{"id":12042,"date":"2017-05-10T23:09:31","date_gmt":"2017-05-10T21:09:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=12042"},"modified":"2024-03-02T16:05:46","modified_gmt":"2024-03-02T15:05:46","slug":"der-erste-weltkrieg-in-galtuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/der-erste-weltkrieg-in-galtuer\/","title":{"rendered":"Der Erste Weltkrieg in Galt\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p><i>Erich Lorenz (1923-1996), Gastwirt vom Hotel Alpenrose, Landwirt und Chronist der <a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/galtuer\/\">Gemeinde Galt\u00fcr<\/a>, hat bis zu seinem Lebensende eine sehr ausf\u00fchrliche Chronik gef\u00fchrt. In zwei B\u00fcchern hat er auf jeweils zirka 800 Seiten handschriftlich die Chronik von Galt\u00fcr geschrieben. Auf Basis verschiedener m\u00fcndlicher Berichte schrieb er auch \u00fcber den Ersten Weltkrieg in Galt\u00fcr. Der folgende Bericht umfasst die Seiten 499 bis 511 seiner handgeschriebenen Chronik. Als Dank und Anerkennung f\u00fcr seine Leistungen verlieh ihm die Gemeinde Galt\u00fcr im Jahr 1995 das silberne Ehrenzeichen der Gemeinde.<\/i><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Der 1. Weltkrieg 1914 \u2013 1918<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/handschrift\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-12041\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Handschrift.jpg\" alt=\"\" width=\"323\" height=\"590\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Handschrift.jpg 323w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Handschrift-164x300.jpg 164w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Handschrift-82x150.jpg 82w\" sizes=\"auto, (max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/><\/a>Am 31. Juli wurde die allgemeine Mobilisierung angeordnet und dies betraf vorerst die Reservisten der Kaiserj\u00e4ger und Landsturm, Kaisersch\u00fctzen und \u00fcbrigen Einheiten. Anfangs wurde gar nur die Elitetruppe einberufen. Die einr\u00fcckenden Burschen haben vorher noch gemeinsam die hl. Sakramente empfangen.<\/p>\n<p>Pfarrer Larcher schreibt, die Begeisterung war bei den Galt\u00fcrern nicht wie an anderen Orten. Mein Vater, der auch mit den Ersten auszog, erz\u00e4hlte mir, da\u00df anfangs die Stimmung gut war und glaubten dieses Serbien schnell erledigt zu haben. Der Kampfgeist war allgemein gut und alle Einger\u00fcckten bei ihren Einheiten bekundeten die Treue zum Kaiser. Bald zeigte sich aber, was f\u00fcr einen Kreis dieser Mord in Serbien zog.<\/p>\n<p>F\u00fcr die zur\u00fcckgebliebenen Mindertauglichen kamen bald Nachmusterungen und diese wiederholten sich laufend. Mit der Zeit waren die betroffenen Jahrg\u00e4nge zum Gro\u00dfteil eingezogen. Bald kamen auch die ersten Nachrichten \u00fcber Gefallene und Gefangene, aus Ru\u00dfland und Serbien und das gab bei der Bev\u00f6lkerung harte Schl\u00e4ge. Dem Priester oblag von Staatswegen die Aufgabe, die Angeh\u00f6rigen zu verst\u00e4ndigen und tr\u00f6sten.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung ging \u00fcberhaupt flei\u00dfig zur Kirche und au\u00dfer den beh\u00f6rdlich angeordneten Kriegsandachten wurde noch jeden Monat ein Stundgebet oder Kreuzgang nach Tschafein gehalten. Am 2. Oktobersonntag 1914 wurde sogar eine feierliche Prozession mit der Gnadenmutter der Pfarrkirche nach Tschafein gehalten. Auch wurden immer wieder Sammlungen f\u00fcr Kriegswohlfahrtseinrichtungen angeordnet und durchgef\u00fchrt, soweit sie die Bev\u00f6lkerung nicht \u00fcberforderten.