{"id":11862,"date":"2017-05-08T16:18:54","date_gmt":"2017-05-08T14:18:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=11862"},"modified":"2024-03-02T16:19:26","modified_gmt":"2024-03-02T15:19:26","slug":"die-litzen-und-die-letze-im-kleinwalsertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/die-litzen-und-die-letze-im-kleinwalsertal\/","title":{"rendered":"Die Litzen und die Letze im Kleinwalsertal"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: left;\">OFFENE DEUTUNG<\/h2>\n<p><span class=\"kursiv\"> Gelegentlich l\u00f6sen Flurnamen Diskussionen \u00fcber ihre Herkunft und ihre Wortbedeutung aus. So geschieht dies auch im Kleinen Walsertal, wo die Flurnamen Letze und Litze vorkommen. Es scheint nicht endg\u00fcltig gekl\u00e4rt, welche Bedeutung diese Flurennamen haben. <b>Universit\u00e4tsprofessor Anton Amann<\/b>, geb\u00fcrtig aus Mittelberg, m\u00f6chte die Leser an der Diskussion beteiligen und hat der Walserheimat seine Ausf\u00fchrungen \u00fcberlassen. <\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<figure id=\"attachment_11860\" aria-describedby=\"caption-attachment-11860\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/letze-kwt\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11860 size-full\" title=\"Verengung an der alten Walserstra\u00dfe in der Letze\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/letze-kwt.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/letze-kwt.jpg 640w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/letze-kwt-300x193.jpg 300w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/letze-kwt-150x97.jpg 150w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/letze-kwt-600x386.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11860\" class=\"wp-caption-text\">Die Verengung an der alten Walserstra\u00dfe in der Letze, auf der alle durch mussten, besonders mit dem Fuhrwerk (Foto: Tiburt Fritz; Aufnahmedatum: 26. 12. 2009)<\/figcaption><\/figure>\n<h2 align=\"center\">TEIL II<\/h2>\n<h3 align=\"center\">ZU DEN LETZEN<\/h3>\n<h4>1. Etymologie<\/h4>\n<p>Was ist eine Letze?<\/p>\n<p>Das Wort Letze ist seit dem 13. Jhd. nachweisbar.<sup>1<\/sup> Die etymologischen Verh\u00e4ltnisse des Wortes sind nicht v\u00f6llig gekl\u00e4rt. Letze entspricht laut Jacob und Wilhelm Grimm (Grimm\u2019sches W\u00f6rterbuch) den franz\u00f6sischen \u201elices\u201d, der italienischen \u201eliccia\u201d, \u201elizza\u201d und dem englischen \u201elist\u201d (heute auch Erdwall). Das deutsche Wort Letze stammt jedenfalls aus diesen Wurzeln, weil die romanischen Formen aus lautlichen Gr\u00fcnden sich nicht aus Letze herausbilden konnten, sondern eben umgekehrt. Aus Gr\u00fcnden der Verbreitung l\u00e4sst sich die romanische Herkunft ebenfalls auch deuten, da die entsprechenden W\u00f6rter laut Grimm durch alle romanischen Dialekte gehen, Letze im Deutschen aber nur im S\u00fcden (alemannisch und bayrisch) vorkommt und hier erst sp\u00e4t auftaucht.<sup>2<\/sup> Mit einiger Berechtigung kann angenommen werden, dass die Walser das Wort Letze auf ihren langen Wanderungen, die sie in den Mittelberg f\u00fchrten, aus dem Romanischen mitgebracht haben.