intensiv zu kochen, lege man die Kohlenkarte und Spirituskarte darunter und z\u00fcnde sie an. Als Nachtisch br\u00fche man die Kaffeekarte auf und f\u00fcge die Milchkarte hinzu. Feinschmecker l\u00f6sen die Zuckerkarte darin noch auf. Nach dem Essen w\u00e4scht man sich mit der Seifenkarte und trocknet sich an dem W\u00e4sche-Bezugsschein.<\/p>\n<p>Die Jahrg\u00e4nge 1872 bis 1899 wurden gemustert und nach und nach erhielten die M\u00e4nner ihren Einr\u00fcckungsbefehl. Wieder kamen im April zur Hilfe in der Landwirtschaft 39 Russen ins Tal. Auch 20 Soldaten trafen auf Kommandierung des Anbauoffiziers zu Anbauarbeiten in Mittelberg ein. Am 15. Juni wurde die Ablieferung von Butter und K\u00e4se an den Kommunalverband Sonthofen in das Journal eingetragen. Ein Drittel der Butter- und K\u00e4sevorr\u00e4te verblieb den Walsern zur eigenen Versorgung. \u201eIn Riezlern gab es eine Stelle, wo Butter- und K\u00e4sekarten ausgegeben wurden\u201c, notierte der Posten.<\/p>\n<p>Im Juli 1917 mussten 120 St\u00fcck und im September wiederum 115 St\u00fcck Schlachtvieh nach Bezau abgeliefert werden. Im gleichen Monat begann eine Heufassungsmannschaft mit der Requirierung von 440 m3 Heu, die nach Feldkirch gingen, und im April 1918 wurden 200 Zentner Heu nach M\u00fcnchen abtransportiert. Das Schlimmste aber war am 27. September 1917 die Abnahme der letzten Kirchenglocke im Tal, die auch dem Krieg geopfert werden musste. Mit Ende des Jahres hatte sich die Zahl der gefallenen Kleinwalsertaler auf 45 erh\u00f6ht.<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h2>1918<\/h2>\n<p>Die L\u00e4nge der Kriegsdauer und die dauerhaften Einschr\u00e4nkungen zerm\u00fcrbten die Bev\u00f6lkerung immer mehr. Nach dem Eingreifen Amerikas in das Kriegsgeschehen zeichnete sich ein baldiges Ende ab. Bei all den Sorgen und dem Kummer ertranken auch noch zwei Kinder von acht und zehn Jahren von einer Familie Riezler im August 1918 bei den \u201eGletscherm\u00fchlen\u201c im Schwarzwasserbach.<\/p>\n<p>Der 3. November 1918 enth\u00e4lt eine geschichtlich wichtige Eintragung: \u201eWaffenstillstand mit Italien, Zusammenbruch der S\u00fcdwestfront, z\u00fcgelloses Zur\u00fcckfluten der Armeen, wobei geraubt und gepl\u00fcndert worden ist.\u201c Der Krieg ist vorbei! Von nun an sind in der Chronik der Gendarmerie der Gemeinde Mittelberg wieder allt\u00e4gliche Eintr\u00e4ge zu lesen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/festprogramm\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-12049\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/festprogramm.jpg\" alt=\"\" width=\"632\" height=\"647\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/festprogramm.jpg 632w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/festprogramm-293x300.jpg 293w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/festprogramm-147x150.jpg 147w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/festprogramm-60x60.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 632px) 100vw, 632px\" \/><\/a><br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h2>Heimkehrerfest in Riezlern<\/h2>\n<p>Die Soldaten des Ersten Weltkrieges wurden bei ihrer R\u00fcckkehr in Ehren empfangen. 230 heimgekehrte Soldaten sammelten sich am 19. April 1920 und feierten mit der Bev\u00f6lkerung ein Fest, wobei sie derer gedachten, die nicht mehr zur\u00fcckkommen konnten und ihr Leben hatten lassen m\u00fcssen. In der Fr\u00fch hatten sich die Riezler Heimkehrer mit ihrer Musik vor dem Haus des Gemeinderates Rudolf Fritz im Zwerwald versammelt, um den Heimkehrerzug von Hirschegg und Mittelberg begr\u00fc\u00dfen zu k\u00f6nnen. Vor dem Gasthof Engel in Riezlern fand die Begr\u00fc\u00dfung durch den Gemeindevorsteher statt, bevor es zur Messe in der Pfarrkirche Riezlern ging. Am Abend gab es noch einen Fackelzug mit Feuerwerk und Musik.<\/p>\n<h5>Jodok M\u00fcller, Riezlern<\/h5>\n<h5>Quellen:<\/h5>\n<ul>\n<li>Gendarmerie-Chronik Gemeinde Mittelberg. Archiv Walsermuseum Riezlern.<\/li>\n<li>K\u00d6BERLE Alfons: Walser Helden. 1914-1918. Ein Hausbuch aus eiserner Zeit. Selbstverlag. S. 343 &#8211; 367.<\/li>\n<li>SCHWENDIGER Irmin: \u201eEin Blick in die 100j\u00e4hrige Chronik der Gendarmerie des Kleinwalsertales\u201c. Ver\u00f6ffentlicht in mehreren Ausgaben der Heimatzeitung \u201eDer Walser\u201c 1979, Nr. 40 ff.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1914 Am 31. Juli 1914 langte um 21:00 Uhr vom Abteilungskommando das Telegramm von der allerh\u00f6chst angeordneten allgemeinen Mobilmachung ein. Wachtmeister Johann Stampfl und Vizewachtmeister Johann Steixner \u00fcbergaben diese an Gemeindevorsteher Franz Josef Felder in Riezlern. Die Gemeindevertretung begann mit der Verlautbarung im Rayon (Zust\u00e4ndigkeitsbereich einer Sicherheitsbeh\u00f6rde). 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