{"id":11943,"date":"2017-05-09T15:22:28","date_gmt":"2017-05-09T13:22:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=11943"},"modified":"2024-03-02T16:14:37","modified_gmt":"2024-03-02T15:14:37","slug":"walser-alpwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/walser-alpwirtschaft\/","title":{"rendered":"Walser Alpwirtschaft"},"content":{"rendered":"<h2>1. Einwanderung und Besiedelung der Hochlagen<\/h2>\n<p><a class=\"ngg-fancybox\" title=\"Mais\u00e4\u00df am Gassnerberg St. Gerold (Gro\u00dfwalsertal)\" href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/gallery\/alpwirtschaft\/walser-alpen-004.jpg\" rel=\"\" data-image-id=\"2177\" data-src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/gallery\/alpwirtschaft\/walser-alpen-004.jpg\" data-thumbnail=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/gallery\/alpwirtschaft\/thumbs\/thumbs_walser-alpen-004.jpg\" data-title=\"Mais\u00e4\u00df am Gassnerberg St. Gerold (Gro\u00dfwalsertal)\" data-description=\"Mais\u00e4\u00df am Gassnerberg St. Gerold (Gro\u00dfwalsertal)\"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-none alignleft\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/gallery\/alpwirtschaft\/thumbs\/thumbs_walser-alpen-004.jpg\" alt=\"Mais\u00e4\u00df am Gassnerberg St. Gerold (Gro\u00dfwalsertal)\"><\/a>Als die Walser im 14. Jahrhundert in Vorarlberg einwanderten, besiedelten sie hochgelegene Regionen Vorarlbergs. Diese waren aber keineswegs unber\u00fchrte Wildnis, sondern Gebiete, in denen die Rinderhaltung und Alpwirtschaft bereits vorhanden waren. Die Walser haben durch ihre Besiedelung die oberste Waldregion durch gro\u00dfen Holzverbrauch sehr strapaziert. Wiesen und Weiden wurden auf Kosten des Waldes durch Rodung stark ausgedehnt. Eine Weidewirtschaft mit unterschiedlich hoch gelegenen Staffeln beziehungsweise Lagern war aber zum \u00dcberleben notwendig und erforderte die Errichtung und Erhaltung mehrerer Wohngeb\u00e4ude, St\u00e4lle und Heuh\u00fctten, was neben der Milchverarbeitung (gro\u00dfer Holzverbrauch in der Sennereiwirtschaft) auch einen gro\u00dfen Holzbedarf zur Folge hatte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Holzknappheit f\u00fchrte dann in sp\u00e4teren Jahrhunderten auch zu Abwanderungen aus verschiedenen hochgelegenen Weilern. Durch die Besiedelung der Hochlagen hatten die Walser aber gute M\u00f6glichkeiten, Verbindungen von Tal zu Tal herzustellen. So erfolgte die Verbreitung der Walsersiedlungen oft von oben nach unten. So zum Beispiel vom Dam\u00fclser Gebiet hinunter ins Laternsertal und Gro\u00dfwalsertal, vom Tannberggebiet hinunter ins Kleinwalsertal. Es ergaben sich somit pfarrliche und gerichtliche Zusammengeh\u00f6rigkeiten \u00fcber T\u00e4lergrenzen hinweg. Dieses &#8222;Wandern&#8220; in unterschiedlicher Hinsicht ist typisch f\u00fcr alle Walsergebiete und eines der Hauptkriterien f\u00fcr eine gegl\u00fcckte Besiedelung und Nutzung der Bergregionen.<\/p>\n<p>Daneben spielten f\u00fcr die Walser aber auch der Handel (vor allem Verkauf von Schmalz, um Geld f\u00fcr Salz und Brotgetreide zu erwerben), die S\u00e4umerei und S\u00f6ldnerei eine wichtige Rolle. Zeugnis daf\u00fcr ist der an viele alte H\u00e4user angebaute Rossstall. Die Walser kultivierten somit Land, pflegten und kontrollierten aber auch die Wege \u00fcber die P\u00e4sse. Um in diesen Hochlagen auch im Winter zu \u00fcberleben, brauchte es viel Erfahrung und eine ausgekl\u00fcgelte Bewirtschaftungsweise.