<\/p>\n<p>Otto Merkt schrieb 1950 in \u201eDas sch\u00f6ne Allg\u00e4u\u201d<sup>3<\/sup> \u00fcber \u201eEine Letze im Kleinen Walsertal\u201d und 1951 \u00fcber \u201eLetzen im Allg\u00e4u\u201d<sup>4<\/sup>. Er geht eingrenzend davon aus, dass die Heimat der Letze die Schweiz sei, \u201edort wohl auch ihre gr\u00f6\u00dfte Verbreitung, beg\u00fcnstigt durch die Natur, das Alpenland\u201d<sup>5<\/sup> h\u00e4tte. Die etymologische Herleitung w\u00e4hlt er allerdings \u00fcber die Wortsippe von Letze, Litze<sup>6<\/sup>, Latz, in der er das zentrale Moment der Begrenzung und Abgrenzung findet und \u00fcber die Bedeutungsn\u00e4he von Letze und verletzen im Gedanken an einen Ort, wo man \u201eangefasst und eingefasst\u201d wird. Damit ist eine Verteidigungsanlage gemeint. Mit Bezug auf Erwin P\u00f6schl scheint er die Grimm\u2019sche etymologische Ableitung aus dem Romanischen abzulehnen, weil jener meint, dass \u201edie romanischen Sprachen selbst solche Anlagen nicht mit einem zu lices geh\u00f6rigen Wort bezeichnen, sondern eine derartige Sperre &#8218;Serra&#8216; nennen oder nach dem lateinischen &#8218;clusum&#8216;.\u201d<sup>7<\/sup><\/p>\n<p>Im Mittelhochdeutschen W\u00f6rterbuch von Lexer findet sich: \u201eletzen: hemmen, aufhalten, hindern, verhindern.\u201d und bei Sch\u00fctzeichel im Althochdeutschen W\u00f6rterbuch: \u201elez(z)en: hemmen, aufhalten, verlangsamen, beunruhigen.\u201d Das im Grimm\u2019schen W\u00f6rterbuch gebrauchte Argument der lautlichen Herleitung ist damit allerdings nicht widerlegt, sodass hier die Vermutung der romanischen Abkunft beibehalten wird.<\/p>\n<p>In ihrer fr\u00fcheren Verwendung hie\u00df die Letze an der alten Walserstra\u00dfe zwischen dem Zwerwald und dem Leidtobel \u201eLezin\u201d und \u201eLeze\u201d bzw. \u201eLetzin\u201d.<sup>8<\/sup> Das Wort ist ein Flurname bzw. die Bezeichnung einer H\u00e4usergruppe. Der Ort liegt direkt vor der Leidtobelbr\u00fccke. Dort reicht ein steiler Felsabhang bis unmittelbar an die alte Stra\u00dfe herunter und unterhalb der Stra\u00dfe f\u00e4llt ein steiler Hang bis zur Breitach ab. Der Durchgang ist eng, abseits der Stra\u00dfe h\u00f6chstens f\u00fcr ge\u00fcbte Gel\u00e4ndegeher, keinesfalls aber f\u00fcr irgendwelche Arten von Transport geeignet. Allerdings sind heute keine Spuren einer Letze mehr zu sehen. Merkt gibt an: \u201eDer einzige Beweis f\u00fcr eine echte Letze ist ja der Flurname in Verbindung mit der Situation an Ort und Stelle.\u201d<\/p>\n<p>Damit \u00f6ffnet sich sachlich und historisch die M\u00f6glichkeit, der Bedeutung von Letze n\u00e4her zu kommen. Das im 13. Jhd. auftauchende Wort hat vor allem eine wehrtechnische Bedeutung. Es bezeichnet einen Grenzverhau, eine \u201eLandwehr\u201d, eine Verteidigungslinie, meist in Form eines Verhaus, mit oder ohne Graben davor, mitunter auch mit Wachth\u00e4usern f\u00fcr eine kleine Besatzung, \u201enamentlich da, wo straszen herzuf\u00fchren.\u201d<sup>9<\/sup> Wann sollte es im Breitachtal notwendig geworden sein, eine Letze zur Verteidigung zu errichten? Weshalb soll gerade dieser Ort daf\u00fcr in Frage gekommen sein? Welche geschichtlichen Ereignisse bieten sich f\u00fcr eine Deutung an?<\/p>\n<h4>2. Bedeutung und Geschichte<\/h4>\n<p>In der fr\u00fcheren Ausdrucksweise sind Letzen Stra\u00dfensperren, errichtet unter bestimmten milit\u00e4rischen Gesichtspunkten: Verteidigung eines \u00dcbergangs oder Durchgangs, Einsehbarkeit des weiteren Umfeldes, um den Feind fr\u00fch zu entdecken, R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit f\u00fcr Menschen und Tiere hinter die Verteidigungslinie, falls dies ratsam erscheint. Merkt zieht f\u00fcr die historische Bedeutung der Letzen im Allg\u00e4u<sup>10<\/sup> die Geschehnisse des so genannten \u201eAppenzeller Krieges\u201d zwischen 1400 und 1410 heran. Die Appenzeller hatten zuerst den Abt von St. Gallen erfolgreich bek\u00e4mpft, versuchten dann die Allg\u00e4uer Bauern zum Mittun im Krieg gegen die ungeliebten Herren zu bewegen, drangen bis F\u00fcssen vor und belagerten sogar Immenstadt.