{"id":12029,"date":"2017-05-10T22:42:08","date_gmt":"2017-05-10T20:42:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=12029"},"modified":"2024-03-02T16:08:24","modified_gmt":"2024-03-02T15:08:24","slug":"vom-pfarrhaus-zum-triesenberger-rathaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/vom-pfarrhaus-zum-triesenberger-rathaus\/","title":{"rendered":"Vom Pfarrhaus zum Triesenberger Rathaus"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/rathaus-1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-12027\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathaus-1-300x198.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathaus-1-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathaus-1-150x99.jpg 150w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathaus-1-600x397.jpg 600w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathaus-1.jpg 608w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Das Triesenberger Rathaus ist ein geschichtstr\u00e4chtiges Geb\u00e4ude im Dorfmittelpunkt und pr\u00e4gt als markanter Bau in harmonischer Einheit mit der Pfarrkirche das Dorfbild. Das Haus wurde 1767\/68 als Pfarrhaus erbaut und hat nach dem Neubau des Pfarrhauses im Jahr 1965 nord\u00f6stlich des Friedhofs verschiedene Umnutzungen erfahren. Bis 2011 war dort die Gemeindeverwaltung untergebracht. Mit dem Umzug der Verwaltung ins neu erstellte Geb\u00e4ude erfuhr es weitere Zweckbestimmungen. Der Gemeinderat tagt weiterhin im altehrw\u00fcrdigen und denkmalgesch\u00fctzten Geb\u00e4ude mit dem unverwechselbaren Ambiente. Das Rathaus wird somit auch zuk\u00fcnftig ein Rathaus bleiben und damit seinen Namen rechtfertigen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Bedeutendes Haus mit reichhaltiger Geschichte<\/h2>\n<p>Die historische, aber auch die kunstgeschichtliche Bedeutung eines der \u00e4ltesten Baudenkm\u00e4ler der Gemeinde Triesenberg st\u00f6sst \u00fcber die Landesgrenzen Liechtensteins hinaus auf Interesse, zumal der Baumeister ein Vorarlberger war. Die Geschichte des Rathauses ist eng mit jener der Pfarrkirche verflochten. Gleichzeitig mit der Pfarrkirche wurde das Geb\u00e4ude 1767\/68 am Nordrand des Kirchplatzes als erstes Pfarrhaus errichtet. Bis die Pfarreigr\u00fcndung zustande kam und die Kirche und das Pfarrhaus am heutigen Standort gebaut werden konnten, war es ein beschwerlicher Weg und es musste viel \u00dcberzeugungsarbeit geleistet werden. Das Zustandekommen der eigenen Pfarrei ist in hohem Masse dem Einsatz des damaligen Ortsrichters Johannes Danner (1700-1779) zu verdanken. Er verstand es, die Notwendigkeit einer eigenen Pfarrei zu begr\u00fcnden und fand in Dekan und Pfarrer Nikolaus Peller von Schaan einen \u00fcberzeugten F\u00fcrsprecher. Die Gr\u00fcnde sind in einem Schreiben an den bisch\u00f6flichen Kanzler vom 16. Mai 1767 aufgef\u00fchrt. So sei der Weg zu den Pfarrkirchen Triesen und Schaan im Winter oft lebensgef\u00e4hrlich. Die Gottesdienste k\u00f6nnen so nur selten oder gar nicht besucht werden. Auch die christliche Unterweisung der Jugend erleide Nachteile. Die Kranken m\u00fcssten oft ohne die heiligen Sakramente sterben.<\/p>\n<h2>S.D. F\u00fcrst Joseph Wenzel als hochherziger Stifter<\/h2>\n<p>Dekan Peller bat den damaligen Landvogt Grillot um seine hilfreiche Hand zur Errichtung einer neuen Pfarrei am Triesenberg. Dieser sandte an S.D. F\u00fcrst Joseph Wenzel ein Empfehlungsschreiben, \u201edas H\u00f6chstselber nit nur die Errichtung einer neuen Pfarr guetheissen, sondern auch durch eine hinl\u00e4ngliche Stiftung die Unterhaltung ihres zuk\u00fcnftigen Seelsorgers anzuschaffen gn\u00e4digst gew\u00e4hren wollen\u201c. F\u00fcrst Joseph Wenzel trat auf das Gesuch ein und zeigte sich als hochherziger Stifter der Pfarrpfr\u00fcnde, indem er nicht nur die Kosten f\u00fcr den Bau der Kirche und des Pfarrhauses \u00fcbernahm, sondern auch noch eine Stiftung von 7.000 fl. (siebentausend Gulden Rheinisch) zur Entlohnung des Seelsorgers errichtete. Die Details sind im Stiftbrief vom 7. Dezember 1768 festgehalten.