<\/p>\n<p>In Vorarlberg sind Walser in folgende Gebiete eingewandert:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/gebiete\/kleinwalsertal\/\">Kleinwalsertal<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/gebiete\/grosses-walsertal\/\">Gro\u00dfwalsertal<\/a><\/li>\n<li>Laternsertal und Dam\u00fcls<\/li>\n<li>Brandnertal<\/li>\n<li>Silbertal<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/gebiete\/tannberg\/\">Tannberg und Arlberg<\/a><\/li>\n<li>Ebnit<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<h2>2. Dreistufenwirtschaft der Walser<\/h2>\n<p>Man spricht immer von der Bregenzerw\u00e4lder Dreistufenwirtschaft als besondere Art der Weidewirtschaft. Auch die Walser haben diese Wanderung vom Heimgut \u00fcber das Mais\u00e4\u00df (im Bregenzerwald &#8222;Vors\u00e4\u00df&#8220; genannt) zur Alpe. Da die Heimg\u00fcter der Walser Bauern als Weidefl\u00e4che f\u00fcr eine entsprechende Viehzahl, wie sie zum wirtschaftlichen \u00dcberleben notwendig ist, viel zu klein sind, ist ein Weidewechsel hinauf zu Mais\u00e4\u00dfen und in die Alpregion notwendig. Als Klein- und Bergbauern hatten die Walser fr\u00fcher durchschnittlich nur Platz f\u00fcr f\u00fcnf bis sechs K\u00fche zur \u00dcberwinterung im eigenen Stall. Auf den Alpen hingegen war Platz f\u00fcr mehr K\u00fche. Daher hat man im Sommer Fremdvieh aufgenommen und im Herbst wieder abgegeben.<\/p>\n<h3>2.1. Heimgut<\/h3>\n<p>Eine ausgekl\u00fcgelte Heuwirtschaft spielt f\u00fcr jeden Bauern eine wichtige Rolle, um das Vieh durch den Winter zu bringen. Der hauseigene Stall gen\u00fcgte fr\u00fcher als Heuvorratsplatz nicht und so nutzten die Bauern meist noch mehrere kleine Futterst\u00e4lle. Dies hatte auch den Vorteil, dass das Heu nicht \u00fcber allzu gro\u00dfe Strecken transportiert werden musste. Dies war sehr beschwerlich, denn das Heu wurde zu Ballen (\u201eSchochen\u201c) gebunden und auf den Schultern getragen. Um nur kurze Wegstrecken zu haben, befinden sich die Futterst\u00e4lle in der Mitte oder zumindest auf den betreffenden Grundst\u00fccken der Bauern. Im Winter wanderte nun der Bauer mit seinem Vieh von Stall zu Stall um dort das Heu zu verf\u00fcttern. Heute ist dies nicht mehr notwendig und so verfallen diese St\u00e4lle zusehends. Zur Gewinnung des Bergheus baute man kleine H\u00fctten, die Schutz vor der Witterung boten. Die Heuer blieben fr\u00fcher oft ein paar Wochen lang in diesen h\u00f6chsten Bergregionen und hausten dort sehr einfach, zusammen mit ein paar Ziegen, damit sie wenigstens frische Milch hatten. Das Heu wurde in kleinen Scheunen gesammelt und blieb dort bis zum Wintereinbruch, nach welchem es dann auf \u201eSchlittenbahnen\u201c ins Tal geschleift wurde. Diese steilen und abgelegenen Bergm\u00e4hder werden heute auf Grund des gro\u00dfen Arbeitsaufwandes kaum mehr gem\u00e4ht.<\/p>\n<h3>2.2. Mais\u00e4\u00df<\/h3>\n<p>Die Walser haben keine Gemeinschaftsmais\u00e4\u00dfe. Diese befinden sich durchwegs in Privateigentum. Dabei gibt es mehrere Formen eines Mais\u00e4\u00dfbetriebes:<\/p>\n<ul>\n<li>Mais\u00e4\u00dfe mit eigenem Wohngeb\u00e4ude (oder einem Wohntrakt) und Stall. In diese ist fr\u00fcher der Bauer mit der ganzen Familie im Fr\u00fchjahr und Herbst hingezogen. Heute werden die Mais\u00e4\u00dfe kaum mehr von der Bauernfamilie bewohnt. Durch die gute Erschlie\u00dfung werden sie vom Heimbetrieb aus bewirtschaftet. Die Wohngeb\u00e4ude sind meist vermietet.