{"id":11806,"date":"2017-05-07T14:22:22","date_gmt":"2017-05-07T12:22:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=11806"},"modified":"2024-01-08T10:51:31","modified_gmt":"2024-01-08T09:51:31","slug":"das-hoell-loch-100-jahre-erforschung-einer-hoehle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/das-hoell-loch-100-jahre-erforschung-einer-hoehle\/","title":{"rendered":"Das H\u00f6ll-Loch, 100 Jahre Erforschung einer H\u00f6hle"},"content":{"rendered":"<p><strong>VON TIBURT FRITZ<\/strong><\/p>\n<p>Mitten im Mahdtal \u00f6ffnet sich ein furchteinfl\u00f6\u00dfender, mehr als 15 m breiter Schlund, das H\u00f6llloch. Wer sich in diesen wasserf\u00fchrenden, dunkel g\u00e4hnenden Schacht wagt, dem darf der Mut nicht fehlen. Im Jahre 1905 gelang es dem Jagdaufseher Hermann Paul erstmals, ca. 70 m in den senkrecht abfallenden Schacht bis auf den ersten gr\u00f6\u00dferen Absatz abzuseilen. Er informierte Pfarrer L\u00e4ngle und Kaplan Franz Xaver Lutz in Riezlern. Sie planten nun, im Jahre 1906 die H\u00f6hle n\u00e4her zu erforschen.<!--more-->&nbsp;<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<figure id=\"attachment_11805\" aria-describedby=\"caption-attachment-11805\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11805 size-full\" title=\"Die Schispur von Dr. Maily (Quelle: Kleinwalsertaler Bilderbogen)\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/maily1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"552\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/maily1.jpg 400w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/maily1-217x300.jpg 217w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/maily1-109x150.jpg 109w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11805\" class=\"wp-caption-text\">Die Schispur von Dr. Maily (Quelle: Kleinwalsertaler Bilderbogen)<\/figcaption><\/figure>\n<h3>1861:<\/h3>\n<p>Carl Wilhelm von G\u00fcmbel, Leiter des Bayerischen Oberbergamtes, sondiert im Auftrage von K\u00f6nig Maximilian, dem Vater von Ludwig II, die geologische Situation im Ifengebiet. Es wird nach Bodensch\u00e4tzen gesucht. <\/p>\n<h3>Um 1900:<\/h3>\n<p>Prof. Dr. Max F\u00f6rderreuther, Direktor des Gymnasiums in Kempten, untersucht um die Jahrhundertwende den Schacht von au\u00dfen (Mess-Schnur, Falldauer von Steinen usw.) und kommt zum Ergebnis, dass er mehrere hundert Meter tief sein muss.<\/p>\n<h3>1904\/05:<\/h3>\n<p>Die Breitachklamm wird ausgebaut.<\/p>\n<h3>1905:<\/h3>\n<p>Hermann Paul erreicht mit Abseilen den ersten Absatz in ca. 70 m Tiefe.<\/p>\n<h3>1906:<\/h3>\n<p>Pfarrer L\u00e4ngle und Franz Xaver Lutz aus Riezlern organisieren die erste, gro\u00df angelegte Erkundung des H\u00f6lllochs. Bei f\u00fcnf H\u00f6hlenfahrten im Herbst 1906 gelingt bestens vorbereiteten Mannschaften (bis zu 50 Personen) an einem quer \u00fcber den weiten Schlund gelegten Baumstamm, einem Flaschenzug und an einem 200 m langen Kriagseil (Seil, mit dem Mist auf die Felder transportiert wird) der Abstieg. Als Beleuchtung dienen Fackeln und Azetylen-(Karbid-) Lampen.<\/p>\n<p>Mit Seilen werden 343 m &#8211; vom oberen zum unteren H\u00f6llloch-See &#8211; vermessen. Es wird ein Boot eingesetzt. Alfred Heurich, Erfinder des zusammenlegbaren Segeltuchbootes, wird 1906 in verschiedenen Zeitungen zitiert: &#8222;\u2026 Rechts verlief sich das Wasser in einem rundlichen See, wie wir feststellten, hatte dieser nur einen unterirdischen Abfluss, links war ein schmaler hoher Spalt. Wir waren am Ziel unserer Forschung. In zwei Stunden waren wir etwa 350 m vorgedrungen. Das H\u00f6llloch war erforscht.&#8220; Die Erstbegeher vermuten damals, dass sich die H\u00f6hle mindestens noch 1500 m im Inneren des Berges hinzieht.