{"id":11854,"date":"2017-05-08T16:04:32","date_gmt":"2017-05-08T14:04:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=11854"},"modified":"2024-03-02T16:19:39","modified_gmt":"2024-03-02T15:19:39","slug":"kapellen-orte-mit-ueberraschender-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/kapellen-orte-mit-ueberraschender-geschichte\/","title":{"rendered":"Kapellen &#8211; Orte mit \u00fcberraschender Geschichte"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Pastoralassistent Gregor Schirra<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/maria2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-11853\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/maria2.jpg\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/maria2.jpg 231w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/maria2-154x300.jpg 154w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/maria2-77x150.jpg 77w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a>Sie pr\u00e4gen unser Orts- und Landschaftsbild, sind Zeichen einer pers\u00f6nlichen Geschichte mit Erfahrungen von Leid und Not, aber auch Freude und Dankbarkeit &#8211; unsere Kapellen. Sie gr\u00fc\u00dfen von H\u00f6hen, stehen an Gefahrenstellen der Natur oder zieren die kleinen Weiler und Geh\u00f6fte. Doch oft ist ihre teilweise lange Geschichte vergessen, oder sie stehen verlassen und unbeachtet. Dabei lohnt sich die Auseinandersetzung mit ihnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst muss hier gekl\u00e4rt werden, was eine Kapelle von einer Kirche unterscheidet. Der Begriff Kirche trifft nur f\u00fcr den Gottesdienstraum einer Pfarrgemeinde zu, in dem alle Sakramente der Kirche gespendet werden k\u00f6nnen. Kapellen dagegen haben selten einen eigenen Beichtstuhl oder Taufstein. Und sie haben keinen eigenen Pfarrer (gehabt), der dort seine ganze Gemeinde um sich sammelt. Der Begriff Kapelle hat seine Wurzeln im fr\u00fchen Mittelalter. Wie allgemein \u00fcblich pflegte auch der merowingische Hof in Frankreich den Brauch der Reichskleinodien, Reliquien und Zeichen, die die K\u00f6nigsw\u00fcrde untermauern sollten. Dazu z\u00e4hlte dort die Reliquie des Mantels von Bischof Martin von Tours. Solch ein Kleidungsst\u00fcck wurde altlateinisch capa und mittellateinisch capella genannt, auf franz\u00f6sisch chapelle. Da nun dieses M\u00e4ntelchen zum Hofzeremoniell n\u00f6tig war, f\u00fchrte es der K\u00f6nig auch stets bei der Reise durch seine Lande mit sich und verwahrte es nebst den \u00fcbrigen Reichskleinodien am jeweiligen Aufenthaltsort in einem kleinen Raum neben dem Thronsaal. In den Wirren des Krieges gegen die Hugenotten wurde diese Reliquie gro\u00dfteils zerst\u00f6rt, so dass man sie heute nicht mehr sehen kann.<\/p>\n<p>Dass man heilige Gegenst\u00e4nde zum Reichsschatz z\u00e4hlte, muss nicht verwundern. Sie belegten die Herrschaft &#8222;von Gottes Gnaden&#8220;, also dass die St\u00e4ndeordnung der Gesellschaft als von Gott so vorgegeben angesehen wurde. Bekannter sind Reliquien wie die heilige Lanze (Wien) oder der heilige Rock (Trier). Ab dem 8. Jhdt. ist belegt, dass dann sowohl der Reliquienschrein wie auch der Aufbewahrungsraum selbst den Titel Capella f\u00fchren, ob nun der Mantel darin war oder nicht. Vom franz\u00f6sischen Hof \u00fcbertrug sich der Begriff an viele europ\u00e4ische F\u00fcrstenh\u00f6fe, Bischofsst\u00fchle und Kl\u00f6ster, die