<\/li>\n<li>Mais\u00e4\u00dfe, die nur aus St\u00e4llen bestehen. In diesen wurde fr\u00fcher das Vieh untergebracht und auch gemolken. Heute kommt meist nur noch das Jungvieh ins Mais\u00e4\u00df, im Sommer erfolgt dann eine Mahd, im Herbst nochmals die Weidenutzung durch Jungvieh. Das bedeutet, dass die St\u00e4lle meist \u00fcberfl\u00fcssig wurden.<\/li>\n<li>Mais\u00e4\u00dfe, die nur aus einem Heustadel oder ganz ohne Geb\u00e4ude bestehen. Bei diesen Mais\u00e4\u00dfen erfolgt somit nur eine Heunutzung, Vieh kommt keines hin.<\/li>\n<li>In den h\u00f6her gelegenen Regionen am Tannberg und in Lech gibt es auf Grund des zu geringen H\u00f6henunterschiedes zwischen Heimgut und Alpe gar keine Mais\u00e4\u00dfstufe mehr. Hier beginnt das Alpgebiet direkt anschlie\u00dfend an die Heimg\u00fcter.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>2.3. Alpe<\/h3>\n<p>Bei den Walsern liegen die Alpen meist in den H\u00e4nden von Gemeinschaften bzw. Genossenschaften, wenige sind in Privatbesitz. Der individualistische Charakter der Walser Gemeinschaftsalpen zeigt sich in der Nutzungsweise: Auf dem gemeinsamen Grund und Boden durfte jeder Alpberechtigte seine eigene H\u00fctte mit Stall errichten. Durch diese Besitzstruktur sind richtige Alpsiedlungen entstanden. Das Vieh wurde in den eigenen St\u00e4llen untergebracht und von den einzelnen Bauern selbst betreut und versorgt. Auch hat jeder Bauer seine Milch in seiner H\u00fctte separat versennt. Grund f\u00fcr diese aufw\u00e4ndige Arbeitsweise ist vielleicht die erkannte Notwendigkeit, dass jeder Liter Milch wichtig zum \u00dcberleben war. Auffallend ist, dass sich alle gro\u00dfen Alpsiedlungen im Gro\u00dfwalsertal befinden. Die gr\u00f6\u00dfte ist die Sterisalpe mit zw\u00f6lf H\u00fctten, gefolgt von der Laguzalpe mit zehn H\u00fctten und der Gassneralpe mit acht H\u00fctten.<\/p>\n<table class=\"tab19\">\n<tbody>\n<tr>\n<th class=\"tdborder\" width=\"200\">&nbsp;<\/th>\n<th class=\"tdborder\" width=\"100\">Futterfl\u00e4che in Hektar<br \/>\n(2011)<\/th>\n<th class=\"tdborder\" width=\"100\">Rinder<br \/>\n(2011)<\/th>\n<th class=\"tdborder\" width=\"100\">Milchk\u00fche<br \/>\n(2011)<\/th>\n<th class=\"tdborder\" width=\"100\">Anzahl der Geb\u00e4ude<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Alpila (Th\u00fcringerberg)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">81<\/td>\n<td class=\"tdborder\">16<\/td>\n<td class=\"tdborder\">50<\/td>\n<td class=\"tdborder\">7<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Seralpe (Blons)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">133<\/td>\n<td class=\"tdborder\">33<\/td>\n<td class=\"tdborder\">87<\/td>\n<td class=\"tdborder\">7<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Hinterkammalpe (Blons)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">60<\/td>\n<td class=\"tdborder\">25<\/td>\n<td class=\"tdborder\">27<\/td>\n<td class=\"tdborder\">4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Sentumalpe (Blons)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">91<\/td>\n<td class=\"tdborder\">27<\/td>\n<td class=\"tdborder\">65<\/td>\n<td class=\"tdborder\">6<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Gassneralpe (St. Gerold)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">111<\/td>\n<td class=\"tdborder\">39<\/td>\n<td class=\"tdborder\">68<\/td>\n<td