<sup>11<\/sup> Hier w\u00e4re ein erster Anhaltspunkt zu markieren, zumal neben der sachlichen \u00dcberlegung ja auch eine Rolle spielen mag, dass Letzin als Flurname im Breitachtal urkundlich das erste Mal im 15. Jhd. auftaucht. Merkt bezeichnet den Ort als einen aus zwei H\u00e4usern bestehenden \u201eWeiler\u201d.<sup>12<\/sup> Nun sind urkundliche Erw\u00e4hnungen einer Letze noch kein Nachweis daf\u00fcr, wann dort tats\u00e4chlich etwas errichtet wurde, sie bedeuten Vorhandensein. Inwiefern sie allerdings, zusammen mit anderen Befunden, gute Anhaltspunkte abgeben k\u00f6nnen, wird sich im Folgenden zeigen.<\/p>\n<p>Welche w\u00e4ren nun die technischen Argumente, die angef\u00fchrt werden k\u00f6nnen? Wenn in dieser historischen Zeit dem Breitachtal eine Bedrohung von au\u00dfen, in diesem Fall also aus dem Nordosten, ins Haus stand, gab es zwei Stellen, die sich milit\u00e4risch als besonders g\u00fcnstig zu einer Abwehr von Eindringlingen eigneten: zum einen die Walserschanze f\u00fcr den Ort Riezlern, wobei die Funktion dieser Schanze ausdr\u00fccklich nur im \u201eDrei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg\u201d erwiesen wurde, und eben die Letze f\u00fcr den inneren Teil des Tales.<\/p>\n<p>Der zeitliche Abstand bei der Nennung von Walserschanze und Letze findet in Merkts Nachweis einen Halt, dass manche Letzen sp\u00e4ter Schanzen genannt wurden,<sup>13<\/sup> zumal auch in der Schwedenzeit im Allg\u00e4u schon nicht mehr von Letzen, sondern von Schanzen gesprochen wurde.<sup>14<\/sup> Die Letze bei Riezlern, die tats\u00e4chlich in der Ortschaft Hirschegg, und zwar im Leidtobel liegt, kommt als Ort einer Befestigung zeitlich erheblich vor dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg zu liegen.<\/p>\n<p>Nun werden vermutlich keine Wehren und Stra\u00dfensperren dort angelegt, wo der regelm\u00e4\u00dfige Verkehr von Menschen und Tieren nicht vorhanden ist. Es gilt daher, einen Hinweis zu finden, dass der Weg bzw. die Stra\u00dfe von Riezlern durch den Zwerwald \u00fcber die Letze ins Leidtobel, hinauf auf den D\u00fcrenboden und weiter in Richtung Mittelberg \u2013 eben die \u201ealte\u201d Walserstra\u00dfe \u2013 tats\u00e4chlich auch von Bedeutung war. Dies ist das zentrale Argument. Denn, weil eine Letze grunds\u00e4tzlich eine Stra\u00dfensperre ist, liegt jede an einer Stra\u00dfe &#8211; auch hier. Im \u201eSpruch des Gerichts Mittelberg \u00fcber die Rodeinteilung\u201d von 1690 findet sich ein Passus, der hier von Nutzen sein k\u00f6nnte: \u201ef\u00fcrohin zue allen Zeiten, Sommer und Winter Zeit, wanns die noth Erfordert, am andern helffen machen, und erhalten nach lauth des Haubtbrieffs, da\u00df man in alweg den Weg und die Prug in alweg nach notturfft zue gebrauchen hab mit gehen Sommen und fahren doch mit Vorbehalt, wan das ain od mehr Stuckh gueth an Steg od. Weg auch an der Prug vor dis\u00dfen schuldig gewe\u00dfen w\u00e4hren zue machen, so sollen dieselben Solches f\u00fcrohin zue allen Zeiten machen und erhalten wans die Notturfft erfordert.\u201d<sup>15<\/sup> Grob gesprochen war eine Rodeinteilung eine Absprache und zugleich Anweisung, welche Hausbesitzer, anrainend an eine von mehreren benutzte Stra\u00dfe, zu deren Erhaltung verpflichtet waren. In diesem Spruch des Gerichts Mittelberg ist ausdr\u00fccklich festgehalten, dass die Rodeinteilung f\u00fcr die \u201eLandtstra\u00df\u201d f\u00fcr jeden Ort &#8211; hinein \u00fcber den Zwerbach bis in die \u201eIndre Pfarr\u201d &#8211; zu Recht gilt.