die Verwahrorte ihrer Kleinodien und Reliquien nun ebenfalls capella benannten. Die Pflege der Reliquien und die Verwaltung ihrer Verehrung wurde einem Geistlichen \u00fcbertragen, dem Kaplan. Sp\u00e4ter \u00fcbernahmen diesen Dienst auch ganze Klostergemeinschaften, die dort ihr Chorgebet verrichteten. So \u00fcbertrug sich der Name capella weiter auf die Chorgemeinschaft, wie auch der musikalische Begriff des A-capella-Singens (Gesang ohne Instrumentalbegleitung) belegt. Im weiteren Verlauf wurde dieser dann auch auf profane Ch\u00f6re und Musikergruppen ausgeweitet.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend nun die Gebets- und Verwahrr\u00e4ume der Reichskleinodien capella genannt wurden, bezeichnete man die \u00fcber Land verstreuten kleinen Gebetsst\u00e4tten, die wegen ihrer Gr\u00f6\u00dfe nicht in den Rang einer Kirche aufstiegen, ehemals als cella. Dies hat seinen Ursprung darin, dass zur Pflege des Gotteshauses stets wenigstens ein Klausner\/Einsiedler, wenn nicht gar ein paar M\u00f6nche oder Nonnen bestellt werden mussten, die in dessen Nachbarschaft eine Zelle zu errichten hatten. Erst ab dem 17. Jhdt. taucht der Begriff der Kapelle auch bei kleinen Gebetsh\u00e4usern auf, die auf b\u00fcrgerlich\/b\u00e4uerliche Privatinitiative hin wohnortnah zu den Stiftern errichtet wurden und Ausdruck ihres pers\u00f6nlichen Gebetsanliegens oder Erf\u00fcllung eines Gel\u00fcbdes sind.<\/p>\n<p>Dabei hat dann auch jede Kapelle eine eigene, mitunter ersch\u00fctternde oder auch charmante Geschichte, die zu betrachten sich durchaus lohnt. Ich kenne ein paar Kapellen, die aufgrund des bisher unerf\u00fcllten Kinderwunsches ausgelobt wurden. Als sich der Kindersegen einstellte, wurde die Kapelle errichtet. Von der &#8222;Spinnerkapelle&#8220; in Oberstaufen ist \u00fcberliefert, dass sie so gro\u00dfen Segen bewirkte, dass der Stifter, ein Leinenspinner von Beruf, mit einem weiteren Eid die Einebnung der Kapelle androhen musste, um dem Himmel zu verdeutlichen, dass er ihm nun genug Kinder geschenkt habe und einhalten k\u00f6nne mit seinem Segen. Solche oder andere Entstehungsgeschichten bewegen das Herz und sind sicher wert, entdeckt und \u00fcberliefert zu werden.<\/p>\n<p><i>Ein pers\u00f6nlicher Gedanke: Nicht nur um unsere Kapellen zu erhalten, sondern auch ihre Tradition und ihren Nutzen neu zu beleben, m\u00f6chte ich Sie anregen, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Lassen Sie die Kapellen wieder zu Orten Ihrer pers\u00f6nlichen Gebete und Anliegen werden. Nutzen Sie die Gelegenheit, sich gegenseitig in Ihre Kleinode einzuladen und sie zu erkunden. So werden sie durch Ihr Gebet mit den Nachbarn zu Ihrem pers\u00f6nlichen Ort der Gottesbegegnung. Dazu w\u00fcnsche ich Ihnen viel Freude und den n\u00f6tigen langen Atem, auch zum Wohl unserer Heimat und ihrer Kultur.<\/i><\/p>\n<p class=\"cyanbox\">Dieser Artikel ist in Heft 85 der &#8222;Walserheimat&#8220; zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Pastoralassistent Gregor Schirra Sie pr\u00e4gen unser Orts- und Landschaftsbild, sind Zeichen einer pers\u00f6nlichen Geschichte mit Erfahrungen von Leid und Not, aber auch Freude und Dankbarkeit &#8211; unsere Kapellen. Sie gr\u00fc\u00dfen von H\u00f6hen, stehen an Gefahrenstellen der Natur oder zieren die kleinen Weiler und Geh\u00f6fte. 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