class=\"tdborder\">8<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Plansottalpe (St. Gerold)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">110<\/td>\n<td class=\"tdborder\">109<\/td>\n<td class=\"tdborder\">25<\/td>\n<td class=\"tdborder\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Laguzalpe (Raggal)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">271<\/td>\n<td class=\"tdborder\">88<\/td>\n<td class=\"tdborder\">98<\/td>\n<td class=\"tdborder\">10<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Gaden-Madonaalpe (Sonntag)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">113<\/td>\n<td class=\"tdborder\">65<\/td>\n<td class=\"tdborder\">\u2013<\/td>\n<td class=\"tdborder\">4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Klesenzaalpe (Sonntag)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">182<\/td>\n<td class=\"tdborder\">40<\/td>\n<td class=\"tdborder\">67<\/td>\n<td class=\"tdborder\">6<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Hinterischkarneialpe (Sonntag)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">114<\/td>\n<td class=\"tdborder\">23<\/td>\n<td class=\"tdborder\">49<\/td>\n<td class=\"tdborder\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Ischkarneialpe (Sonntag)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">42<\/td>\n<td class=\"tdborder\">48<\/td>\n<td class=\"tdborder\">\u2013<\/td>\n<td class=\"tdborder\">2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Unterpartnumalpe (Sonntag)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">76<\/td>\n<td class=\"tdborder\">\u2013<\/td>\n<td class=\"tdborder\">70<\/td>\n<td class=\"tdborder\">6<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Oberpartnumalpe (Sonntag)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">140<\/td>\n<td class=\"tdborder\">59<\/td>\n<td class=\"tdborder\">63<\/td>\n<td class=\"tdborder\">6<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Sterisalpe (Sonntag)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">161<\/td>\n<td class=\"tdborder\">65<\/td>\n<td class=\"tdborder\">104<\/td>\n<td class=\"tdborder\">12<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Ober\u00fcberlutalpe (Sonntag)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">97<\/td>\n<td class=\"tdborder\">39<\/td>\n<td class=\"tdborder\">53<\/td>\n<td class=\"tdborder\">4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Tiefenwaldalpe (Fontanella)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">85<\/td>\n<td class=\"tdborder\">12<\/td>\n<td class=\"tdborder\">69<\/td>\n<td class=\"tdborder\">4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Zafernalpe (Fontanella)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">85<\/td>\n<td class=\"tdborder\">3<\/td>\n<td class=\"tdborder\">56<\/td>\n<td class=\"tdborder\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Au\u00dfert\u00fcrtschalpe (Fontanella)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">86<\/td>\n<td class=\"tdborder\">73<\/td>\n<td class=\"tdborder\">2<\/td>\n<td class=\"tdborder\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdborder\">Staffelalpe (Fontanella)<\/td>\n<td class=\"tdborder\">87<\/td>\n<td class=\"tdborder\">1<\/td>\n<td class=\"tdborder\">57<\/td>\n<td class=\"tdborder\">5<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h4>Walser Alpsiedlungen im Gro\u00dfwalsertal (Quelle: Agrarbezirksbeh\u00f6rde Bregenz)<\/h4>\n<p>Au\u00dferhalb vom Gro\u00dfwalsertal