{"id":11908,"date":"2017-05-09T12:35:34","date_gmt":"2017-05-09T10:35:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=11908"},"modified":"2024-03-02T16:16:31","modified_gmt":"2024-03-02T15:16:31","slug":"wer-oder-was-ist-ein-walser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wer-oder-was-ist-ein-walser\/","title":{"rendered":"&#8222;Wer oder was ist ein Walser?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/ausstellung\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-11906\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ausstellung-1024x438.jpg\" alt=\"\" width=\"698\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ausstellung-1024x438.jpg 1024w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ausstellung-300x128.jpg 300w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ausstellung-768x329.jpg 768w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ausstellung-150x64.jpg 150w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ausstellung-600x257.jpg 600w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/ausstellung.jpg 1894w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was bedeutet es im 21. Jahrhundert, ein Walser oder eine Walserin zu sein? Diese Frage stellt die <a href=\"http:\/\/www.vwv.cs\/veranstaltungen\/2013\/gemeinden\/01-01-wer-walser\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener\">aktuelle Sonderausstellung im Museum Huber-Hus in Lech<\/a>.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die deutsche Kulturanthropologin Ina-Maria Greverus beschreibt Identit\u00e4t als Wechselwirkung zwischen dem Selbst und den Anderen. Dabei hat sie die Identit\u00e4tsformel \u201esich erkennen, erkannt werden und anerkannt werden\u201c aufgestellt (vgl. Greverus, 1996: S. 100). Versucht man diese Formel auf das Walsertum anzuwenden und durch eine kulturanthropologische Brille zu betrachten, r\u00fccken historische \u201eFakten\u201c, die derzeit immer wieder diskutiert werden, eher in den Hintergrund und die symbolischen Bedeutungen von Zeichen und Praktiken treten in den Vordergrund. Unter Zeichen versteht man zum Beispiel unterschiedliche Kleidungsstile und unter Praktiken unterschiedliche Br\u00e4uche. Diese Zeichen und Praktiken bilden einen Verst\u00e4ndigungscode und k\u00f6nnen aufgeschl\u00fcsselt werden in Symbole mit einer speziellen Bedeutung und Rituale, die eine Verst\u00e4ndigung auf der Handlungsebene darstellen (vgl. Kaschuba, 2003: S 184). Symbole und Rituale sind die Grundlage f\u00fcr ein \u201esich erkennen\u201c, da sie normalerweise nur von einer spezifischen Gemeinschaft entschl\u00fcsselt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Ausstellung werden daher verschiedene Darstellungsformen gezeigt und nach ihrer Symbolkraft befragt. In der k\u00fcnstlerischen Darstellung des Walserzugs zum Beispiel kommt die Wechselwirkung zwischen sichtbarer und gedanklicher Bildlichkeit zum Vorschein. Die einzelnen Bildmotive, die in den Gem\u00e4lden und Bildern zu finden sind, werden in eine gedankliche Bildlichkeit \u00fcbertragen und wiederum in Form von Objekten materialisiert. Was kann das bedeuten? Auf vielen Abbildungen des Walserzugs sind Menschen mit ihrem kompletten Hab und Gut abgebildet. Beim 16. Internationalen Walsertreffen in Alagna wurde ein Rucksack \u00fcberreicht, um die m\u00fchevolle Zuwanderung zu unterstreichen. Dieses Wechselspiel zwischen Imagination und Reproduktion zieht sich durch viele Objekte, die in der Ausstellung gezeigt werden und sind wiederum Grundstein f\u00fcr ein \u201eAnerkannt- werden\u201c im Sinne von Greverus. Mit der Institutionalisierung des Walsertums durch die Walservereinigungen wurde das \u201eAnerkannt-werden\u201c besiegelt und das Symbol- und Ritualrepertoire weiter ausgebaut. So k\u00f6nnen die alle drei Jahre stattfindenden internationalen Walsertreffen oder die seit 1989 alle zwei Jahre stattfindenden Walser Skimeisterschaften per se als Ritual beschrieben werden, die ein kollektives Gemeinschaftsgef\u00fchl herstellen.