<\/p>\n<p>Schlimmer wurde das zweite Kriegsjahr, als am 19. Mai 1915 Italien den Krieg erkl\u00e4rte. Somit wurden auch die Standsch\u00fctzen einberufen und von 17 bis bald 50 Jahren stand bis auf einige Ausnahmen alles unter den Waffen. In einem Falle dienten der Vater und 2 S\u00f6hne, Engelbert Mattle. Auch der Lehrer wurde eingezogen und der Vorsteher. Der Lehrer wurde durch die Lehrerin Elsa Sturm vertreten und die Arbeiten des Vorstehers wurden vom Pfarrer erledigt. Der Mesner wurde verschont. Als er bei der Musterung gefragt wurde, ob die Mutter noch lebe antwortete er: &#8218;weil i vo Dahama furt bin, hat si no gl\u00e4bt.&#8216; Und bei der Auskleidung suchte er noch sein schwarzes Hemd. Durch die Einberufung der Standsch\u00fctzen konnten die zur\u00fcck-gebliebenen M\u00e4nner und Bev\u00f6lkerung die Arbeit kaum mehr bew\u00e4ltigen. Alles war deshalb sehr gereizt und leicht erregbar. Mit der italienischen Kriegserkl\u00e4rung kam dann auch eine Grenzschutztruppe mit 15 Mann nach Galt\u00fcr. Auch am Madlenerhaus und auf Zeinis wurden Posten errichtet. Diese Posten waren sehr unangenehm, denn ohne Ausweis kam man nicht \u00fcber Gafalar hinaus. Auch verschwand durch diese Posten immer wieder Kleinvieh. Vor dem Verkehr mit diesen Soldaten lie\u00dfen sich die M\u00e4dchen erst mit Erfolg warnen, nachdem eine Kellnerin im R\u00f6\u00dfle die sichtbaren Folgen an sich trug, berichtet Pfarrer Larcher. Diese Grenzsoldaten wechselten \u00f6fter. Die Grenzsoldaten unter dem Kommando des Hauptmanns Andreas Moser (Brockenbauer in Hall), half der Bev\u00f6lkerung immer bei der Arbeit aus. Hauptm. Moser hatte Zucht und Ordnung unter seinen Leuten und f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung viel Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Im dritten Kriegsjahr 1916 hat sich die Versorgung der Bev\u00f6lkerung mit Mehl und anderen notwendigen Lebensmittel stark verschlechtert. Es wurde versucht im Tauschwege, f\u00fcr Butter und Fleisch Mehl zu bekommen, aber oft wurde die Tauschware von Finanzern, Gendarmen und Grenzmilit\u00e4r abgenommen. Mit einigem Erfolg, sind auch wieder kleinere \u00c4cker umgehauen und angebaut worden. Dazu half auch die Witterung, die in diesen Kriegsjahren nicht schlecht war. \u00dcber Anforderung vom Kriegsministerium, wurde am 30. Sept. 1916 die Elferglocke mit 83 cm Durchmesser und die Gr\u00f6\u00dfere in Tschafein abgenommen. Sie wogen zusammen 282 kg.<\/p>\n<p>Die Versorgung mit Mehl wurde im Kriegsjahr 1917 immer mangelhafter und zudem mu\u00dfte die Bev\u00f6lkerung Butter, Heu und fast 1\/3 des Viehbestandes dem Staate abliefern. Viele haben durch die einseitige Ern\u00e4hrung auch gesundheitliche Sch\u00e4den davongetragen. In den Sommerm. konnte von den Soldaten immer durch Gesuche, die Pfarrer Larcher einreichte, 20 &#8211; 25 Mann f\u00fcr die Alpen freigestellt werden. Dies hat auch \u00f6fters Neid gegeben, denn die gereizte Bev\u00f6lkerung der Heimat wollte es nicht verstehen, da\u00df mancher gar nicht freizubekommen war.