gibt es in den Walser Siedlungsgebieten zwar auch Alpsiedlungen, sie sind aber kleiner und nur sp\u00e4rlich vertreten. Beispiele hief\u00fcr sind:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"tdtopl\">Kleinwalsertal:<\/td>\n<td class=\"tdtopl\">Zwerenalpe (f\u00fcnf Geb\u00e4ude)<br \/>\nWalmendingeralpe (vier Geb\u00e4ude)<br \/>\nInnerwesteggalpe (drei Geb\u00e4ude)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdtopl\">Dam\u00fcls:<\/td>\n<td class=\"tdtopl\">Ugaalpe (sechs Geb\u00e4ude)<br \/>\nBrandalpe (f\u00fcnf Geb\u00e4ude)<br \/>\nOberdam\u00fclseralpe (acht St\u00e4lle)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdtopl\">Lech:<\/td>\n<td class=\"tdtopl\">Zuger Alpe (sechs St\u00e4lle)<br \/>\nGst\u00fcttalpe (f\u00fcnf St\u00e4lle)<br \/>\nStubenbachalpe (f\u00fcnf St\u00e4lle)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdtopl\">Silbertal:<\/td>\n<td class=\"tdtopl\">Alpe Rona-Alpgues (sechs Geb\u00e4ude)<br \/>\nAlpe Wasserstube (f\u00fcnf Geb\u00e4ude)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdtopl\">Brandnertal:<\/td>\n<td class=\"tdtopl\">Zalimalpe (fr\u00fcher mindestens drei Geb\u00e4ude)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tdtopl\">Laternsertal:<\/td>\n<td class=\"tdtopl\">keine<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>F\u00fcr das weitgehende Fehlen von gro\u00dfen Alpsiedlungen im Walsersiedlungsgebiet au\u00dferhalb des Gro\u00dfwalsertales gibt es keine eindeutigen Erkl\u00e4rungen. M\u00f6gliche Gr\u00fcnde sind meines Erachtens erstens die topographische Lage der Alpen, die keine gr\u00f6\u00dfere Siedlung zulie\u00df. Zweitens, dass die Alpen schon vor dem Eintreffen der Walser vorhanden waren und anderen Besitzern geh\u00f6ren. So sind zum Beispiel einige Alpen im Brandnertal im Besitz der Agrargemeinschaften von Frastanz beziehungsweise Nenzing, im Laternsertal geh\u00f6ren viele Alpen Landwirten im Rheintal (zum Beispiel auch der Agrargemeinschaft Rankweil), und im Silbertal Landwirten aus dem Montafon. Die Walser im Laternsertal mussten daher in andere Gebiete ausweichen, so zum Beispiel ins Mellental, wo sie auf der Lindachalpe und Hauseralpe kleine Alpsiedlungen errichteten.<\/p>\n<p>Was die Alpsiedlungen betrifft, so gibt es Parallelen zwischen den Walser Alpen und den gro\u00dfen Gemeinschaftsvors\u00e4\u00dfen im Bregenzerwald (zum Beispiel Sch\u00f6nenbachvors\u00e4\u00df in Bezau, Klausbergvors\u00e4\u00df in Schwarzenberg, Hangvors\u00e4\u00df in Mellau, Eggatsbergvors\u00e4\u00df in Egg). Auch bei diesen Vors\u00e4\u00dfsiedlungen sind Grund und Boden sowie der Weidegang gemeinsam und das Vieh wird in privaten Geb\u00e4uden versorgt, die jeder Berechtigte errichten durfte. Allerdings erfolgte hier die Verarbeitung der Milch immer schon gemeinsam in der Gemeinschaftssennerei. Weiters haben die Bregenzerw\u00e4lder Vors\u00e4\u00dfe meist eine Kapelle, die Walser Alpen hatten dies urspr\u00fcnglich nicht In neuerer Zeit (20. Jahrhundert) wurden aber einige Kapellen gebaut.