<\/p>\n<p>Fraglos ist hier mit der \u201ePrug\u201d von der Leidtobelbr\u00fccke nach der Letze taleinw\u00e4rts die Rede, fraglos ist diese gerichtliche Verlautbarung des Mathis\u00df Haim, \u201eStabhalter des Gerichts Mittelberg in die Herschafft Bregenz geh\u00f6rig\u201d, aus guten Gr\u00fcnden gemacht worden. Sie sollte durch rechtsverbindlichen Auftrag an die Anrainer sicher stellen, dass eine von vielen und h\u00e4ufig benutzte Landstra\u00dfe zum Gehen, S\u00e4umen und Fahren \u201ef\u00fcrohin und zue allen Zeiten\u201d in angemessenem Zustande gehalten wurde. Obwohl die Urkunde aus 1690 datiert, spricht rein gar nichts dagegen, dass diese Stra\u00dfe \u201eimmer schon\u201d die ihr in der Urkunde zugeschriebene Bedeutung hatte, denn \u2013 eine andere Stra\u00dfe gab es nicht durch diesen Teil des Breitachtals.<\/p>\n<p>Mit den bisherigen \u00dcberlegungen ist nun historisch nicht zu belegen, wann zum ersten Mal tats\u00e4chlich eine \u201eLandwehr\u201d oder eine Stra\u00dfensperre in der Letze aufgebaut wurde. Es ist nicht auszumachen, ob tats\u00e4chlich Verteidigungshandlungen stattgefunden hatten. Es ist eher zweifelhaft, ob eine \u00fcber l\u00e4ngere Zeit dauernde Befestigung \u00fcberhaupt existierte. Was als sicher gelten kann, ist die Bestimmung aus etymologischen und wehrtechnischen Argumenten. Die \u00dcberlegungen k\u00f6nnten damit abgebrochen werden, g\u00e4be es nicht das, was man den stillen Druck der Geschichte nennen k\u00f6nnte. Darunter soll die Tatsache verstanden werden, dass in einer Bev\u00f6lkerung historisch, politisch und sozial als bedeutsam erfahrene Begebenheiten sich sprachlich niederschlagen, sich in der Sprache verankern und in Bezeichnungen und Ausdr\u00fccken aufgehoben bleiben, auch wenn ihr sachlicher Gehalt l\u00e4ngst entschwunden ist. Deshalb soll nun auch diesem Gesichtspunkt noch nachgegangen werden.<\/p>\n<h4>3. Sp\u00e4tes Erbe?<\/h4>\n<p>In der \u201eFlurnamenkarte Gemeinde Mittelberg\u201d von Vogt<sup>16<\/sup> finden sich im Umkreis der Letze die zwei Flurnamen Salpeterh\u00fctte und Schmittele. Es legen sich Assoziationen nahe, die auf die \u201eLandwehr\u201d einen Bezug herstellen wollen. Nun gilt es, vorsichtig zu sein. Beispielsweise ist Arthur Schuster, einem Kenner der Gegend um die Letze, die Salpeterh\u00fctte nicht bekannt.<sup>17<\/sup> Hier g\u00e4lte es, weiter zu forschen, zumindest auf dem Pfad, dass Salpeter, bekanntlich ein Bestandteil des Schwarzpulvers, in irgend einer Weise mit dem Bedeutungskomplex \u201eLandwehr\u201d in Verbindung gebracht werden k\u00f6nnte. Schmittele hat einen n\u00e4heren Bezug insofern, als hier wohl die &#8211; auch nicht vollends gekl\u00e4rte &#8211; Tatsache im Hintergrund steht, dass das Haus Nr. 14 (nach der alten H\u00e4userz\u00e4hlung), unmittelbar nach der Leidtobelbr\u00fccke in Richtung Mittelberg gelegen, und damit unterhalb der Letze, ehemals eine Schmiede war oder gewesen sein soll.<sup>18<\/sup> Das kann, falls es zutrifft, von Bedeutung f\u00fcr den Fuhrverkehr gewesen sein, vielleicht aber auch f\u00fcr die Vorstellung, im Falle notwendiger Verteidigung an Ort und Stelle ben\u00f6tigtes Ger\u00e4t herstellen zu k\u00f6nnen. Zumindest ein Gedanke sollte noch darauf verwendet werden: Ganz in der N\u00e4he m\u00fcndet der Hirschegger M\u00fchlebach in die Breitach. Er bildet nordwestlich ein Hindernis f\u00fcr jemanden, der die Letze umgehen will.