<\/p>\n<p>Die Soldaten an der Front hielten sich gut, nur schlecht war wie mein Vater erz\u00e4hlte, da\u00df Offiziere der bew\u00e4hrten Tiroler Regim. die infolge ihrer Tapferkeit ausfielen, durch tschechische oder unpassende F\u00fchrer ersetzt wurden. Ein solcher Offizier habe einmal eschrien: &#8218;vorw\u00e4rts ihr Tiroler Schweine!&#8216; Die Folgen solcher Redensarten wei\u00df man. Nun, ich will keine Geschichte schreiben und wer interesse haben sollte, kann sich davon gute B\u00fccher besorgen.<\/p>\n<p>Am 17 August 1917 wurden noch die Zw\u00f6lferglocke und die Kleine geholt. Man hat sie einfach im Turm zusammengeschlagen und viele h\u00e4tten geweint, erz\u00e4hlte meine Mutter. Die Glocken wogen zusammen 535 kg. Es waren auch Leute, die die Brocken verstecken wollten, aber damit ist nichts zu verbessern gewesen, h\u00f6chstens w\u00e4re die Zuteilung von Lebensmitteln ganz eingestellt worden. Die Verg\u00fctung f\u00fcr die Glocken war eine sehr geringe. Im \u00fcbrigen erhielten viele Familien ziemliche Unterst\u00fctzungen f\u00fcr die Einger\u00fcckten und so konnten alle Schulden bezahlt werden.<\/p>\n<p>Von den einger\u00fcckten Soldaten standen etliche 36 Monate ununterbrochen an der Front, viele sind verwundet worden, oder infolge Krankheit weiter zur\u00fcckgekommen. F\u00fcr ihre Tapferkeit sind auch viele ausgezeichnet worden. In den Sommermonaten wurden immer Soldaten aus den Erholungsheimen zugeteilt, die der Bev\u00f6lkerung bei der Einbringung der Ernte halfen und gute Dienste leisteten.<\/p>\n<p>Der Winter 1917-1918 war ein strenger und am Markustag war bei der Prozession nach Tschafein noch kein Zaun zu sehen. Besonders hart war dieser Winter f\u00fcr die Soldaten an der S\u00fcdfront. Durch das Eingreifen Amerikas zugunsten der Feinde, verschlimmerte sich die Lage fortw\u00e4hrend, besonders die Ern\u00e4hrung reichte nicht mehr aus.<\/p>\n<p>Der Kolo\u00df Ru\u00dfland war zwar geschlagen und brach innerlich zusammen. Deutsche Gesch\u00fctze schossen nach Paris und k\u00e4mpften auch schon an der S\u00fcdfront, Spitzentruppen der bair. Alpenj\u00e4ger. Allein die unzureichende Versorgung der Truppe schw\u00e4chte den Kampfgeist. Die Truppen, der nicht deutschsprachigen, aber zur Monarchie geh\u00f6rigen Soldaten begannen mit der Meuterei. Sie warfen die Waffen weg, verlie\u00dfen die Front, pl\u00fcnderten, beschlagnahmten Z\u00fcge und verbreiteten Unruhe im Hinterland. Der Feind hatte so sein Ziel erreicht und den treuen Offizieren blieb nichts anderes, als der R\u00fcckzug \u00fcbrig. Viele gerieten dabei in Gefangenschaft und so kam es im Nov. 1918 zum endg\u00fcltigen Zusammenbruch.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/postkarte\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-12040\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Postkarte.jpg\" alt=\"\" width=\"328\" height=\"501\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Postkarte.jpg 328w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Postkarte-196x300.jpg 196w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Postkarte-98x150.jpg 98w\" sizes=\"auto, (max-width: 328px) 100vw, 328px\" \/><\/a><\/p>\n<p>10 Galt\u00fcrer sind bei diesem V\u00f6lkerringen ums Leben gekommen. Einer, Benedikt Lorenz war verheiratet und hinterlie\u00df Weib und Kinder. Wie schon bemerkt, sind auch viele Galt\u00fcrer in Gefangenschaft geraten, wo sie Schweres auszustehen hatten. Der Gro\u00dfteil der Gefangenen, kam erst im Sommer 1919 und der letzte Gefangene