<\/p>\n<h2>\u201eVon Gott und den Menschen geliebt\u201c<\/h2>\n<p>Bemerkenswert ist, dass sich Ortsrichter Danner auch f\u00fcr den heutigen Standort von Kirche und Pfarrhaus einsetzte. Die einen wollten den Standort im Haberacher-Steinort, die anderen auf Jonaboda \u00dcenaboda festlegen. Obwohl Danner, der in der Lavadina wohnte, den k\u00fcrzeren Kirchweg gehabt h\u00e4tte, setzte er sich selbstlos f\u00fcr den heutigen Dorfmittelpunkt ein. Eine weitsichtige Entscheidung! Pfarrer Stefan Wohlwend, erster Seelsorger am Triesenberg, bezeichnet den r\u00fchrigen Ortsrichter (Vorsteher) als den gr\u00f6ssten F\u00f6rderer der neu erbauten Pfarrkirche und im Sterbebuch (Liber Mortuorum) steht noch eine besondere Auszeichnung: Richter Danner war ein Mann, der bei Gott und den Menschen geliebt war (Vir dilectus Deo et hominibus). Im Walsermuseum steht eine Stabelle, die sich durch Generationen als Danner-Stuhl vererbt hat und an den grossen Triesenberger erinnert.<\/p>\n<h2>Ber\u00fchmter Planer<\/h2>\n<p>Als Planer der ersten Kirche und des Pfarrhauses fungierte der Bregenzerw\u00e4lder Barockbaumeister Peter Bein aus Hittisau (1736-1818). In der Rentamtsrechnung vom 11. Februar 1769 ist eine Zahlung an Peter Bein best\u00e4tigt: \u201edem Maurermeister Peter Bein vor sammentliche Mauerer-, Stockhator-Arbeit lauth Contract 1730 fl (Gulden)\u201c. In den Rentamtsrechnungen sind verschiedene Zimmermanns- und Schreinerarbeiten, die Anfertigung von L\u00e4rchenschindeln und die Arbeiten der Nagler, Schlosser, Schmiede und Glaser erw\u00e4hnt. Gerber Joseph Amann lieferte insgesamt 176 Pfund Haar, das dem M\u00f6rtel zur Verbesserung der Stabilit\u00e4t beigemischt wurde.<\/p>\n<p>Der ber\u00fchmte Baumeister f\u00fcgt sich in eine ganze Reihe von wandernden Baumeistern, Maurern und Stuckateuren von grossem K\u00f6nnen ein, die der Bregenzerwald hervorgebracht hat. Weitere Werke von Peter Bein sind unter anderem die Schule und Synagoge in Hohenems, die St Nikolauskirche und das Rathaus in Frauenfeld und das Mesnerhaus in Oberkirch. 1792 zog Peter Bein nach Frauenfeld. Er spielte auch im \u00f6ffentlichen Leben als Landrichter im Thurgau eine bemerkenswerte Rolle.<\/p>\n<h2>Der Bau, seine Funktion und seine kunsthistorische Bedeutung<\/h2>\n<p>Der Kunsthistoriker Erwin P\u00f6schel beschreibt das alte Pfarrhaus als gut proportionierten kubischen Bau von zwei Geschossen mit Mansardendach, am Nordrand des Kirchplatzes gelegen. Von den Ausstattungsst\u00fccken erw\u00e4hnt er den originellen Wandschrank mit geschraubten Halbs\u00e4ulen und Valutenbekr\u00f6nung und die F\u00fcllungen mit weissen Rokokomotiven auf dunkelblauem Grund bemalt, um 1700. Der kostbare Einbauschrank kann heute im Walsermuseum betrachtet werden. Architekt Hans Rheinberger, der den nachfolgend beschriebenen Umbau von 1968 realisiert hat, charakterisiert das alte Pfarrhaus als eines jener wenigen noch erhaltenen und erhaltungsw\u00fcrdigen alten H\u00e4user, an welchen unser Land so arm ist.<\/p>\n<p>F\u00fcnfzehn Pfarrherren wohnten von 1768 bis 1965 in diesem Haus. Der erste Bewohner war Pfarrer Stephan Wohlwend von Bendern (Pfarrer am Triesenberg von 1768 bis 1785), der letzte Pfarrer Engelbert Bucher (Pfarrer von 1943 bis 1979). Pfarrer Bucher durfte als erster Pfarrer am 15. Juni 1965 ins neu erbaute Pfarrhaus beim Hag einziehen.<\/p>\n<h2>Umbauten 1968, 1982 und 2011<\/h2>\n<p>Es ist heute unverst\u00e4ndlich, dass es bereits ab dem Jahr 1959 Bestrebungen gab, das 1951 unter Denkmalschutz gestellte Geb\u00e4ude abzubrechen. Zum Gl\u00fcck setzte sich die Denkmalschutzkommission f\u00fcr den Erhalt durch. Nach dem Umzug des Pfarrers ins neue Pfarrhaus beherbergte das Haus vom 14. Februar 1966 bis 27. November 1967 noch eine Filiale der Zahnfabrik Ivoclar. Die Idee zum Umbau in ein Verwaltungsgeb\u00e4ude, dem der Name Rathaus zugesprochen werden sollte, setzte sich durch. Das Architekturb\u00fcro Hans Rheinberger wurde mit dem Sanierungs- und Umbauauftrag betraut. Kanalisation, Dachdecker-, Spengler- und Gipserarbeiten, Installationen, Boden- und Wandbel\u00e4ge, Malerarbeiten etc. mussten neu ausgef\u00fchrt werden. Die Baukosten entsprachen mit 264.000,\u2013 Franken fast einem Neubau derselben Gr\u00f6sse. Dem Geschick des Architekten ist es zu verdanken, dass durch gekonnte Materialwahl sehr zweckm\u00e4ssige und ansprechende R\u00e4ume geschaffen wurden. Im Obergeschoss wurde eine Wohnung eingerichtet. So war die Freude f\u00fcr die damals wenigen Gemeindeangestellten aber auch f\u00fcr die ganze Gemeinde gross, als am 17. November 1968 das Rathaus eingeweiht werden konnte. Dass der Vorsteher und der Kassier fr\u00fcher ihr B\u00fcro bei sich zu Hause hatten, ist heute kaum mehr vorstellbar.