<\/p>\n<h3>1935:<\/h3>\n<p>Am 23.M\u00e4rz 1935 ist der Rechtsanwalt Dr. Maily aus W\u00f6rishofen auf einer Schitour im Mahdtal. Bei der Abfahrt ger\u00e4t er an den Rand des H\u00f6lllochs, will noch vom H\u00f6hlenrand wegschwingen und st\u00fcrzt dennoch r\u00fccklings ab. Er wird unter wagemutigem Einsatz von Karl Fritz (Luipolda Karle) und Gottlieb Kessler tot geborgen.<\/p>\n<h3>1936:<\/h3>\n<p>Am 13. September 1936 vermessen vier Bergsteiger aus Kempten wiederholt die H\u00f6hle. W\u00e4hrend die Gruppe im unteren Teil unterwegs ist, zieht ein Unwetter auf. Herabst\u00fcrzende Wasserf\u00e4lle durchn\u00e4ssen die Bergsteiger und die Seile. Als Sepp Gerstmair aufsteigen will, sind die Hanfseile so aufgequollen, dass der Flaschenzug nicht mehr bedienbar ist. 30 m unter dem Kraterrand bleibt der Mann hilflos stecken und stirbt unter den herabst\u00fcrzenden Wassermassen an Ersch\u00f6pfung und Unterk\u00fchlung.<\/p>\n<h3>1938:<\/h3>\n<p>Es finden drei Befahrungen durch Walser B\u00fcrger statt. Sie versuchen durch Sprengungen den Siphon am unteren H\u00f6llloch-See zu umgehen.<\/p>\n<h3>1949:<\/h3>\n<p>An einer wissenschaftlichen Untersuchung des H\u00f6lllochs durch die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Karstforschung sind 13 Wissenschaftler, Techniker und Studenten beteiligt. Bei 90 Einfahrten besuchen 30 Personen die H\u00f6hle.<\/p>\n<h3>1950:<\/h3>\n<p>13 Personen der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Karstforschung f\u00fchren bei 30 Einfahrten weitere wissenschaftliche Untersuchungen durch.<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h3>1964:<\/h3>\n<p>Eine Gruppe des Vereins f\u00fcr H\u00f6hlenkunde in M\u00fcnchen unter der Leitung von Klaus Cramer besucht das H\u00f6llloch. Der Wasserfall in der Natterkluft wird \u00fcberwunden, aber die vermutete Umgehung des oberen H\u00f6llloch-Sees wird nicht entdeckt.<\/p>\n<h3>1971:<\/h3>\n<p>Alpenvereinsmitglieder der Sektion Immenstadt biwakieren erstmals in der H\u00f6hle.<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h3>1972:<\/h3>\n<p>Mitglieder des M\u00fcnchner H\u00f6hlenvereins befahren den Schacht erstmals mit Perlonseilen und der J\u00fcmartechnik. In einer waghalsigen Aktion k\u00f6nnen Georg Ronge und J\u00fcrgen Becker die ersten zwei Wasserfallstufen des Oberlaufs mit zusammengeschraubten Kletterstangen \u00fcberwinden. Im Herbst desselben Jahres wird im Oberlauf eine beeindruckende Halle entdeckt, sie erh\u00e4lt den Namen Helmut-Cramer-Halle. Gerhard Baur macht erste Filmaufnahmen.<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h3>1973:<\/h3>\n<p>Gerhard Baur dreht den Film &#8222;Eine Seilfahrt in die Unterwelt&#8220;.<\/p>\n<h3>1975:<\/h3>\n<p>Nach Vorarbeiten von Adolf Triller und Eugen Heimhuber gelingt es J\u00fcrgen Becker, die \u00fcberh\u00e4ngende, glatte Wand der Helmut-Cramer-Halle zu \u00fcberwinden. Im selben Jahr richtet der H\u00f6hlenverein Sonthofen ein hochwassersicheres Biwak in der Natterkluft ein, um zeitaufw\u00e4ndige Arbeiten in der H\u00f6hle durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11803\" aria-describedby=\"caption-attachment-11803\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11803 size-full\" title=\"Der untere H\u00f6lllochsee\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/hoellsiphon1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/hoellsiphon1.jpg 500w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/hoellsiphon1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/hoellsiphon1-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11803\" class=\"wp-caption-text\">Der untere H\u00f6lllochsee<\/figcaption><\/figure>\n<h3>1976:<\/h3>\n<p>Erstmals wird getaucht. J\u00fcrgen Becker und Rupert Helmle erreichen die Luftglocke im zweiten Siphon.<\/p>\n<h3>1979:<\/h3>\n<p>Wolfgang Morlock kann wegen einer zu kurzen F\u00fchrungsleine die Luftglocke im Siphon nicht erreichen.