Heinrich Salner, kam im August 1921. Dieser war bei der Belagerung von Przemysl in Gefangenschaft geraten und kam als Gefangener nach Turkestan. Josef Ganahl, vulgo Gidis Josef, war auch in Ru\u00dfland gefangen. Dieser ist beim Zusammenbruch Ru\u00dflands geflohen und ist, nachdem er Walserheimat 97\/2015 515 halb Ru\u00dfland durchquert hat unter gro\u00dfen Entbehrungen, gl\u00fccklich nach Hause gekommen. Dieser Mann, hat mir viel erz\u00e4hlt, was er damals durchgemacht hat. Die Folgen des Zusammenbruchs und die bedingungslose Kapitulation wurden von der Bev\u00f6lkerung auf keinen Fall richtig erfa\u00dft. Vorerst war alles froh \u00fcber die Beendigung des Krieges und am meisten freuten sich die Jungen \u00fcber die Aufl\u00f6sung des Milit\u00e4rs.<\/p>\n<p>Manche schimpften auch \u00fcber Kaiser Karl und die Erzherzoge. Mein Vater hat mir viel von der damaligen Zeit erz\u00e4hlt und ich kann nur sagen, er lie\u00df \u00fcber den Kaiser nichts kommen. Wenn sie schon damals 3 \u00bd Jahre aktiv beim Milit\u00e4r dienen mu\u00dften, so war trotzdem ein gewisser Stolz auf die strammen Regimenter der verschiedenen Truppeneinheiten. Seine Feinde waren die Italiener, die &#8218;Katzelmacher&#8216; oder &#8218;Tschingalar&#8216; genannt wurden. Auch die Tschechen standen nicht im besten Ruf.<\/p>\n<p>Von der neu gegr\u00fcndeten Republik erhofften sich nun viele mehr Freiheit und manche glaubten, man k\u00f6nne machen was man will. Der Kronen hatte schon viel an Wert verloren infolge des Krieges, aber durch die Wirtschaft der neuen Regierung verlor sie immer mehr an Wert. Viele gingen auch nach Landeck, um sich Milit\u00e4rg\u00fcter anzueignen, das die zur\u00fcckfluteten Soldaten stehen lie\u00dfen. Dies war aber nicht von gro\u00dfer Bedeutung. Manche haben durch hergebrachte Decken Ausschlagkrankheiten bekommen.<\/p>\n<p>Im Winter 1919 wurden von Hiesigen die Wiesbadnerh\u00fctte und das Madlenerhaus ausgepl\u00fcndert. Die Namen will ich nicht nennen, aber alles kam zur Einsicht, da\u00df Ordnung sein mu\u00df. Man gab auch schon zu, da\u00df f\u00fcr die jungen Burschen ein wenig Milit\u00e4r nicht schaden w\u00fcrde, damit sie Disziplin lernen. Mit der R\u00fcckkehr der Gefangenen im Sommer 1919, normalisierte sich alles so langsam. Von der italienischen Besatzung versp\u00fcrte man wenig bei uns. Es kam manchmal eine berittene Patrolle, legte aber niemand etwas in den Weg. Viele gingen auch nach Landeck und haben Lebensmittel bei der Besatzung eingetauscht. Im Herbst waren dann Gemeindewahlen. B\u00fcrgermeister wurde Albert Lorenz&#8230;\u201c<br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p><i>(Alle Abs\u00e4tze nachtr\u00e4glich eingef\u00fcgt)<\/i><\/p>\n<p><strong>Jodok M\u00fcller, Riezlern<\/strong><\/p>\n<p class=\"cyanbox\">Dieser Artikel ist in Heft 97 der &#8222;Walserheimat&#8220; zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erich Lorenz (1923-1996), Gastwirt vom Hotel Alpenrose, Landwirt und Chronist der Gemeinde Galt\u00fcr, hat bis zu seinem Lebensende eine sehr ausf\u00fchrliche Chronik gef\u00fchrt. In zwei B\u00fcchern hat er auf jeweils zirka 800 Seiten handschriftlich die Chronik von Galt\u00fcr geschrieben. Auf Basis verschiedener m\u00fcndlicher Berichte schrieb er auch \u00fcber den Ersten Weltkrieg in Galt\u00fcr. 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