<\/p>\n<p>J. Fink und H. v. Klenze berichten im XVI. Kapitel ihres Buches \u00fcber das Vereinswesen im Kleinen Walsertal und gleich am Anfang des Abschnitts \u00fcber das \u201eSch\u00fctzenwesen\u201d. 1826 wurde auf \u201eh\u00f6heren Befehl\u201d ein \u201eSchie\u00dfstand\u201d im Leidtobel errichtet.<sup>19<\/sup> Im Jahr 1887 wurde der \u201eneue\u201d Schie\u00dfstand gebaut, exakt vor der Engstelle in der Letze (Richtung S\u00fcden). Der Protektor war der Erzherzog und Kronprinz Rudolf, der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Die Stelle f\u00fcr den Schie\u00dfstand wird auch gewiss nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt worden sein. Hier w\u00e4re noch archivalischen Quellen nachzugehen. Die oben genannte Bezeichnung Salpeterh\u00fctte k\u00f6nnte ja auch in einem inneren Zusammenhang mit dem Betreiben des Schie\u00dfstandes gestanden haben.<\/p>\n<p>\n<a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/litzen-karte\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-11861 size-full\" title=\"Flurnamenkarte von Werner Vogt\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/litzen-karte.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"651\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/litzen-karte.jpg 640w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/litzen-karte-295x300.jpg 295w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/litzen-karte-147x150.jpg 147w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/litzen-karte-60x60.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<h4>4. Fazit<\/h4>\n<p>Letze ist ein Wort, das mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Romanischen in den Kleinwalser Dialekt \u00fcbernommen wurde. Es hat, neben einer Reihe anderer Bedeutungen, \u00fcber die das Grimm\u2019sche W\u00f6rterbuch Auskunft gibt, vor allem jene der \u201eLandwehr\u201d bzw. der Stra\u00dfensperre. Kein Ort im Breitachtal eignete sich besser daf\u00fcr als die Letze. Urkundenhinweise aus dem 15. Jhd., weitere Flurnamen und der stille Druck der Geschichte legen nahe, dass diese Deutung zutreffen k\u00f6nnte. Auf weitere Urkundenausk\u00fcnfte und auf m\u00fcndliche Berichte bleibt zu hoffen, mit deren Hilfe sich manche der Vermutungen, die hier angestellt worden sind, noch etwas eingrenzen lie\u00dfen.<\/p>\n<h5>Anmerkungen:<\/h5>\n<ol class=\"kursiv\">\n<li>F\u00fcr wichtige und n\u00fctzliche Hinweise danke ich Herrn Alfred Koch herzlich.<\/li>\n<li>Grimm J., Grimm, W., Deutsches W\u00f6rterbuch. Leipzig 1885, Bd. 12, Sp. 801 (Nachdruck bei Deutscher Taschenbuch Verlag, M\u00fcnchen 1999).<\/li>\n<li>\u201eDas sch\u00f6ne Allg\u00e4u\u201d, 10. Jan. 1950, Seite 16. (Separatabdruck in: Allg\u00e4uer Geschichtsfreund Nr. 51, Seite 5).<\/li>\n<li>Merkt, O., Letzen im Allg\u00e4u, in: Merkt, O., Burgen, Schanzen, Letzen und Galgen im Allg\u00e4 und Das Kleine Allg\u00e4uer Burgenbuch. Kempten 1951, S. 223-257 (Wiederabdruck 1985, Nr. 18, S. 241, bei Verlag f\u00fcr Heimatpflege im Heimatland Allg\u00e4u e. V.).<\/li>\n<li>Merkt, O., op. cit., S. 226.<\/li>\n<li>Allerdings ist zu beachten, dass \u201eLitze\u201d im mhd. auch die Bedeutung von Schatten hatte.<\/li>\n<li>Merkt, O., op. cit., S. 226.<\/li>\n<li>Fink, J., H. v. Klenze, Der Mittelberg. Mittelberg 1891, S. 8. \u201eLezin\u201d und \u201dLeze\u201d wird im 15. Jhd. urkundlich erw\u00e4hnt. In der Urschweiz ebenfalls \u201dLetzin\u201d, Mz. \u201dLetzinen\u201d.