<\/p>\n<h3>1980:<\/h3>\n<p>Gerhard Baur und Benno Heimhuber bezwingen den letzten Wasserfall und erreichen den obersten H\u00f6llloch-See.<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h3>1985:<\/h3>\n<p>Wolfgang Morlock taucht als erster durch den zweiten Siphon und begeht die Druckstollen, vermutlich bis zur Kieshalde.<\/p>\n<h3>1989:<\/h3>\n<p>Hermann Maier aus Ulm taucht durch beide Siphons und erkundet die Druckstollen bis zum ersten Abstieg Richtung Silberdom.<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h3>1990:<\/h3>\n<p>Ein bunt gemischter Haufen von Kletterern und H\u00f6hlenforschern, haupts\u00e4chlich aus Immenstadt und Umgebung sowie aus dem M\u00fcnchner Raum, planen j\u00e4hrliche Expeditionen.<\/p>\n<h3>1991:<\/h3>\n<p>Drei H\u00f6hlenbesucher werden am Ausfahren gehindert, weil jemand das Seil im Schacht nach oben gezogen hat.<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h3>1994:<\/h3>\n<p><b> <\/b>Bei Renovierungsarbeiten im Sommer werden die Besucher aus dem Jahre 1990 von einem Schlagwetter \u00fcberrascht und m\u00fcssen 20 Stunden im obersten Teil des H\u00f6lllochs verbringen. Nur mit knapper Not entkommen sie den Wassermassen.<\/p>\n<p>Gerhard Baur dreht den Film &#8222;Mit dem Wasser in die Tiefe&#8220;. Bei Unterwasser-Probeaufnahmen wird das Team vom Hochwasser \u00fcberrascht und muss eine Nacht im H\u00f6llloch biwakieren. Nach den Filmaufnahmen wird der Quergang zum Waschhallenabstieg erbohrt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11804\" aria-describedby=\"caption-attachment-11804\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11804 size-full\" title=\"Tropfsteine im H\u00f6lloch\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/hoelltropf.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/hoelltropf.jpg 500w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/hoelltropf-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/hoelltropf-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11804\" class=\"wp-caption-text\">Tropfsteine im H\u00f6lloch<\/figcaption><\/figure>\n<h3>1995:<\/h3>\n<p>Im Februar w\u00fchlen sieben Taucher im zweiten Siphon. Durch drei gro\u00dfe Hallen werden Materialseilbahnen gebaut. Hermann Meier erreicht nach 60 m das Ende des dritten Siphon.<\/p>\n<h3>1996:<\/h3>\n<p>2. bis 7. Januar: Ca. 200 m lange G\u00e4nge bis zum vierten Siphon werden verfolgt. Eine enge Umgehung des ersten Siphons wird gefunden.<\/p>\n<h3>1997:<\/h3>\n<p>18. Januar: Ein Tauchgang im vierten Siphon \u00fcberrascht. Er ist nur 2 m lang. Nach ca. 80 m wird der f\u00fcnfte Siphon entdeckt. Inzwischen sind 3340 m begangen und ist eine H\u00f6hendifferenz von 281 m erreicht. Eine Sensation bahnt sich an: Durch neu entdeckte G\u00e4nge sind ca. 90 % des H\u00f6lllochs ohne Tauchen zu betreten. Durch Zufall wird hinter einem engen Schluf beim Endversturz der Natterkluft der Herkulessaal, der gr\u00f6\u00dfte Raum im alten H\u00f6hlenteil, entdeckt.<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h3>1998:<\/h3>\n<p><b> <\/b>W\u00e4hrend acht Tagen H\u00f6hlenaufenthalt Ende Januar gelingt die Vermessung der Achterbahn und der Strecke vom vierten zum f\u00fcnften Siphon. Dabei wird f\u00fcr den vierten Siphon eine Umgehung gefunden. In einem Gang bei der Plattenhalle gelingt die lang ersehnte Umgehung des dritten Siphons.<\/p>\n<p class=\"cyanbox\">Der vollst\u00e4ndige Artikel ist in <a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/walserheimat-78-juni-2006\/\">Heft 78 <\/a>der &#8222;Walserheimat&#8220; zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VON TIBURT FRITZ Mitten im Mahdtal \u00f6ffnet sich ein furchteinfl\u00f6\u00dfender, mehr als 15 m breiter Schlund, das H\u00f6llloch. 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