<\/p>\n<p>1981\/82 wurde unter Federf\u00fchrung des Architekturb\u00fcros Eberle + Frick AG, welches das Architekturb\u00fcro des verstorbenen Hans Rheinberger \u00fcbernommen hatte, ein weiterer Umbau vorgenommen. Nach dem Umzug der Gemeindeverwaltung ins neue Geb\u00e4ude wurde das Haus 2011 ein weiteres Mal renoviert.<\/p>\n<h2>Das Theodul-Mosaik<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/rathaus-2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-12028\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathaus-2-220x300.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathaus-2-220x300.jpg 220w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathaus-2-110x150.jpg 110w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathaus-2.jpg 222w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a>Das k\u00fcnstlerische Schmuckst\u00fcck am Rathaus ist der glockentragende Teufel, das Motiv aus der Theodul-Legende. Es ist eine Mosaikarbeit von Prof. Josef Seger aus M\u00f6dling b. Wien, der mehrere Mosaikarbeiten in Liechtenstein, darunter auch das Sennen-Ave in der Malbunkapelle, realisiert hat. Ein interessanter Fund ist der erste Entwurf des K\u00fcnstlers, der nicht nur den Teufel mit er Glocke, sondern auch den Heiligen mit Stab und in segnender Haltung darstellt. In einem undatierten Schreiben (ca. Anfang 1969) an Architekt Rheinberger bef\u00fcrchtet der K\u00fcnstler, die Teufelsfigur allein lasse zu viele Anspielungen zu. Es sei in der Legende tr\u00f6stlich zu sehen, wie das B\u00f6se gezwungen werde, dem Guten zu dienen. Aber weil es in Wirklichkeit nicht immer so sei, sollte man es mit dem Heiligen darstellen, es k\u00f6nnte ja so sein. Warum schliesslich die reduzierte Darstellung gew\u00e4hlt wurde, ist nicht bekannt. Ausgef\u00fchrt wurde das Mosaik von der Firma Hermann Bauch in Wien.<\/p>\n<h2>Der neue Verwendungszweck: Rathaus soll Rathaus bleiben<\/h2>\n<p>Mehr als vier Jahrzehnte sind mittlerweile seit dem Umbau vom Pfarrhaus zum Rathaus vergangen. Den heutigen r\u00e4umlichen Anforderungen an eine moderne und zweckm\u00e4ssige Gemeindeverwaltung war das Haus seit langem nicht mehr gewachsen. Das altehrw\u00fcrdige Geb\u00e4ude, einstiges Pfarrhaus, Rathaus und Verwaltungsgeb\u00e4ude bis 2011 soll auch weiterhin das Rathaus bleiben: ein Ort der Kommunikation und der Begegnung, wo Gemeinder\u00e4tinnen und Gemeinder\u00e4te tagen und Kommissionen, Genossenschaften und Vereine ihre Sitzungen abhalten, der Abwart sein neues B\u00fcro bezogen hat und wo im ersten Stock eine neue Bibliothek und das Zentrum der Ahnenforschung und Familienchronik entstanden ist. Als mit Leben erf\u00fcllte Kultureinrichtung der Gemeinde wird das Haus in Zukunft eine wichtige Aufgabe erf\u00fcllen.<\/p>\n<p><strong>Josef Eberle, Triesenberg<\/strong><\/p>\n<p class=\"cyanbox\">Dieser Artikel ist in <a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/walserheimat-95-august-2014\/\">Heft 95 <\/a>der &#8222;Walserheimat&#8220; zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Triesenberger Rathaus ist ein geschichtstr\u00e4chtiges Geb\u00e4ude im Dorfmittelpunkt und pr\u00e4gt als markanter Bau in harmonischer Einheit mit der Pfarrkirche das Dorfbild. Das Haus wurde 1767\/68 als Pfarrhaus erbaut und hat nach dem Neubau des Pfarrhauses im Jahr 1965 nord\u00f6stlich des Friedhofs verschiedene Umnutzungen erfahren. Bis 2011 war dort die Gemeindeverwaltung untergebracht. 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