<\/li>\n<li>Grimm, op. cit.<\/li>\n<li>Dort sind 49 solcher Flurnamen dokumentiert worden.<\/li>\n<li>Merkt, O., 1950, op. cit.<\/li>\n<li>Merkt, O., op. cit., S. 229.<\/li>\n<li>Die vermutlich erst sp\u00e4ter aufkommenden Schanzen bestanden, im Gegensatz zu den Letzen aus planm\u00e4\u00dfig angelegten Gr\u00e4ben, deren Aushub zu einem Wall aufgesch\u00fcttet wurde. Sie erf\u00fcllten denselben Zweck wie die Letzen, konnten aber immer wieder instand gesetzt und benutzt werden. In der Schweiz gab es sogar gemauerte Letzen (Letzimur). Eine Letze ist demnach eine tempor\u00e4re Stra\u00dfensperre in Form eines Verhaus aus \u00c4sten, Baumst\u00e4mmen, Strauchwerk oder Felsen.<\/li>\n<li>Merkt, O., op. cit., S. 229.<\/li>\n<li>\u201eSpruch des Gerichts Mittelberg \u00fcber die Rodeinteilung\u201d aus dem Jahr 1690. Pergamenturkunde, im Druck wiedergegeben als Beilage XV in Fink, v. Klenze, op. cit., S. 503-504.<\/li>\n<li>Vogt, W., Flurnamensammlungen, in: Vorarlberger Landesmuseumsverein, Freunde der Landeskunde in Bregenz (Hrsg.), Vorarlberger Flurnamenbuch, Flurnamensammlungen I. Teil, Band 9, Tannberg-Kleinwalsertal. Bregenz 1980.<\/li>\n<li>Mitteilung von Karl Ke\u00dfler.<\/li>\n<li>Vgl. auch Merkt, op. cit.<\/li>\n<li>Fink, v. Klenze, op. cit., S. 281\/82.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der vollst\u00e4ndige Artikel ist in <a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/walserheimat-86-februar-2010\/\">Heft 86 <\/a>der &#8222;Walserheimat&#8220; zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OFFENE DEUTUNG Gelegentlich l\u00f6sen Flurnamen Diskussionen \u00fcber ihre Herkunft und ihre Wortbedeutung aus. So geschieht dies auch im Kleinen Walsertal, wo die Flurnamen Letze und Litze vorkommen. Es scheint nicht endg\u00fcltig gekl\u00e4rt, welche Bedeutung diese Flurennamen haben. Universit\u00e4tsprofessor Anton Amann, geb\u00fcrtig aus Mittelberg, m\u00f6chte die Leser an der Diskussion beteiligen und hat der Walserheimat seine [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11860,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[154],"tags":[],"taetigkeiten":[],"chronik-jahre":[],"chronik-gemeinden":[],"walserheimat":[445],"gebiete":[],"superkategorien":[],"class_list":["post-11862","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-online-artikel","walserheimat-wh86"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11862"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11862\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18706,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11862\/revisions\/18706"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11860"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11862"},{"taxonomy":"taetigkeiten","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/taetigkeiten?post=11862"},{"taxonomy":"chronik-jahre","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/chronik-jahre?post=11862"},{"taxonomy":"chronik-gemeinden","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/chronik-gemeinden?post=11862"},{"taxonomy":"walserheimat","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/walserheimat?post=11862"},{"taxonomy":"gebiete","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/gebiete?post=11862"},{"taxonomy":"superkategorien","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/superkategorien?post=11862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}