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit der Ausstellung ist, dass die Besucherinnen und Besucher aufgefordert sind, selbst aktiv zu werden. In zwei Ausstellungsr\u00e4umen k\u00f6nnen sie ihre \u201eWalseransichten\u201c und \u201eWalsergedanken\u201c schriftlich hinterlassen. W\u00e4hrend der Wintersaison wurden bereits interessante Botschaften gesammelt. Exemplarisch soll eine Notiz erw\u00e4hnt werden: \u201eDistanz-Walserin? Zugeborene- Walserin? Auf jeden Fall, trotz nur \u2013 Kindheit in Lech, Herz-Walserin. [\u2026]\u201c Welche Botschaft w\u00fcrdet ihr hinterlassen?<\/p>\n<p>In einem weiteren Ausstellungsraum besteht die M\u00f6glichkeit \u201eWalserisch\u201c zu h\u00f6ren und zu sprechen. Auf einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1958 vom \u00f6sterreichischen Phonogrammarchiv h\u00f6rt man ein Gespr\u00e4ch zwischen der Lecherin Filomena Walch und dem in Lech geborenen Egon Zimmermann. Sie unterhalten sich \u00fcber unterschiedliche Themen: die ersten Skifahrer, Trachten oder den Aufstieg der Hotellerie. Diese Aufnahme soll die schnelle Ver\u00e4nderung der Sprache in Lech verdeutlichen und \u201eh\u00f6rbar machen\u201c. Ein Mikrofon, das f\u00fcr die Besucher bereit steht, versucht den Ist-Zustand zu dokumentieren. Hier werden die Besucherinnen und Besucher aufgefordert, etwas in \u201eihrem Walserdialekt\u201c aufzunehmen. W\u00e4hrend der Wintersaison hat sich bereits die gro\u00dfe symbolische Macht der Sprache bewahrheitet. Im Unterschied zu den schriftlichen Botschaften h\u00e4lt sich die m\u00fcndliche Teilnahme in Grenzen. Auf die Aufforderung, etwas auf das Tonband zu sprechen, reagieren viele mit der Antwort: \u201eIch kann doch kein richtiges Walserisch\u201c. In dieser Aussage ist ein kulturwissenschaftlich strittiger Begriff enthalten, n\u00e4mlich \u201erichtig\u201c. Begriffe wie \u201erichtig\u201c und \u201eauthentisch\u201c beziehen sich auf eine Hierarchie und verweisen auf einen weiteren strittigen Begriff des \u201eEchten\u201c. Was ist \u201eecht\u201c, was ist \u201efalsch\u201c und wer bestimmt, was \u201eecht\u201c und \u201efalsch\u201c ist? Hier zeigt sich ein Verst\u00e4ndnis von Kultur als starres, unbewegliches Gebilde und nicht als dynamischer Prozess, der sich in einem st\u00e4ndigen Wandel befindet. Denn was war vor 700 Jahren walserisch? Diese Bruchlinien zwischen gelebtem und imaginiertem Walsertum versucht die aktuelle Sonderausstellung herauszuarbeiten und darzustellen.<\/p>\n<p>Die Ausstellung kann bis 26. September 2013 im Museum Huber-Hus in Lech besucht werden und ist dienstags, donnerstags und sonntags von 15.00 bis 18.00 Uhr ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong>Mag. Thomas Felfer, Lech<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span class=\"zitat\"> Literatur<\/span><\/p>\n<p><span class=\"zitat\">Greverus, Ina-Maria: Identit\u00e4ten zwischen Erinnerung und Integration, In: Narodna umjetnost 33\/2, 1996, Croatian Journal of Ethnology, Zagreb, 1996<\/p>\n<p>Kaschuba, Wolfgang: Einf\u00fchrung in die Europ\u00e4ische Ethnologie, 2. aktualisierte Auflage, M\u00fcnchen, 2003<\/p>\n<p><\/span>Dieser Artikel ist in <a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/walserheimat-93-august-2013\/\">Heft 93<\/a> der &#8222;Walserheimat&#8220; zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bedeutet es im 21. Jahrhundert, ein Walser oder eine Walserin zu sein? Diese Frage stellt die aktuelle Sonderausstellung im Museum Huber-Hus in Lech. 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