<\/p>\n<p>Am Tannberg (Schr\u00f6cken und Warth) sind fast durchwegs Privatalpen zu finden. Diese Alpen waren n\u00e4mlich bis in die 1880er Jahre Dauersiedlungen, die haupts\u00e4chlich aus Holzmangel (bedingt durch die radikalen Rodungen) aufgegeben wurden. So waren 1923 insgesamt 33 H\u00f6fe auf dem Tannberg (einschlie\u00dflich Lech) in Alpen \u201eumgewandelt\u201c. Diese Anwesen wurden aber selten vom bisherigen Besitzer als Alpe bewirtschaftet, sondern meist von ausw\u00e4rtigen Bauern gekauft. Daher gibt es hier viele Privatalpen, die nicht von den einheimischen Walsern bewirtschaftet werden. Die Alpweiden der ehemaligen Bauernh\u00f6fe wurden danach nicht mehr genutzt, da ja die Bergbauernh\u00f6fe nun zum Alpgebiet wurden. Bei meinen Begehungen habe ich festgestellt, dass es nach 700 Jahren nun doch einen erkennbaren Wandel in der Walser Alpwirtschaft gibt, den ich anhand von sieben Punkten darstellen will:<\/p>\n<h2>3. Wandel in der Alpwirtschaft<\/h2>\n<h3>3.1. \u00dcbergang zur Gemeinschaftssennerei<\/h3>\n<p>In fr\u00fcheren Jahrhunderten wurde noch in jeder H\u00fctte separat die Milch versennt. So zum Beispiel auf der Gassneralpe im Gro\u00dfwalsertal bis ca. 1850. Heute geschieht aber aus sennereitechnischen und betriebswirtschaftlichen Gr\u00fcnden das Versennen der Milch gemeinsam und es wurden auf den Alpen Sennereigeb\u00e4ude errichtet. Dieser Wandel ist bereits durchwegs vollzogen.<\/p>\n<h3>3.2. \u00dcbergang zum Gemeinschaftsstall<\/h3>\n<p>Erste Ans\u00e4tze hierzu sind bereits bei einigen Alpen (zum Beispiel Gassneralpe, Plansottalpe) erkennbar. Aber auch dort betreut jeder Bauer sein Vieh noch selbst oder stellt den Alphirten zum Melken an und bezahlt ihn daf\u00fcr.<\/p>\n<h3>3.3. Verfall vieler St\u00e4lle in den oberen Lagern<\/h3>\n<p>Die oberen Lagern der gr\u00f6\u00dferen Alpen hatten urspr\u00fcnglich auch St\u00e4lle, in denen gemolken wurde. Die Milch wurde dann meist zu Fu\u00df zur Hauptalpe gebracht. So gab es zum Beispiel bei der Gassneralpe beim oberen Lager T\u00e4lialpe bis 1960 Melkbetrieb. Es gab aber auch Seilbahnen und Milchleitungen (zum Beispiel von der Plansottalpe hinauf zur heute verfallenen Sch\u00e4fisalpe mit f\u00fcnf St\u00e4llen). Heute wird in den oberen Lagern entweder gar nicht mehr gemolken (nur noch Auftrieb von Jungvieh), oder es gibt auch einen Gemeinschaftsstall. Die alten, kleinen St\u00e4lle verfallen zusehends. So gab es bei der Laguzalpe 13 St\u00e4lle auf der Oberalpe, heute existieren nur mehr ein Melkstand und eine Hirtenh\u00fctte.<\/p>\n<h3>3.4. Nicht mehr alle Besitzer von Alph\u00fctten sind Landwirte<\/h3>\n<p>Durch den R\u00fcckgang der Landwirte stehen zum Teil Alph\u00fctten leer (zum Beispiel auf der Sterisalpe vier der zw\u00f6lf H\u00fctten, auf der Laguzalpe zwei der zehn H\u00fctten, auf der Seraalpe zwei der sieben H\u00fctten) oder werden vermietet (zum Beispiel werden bei der Gassneralpe von acht H\u00fctten nur noch drei von den Bewirtschaftern genutzt). Auch bei der Br\u00fcggelealpe im Brandnertal sind von den ca 30 Besitzern nur mehr zwei Aus\u00fcbende.<\/p>\n<h3>3.5. Wandel von der Sennalpe zur Melkalpe zur Galtalpe<\/h3>\n<p>Diese Entwicklung ist ebenfalls feststellbar und bedeutet, dass die Alpen extensiver bewirtschaftet werden, das hei\u00dft die Pflege nimmt ab, da bei den Galtalpen auch viel weniger Alppersonal erforderlich ist. So wurde im Gro\u00dfwalsertal zum Beispiel auf der Plansottalpe 1965 das letzte Mal gesennt und auf der T\u00fcrtschalpe und Unterdam\u00fclser Alpe weidet nur noch Jungvieh, das nicht mehr gemolken werden muss und auch keine St\u00e4lle mehr ben\u00f6tigt. Im Brandnertal wurde die Br\u00fcggelealpe zur Melkalpe (bis 1981 wurde noch gesennt) und die Zalimalpe zur Galtalpe (mit Mutterkuhhaltung), auf welcher nur mehr ein Hirt erforderlich ist. Im Kleinwalsertal war zum Beispiel die Walmendinger Alpe fr\u00fcher eine gro\u00dfe Sennalpe, dann erfolgte der Milchtransport ins Tal und heute ist sie eine Galtalpe, die mit vorwiegend deutschem Vieh besto\u00dfen wird. Sie besteht aus drei Staffeln: dem Mais\u00e4\u00df beim Schwarzwasserbach sowie der Unteren und Oberen Walmendinger Alpe.<\/p>\n<h3>3.6. Extensivere Nutzung der Mais\u00e4\u00dfe<\/h3>\n<p>Fr\u00fcher zog man noch mit der ganzen Familie ins Mais\u00e4\u00df. Heute ist dies durch die gute Erschlie\u00dfung und Anbindung an den Heimbetrieb nicht mehr notwendig. So wird zum Beispiel das Garf\u00fcllamais\u00e4\u00df nicht mehr bewohnt, aber noch gem\u00e4ht (Heunutzung) und vom Jungvieh beweidet.<\/p>\n<h3>3.7. Herkunft des Viehs auch aus entfernten Gebieten<\/h3>\n<p>Da es sich bei vielen Walser Alpen um sehr ertragreiche Alpen mit hochwertigem Futter handelt, sind Weidepl\u00e4tze begehrt. Durch frei werdende Weiderechte (Abnahme der Landwirte) wird Vieh aus allen Landesteilen aufgetrieben. So stammt das Vieh auf Gro\u00dfwalsertaler und Brandnertaler Alpen nicht nur aus dem Walgau und Rheintal, sondern bis aus dem Montafon, Bregenzerwald, F\u00fcrstentum Liechtenstein und der Schweiz, im Kleinwalsertal vielfach aus Bayern, am Arlberg aus Tirol (bis vom Zillertal). Dies ergibt ein buntes Bild einer Viehherde mit einer Vielzahl an Rassen.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend kann festgestellt werden, dass es kein einheitliches Bild oder Muster einer \u201eWalser Alpwirtschaft\u201c gibt. Die nach Vorarlberg eingewanderten Walliser haben sich den Gegebenheiten in den verschiedenen Talschaften des Landes angepasst. Sie haben Alpen \u00fcbernommen (so hat es zum Beispiel die Gapfohlalpe im Jahr 1313 schon gegeben) oder neue gegr\u00fcndet und sich den topographischen und klimatischen Verh\u00e4ltnissen angepasst.<\/p>\n<h5>Text und Fotos: Dr. Rudolf Berchtel, Dornbirn<\/h5>\n<p><span class=\"zitat\"> Literatur<\/p>\n<p>Joseph FINK\/Hippolyt von KLENZE, Der Mittelberg. Geschichte, Landes- und Volkskunde des ehemaligen Gerichtes. Mittelberg 1891.<\/p>\n<p>Karl ILG, Die Walser in Vorarlberg. Dornbirn 1949.<\/p>\n<p>Hans PETER, Untersuchungen \u00fcber die Ursachen des R\u00fcckganges der Alpwirtschaft und der Ver\u00f6dung der Dauersiedlungen am Vorarlberger Tannberg (Arbeiten der Lehrkanzel f\u00fcr Tierzucht an der Hochschule f\u00fcr Bodenkultur in Wien). Wien 1925.<\/p>\n<p>Olaf SAILER, Auf den Spuren der Walser am Tannberg. Dornbirn 2010.<\/p>\n<p>Helmut TIEFENTHALER, Vorarlberger Walserwege. In: Montfort. Zeitschrift f\u00fcr Geschichte Vorarlbergs, 63 (2011) 1, S. 7\u201321.<\/p>\n<p>Vornehmste Merkw\u00fcrdigkeiten des Walser-Thaals. Die Baader Chronik. 2 Bde. Immenstadt<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Dieser Artikel ist in <a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/walserheimat-93-august-2013\/\">Heft 93 <\/a>der &#8222;Walserheimat&#8220; zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Einwanderung und Besiedelung der Hochlagen Als die Walser im 14. Jahrhundert in Vorarlberg einwanderten, besiedelten sie hochgelegene Regionen Vorarlbergs. Diese waren aber keineswegs unber\u00fchrte Wildnis, sondern Gebiete, in denen die Rinderhaltung und Alpwirtschaft bereits vorhanden waren. Die Walser haben durch ihre Besiedelung die oberste Waldregion durch gro\u00dfen Holzverbrauch sehr strapaziert. 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