{"id":11799,"date":"2017-05-07T14:15:49","date_gmt":"2017-05-07T12:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=11799"},"modified":"2024-01-08T11:00:28","modified_gmt":"2024-01-08T10:00:28","slug":"die-walser-und-ihre-nachbarn-etymologisch-gesehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/die-walser-und-ihre-nachbarn-etymologisch-gesehen\/","title":{"rendered":"Die &#8222;Walser&#8220; und ihre Nachbarn &#8211; etymologisch gesehen"},"content":{"rendered":"<p><strong>VON HANS-GERT BRAUN<\/strong><\/p>\n<p>Der Name &#8222;Walser&#8220; hat Geschichte und deshalb fragen sich viele, was er denn wohl mit \u00e4hnlichen Namen, z.B. den &#8222;Wallisern&#8220; (im Wallis) und den &#8222;Walisern&#8220; (in Wales) zu tun hat. Hier soll die Verwandtschaft dieser Namen ein wenig gekl\u00e4rt werden. Aber wenn man das tut, dann kann man vielleicht auch ein paar Namen in der weiteren Nachbarschaft einbeziehen, Namen wie &#8222;Walnuss&#8220;, &#8222;Wallach&#8220;, &#8222;Wallonen&#8220;, &#8222;Wallfahrt&#8220;, &#8222;Walross&#8220;, &#8222;Walk\u00fcre&#8220; etc. Das soll im Folgenden versucht werden; dabei ist aber sorgsam zu unterscheiden, wo Namen &#8222;verwandt&#8220; oder wo nur &#8222;benachbart&#8220; sind.<!--more--><\/p>\n<h2>Die Walser<\/h2>\n<p>Die Walser sind bekanntlich eine Volksgruppe, deren Vorfahren im 13. und 14. Jahrhundert das Wallis verlassen haben, um sich in verschiedenen Alpenregionen &#8211; in der heutigen Schweiz, in Liechtenstein, in \u00d6sterreich, in Italien und in Frankreich &#8211; neue Heimaten zu suchen. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr ihre &#8222;kleine V\u00f6lkerwanderung&#8220; waren damals wohl fehlendes wirtschaftliches Auskommen sowie die Tatsache, dass Walser h\u00e4ufig von Kriegsherren als S\u00f6ldner rekrutiert und &#8211; im Falle milit\u00e4rischer Erfolge &#8211; dann sp\u00e4ter mit einem St\u00fcck Land belohnt wurden (vgl. Wilhelm Fritz, 1981, S. 53 f.).<\/p>\n<p>Die Walser sind also &#8211; auch etymologisch gesehen, das hei\u00dft hinsichtlich der Herkunft ihres Namens &#8211; urspr\u00fcnglich &#8222;Walliser&#8220;, Leute aus dem Wallis. Aber mit dieser Feststellung ist nur der &#8222;schwarze Peter&#8220; weiter gereicht; wir wissen damit noch nicht, was &#8222;Walliser&#8220; bedeutet. Wo also kommt das Wort Wallis oder Walliser her? Nach herrschender Auffassung geht das Wort &#8222;Wallis&#8220; auf das lateinische bzw. romanische Wort &#8222;vallis&#8220; (&#8222;Tal&#8220;) zur\u00fcck, was dahingehend zu deuten ist, dass das &#8222;Wallis&#8220; ma\u00dfgeblich im (Rhone-)Tal liegt. Und diese Interpretation basiert auf der Tatsache, dass die R\u00f6mer von ihrer Kolonie &#8222;provincia&#8220; (der heutigen &#8222;Provence&#8220;) aus Gallien (die heutigen Gebiete von Frankreich, Belgien, der Niederlande, Luxemburgs und die deutschen Gebiete westlich des Rheins bzw. bis zum Limes) erobert haben. Ebenso haben sie den Alpenraum bis zum Bodensee erobert, insbesondere aber das Gebiet der keltischen Helvetier, das Gebiet der heutigen Schweiz<sup>1<\/sup>.<\/p>\n<p>In Bezug auf das Rhone-Tal berichtet Gaius Julius Caesar im Dritten Buch seines Kriegsberichtswerks &#8222;Bellum Gallicum&#8220; von dem Versuch der Eroberung des Tals oberhalb des Genfer Sees. Er schreibt (Caesar,1980, S. 68): &#8222;Bei seinem Aufbruch nach Italien beauftragte Caesar (den) Servius Galba, mit der 12. Legion und einem Teil der Reiterei in das Gebiet der Nantuaten, Veragrer und Seduner zu ziehen, das sich vom Gebiet der Allobroger, dem Genfer See und der Rhone bis zu den Gipfeln der Alpen erstreckt. Der Grund f\u00fcr diese Expedition lag in seiner Absicht, den Weg durch die Alpen zu \u00f6ffnen, der f\u00fcr die Handelsleute gew\u00f6hnlich mit gro\u00dfen Gefahren und hohen Zollkosten verbunden war.&#8220; Ziel der Expedition war es, den Weg vom heutigen Martigny (damals &#8222;Octodurus&#8220;) \u00fcber den Gro\u00dfen Sankt Bernhard unter r\u00f6mische Kontrolle zu bringen. Dies ist den R\u00f6mern gelungen; sie haben die Helvetier 15 v. Chr. unterworfen und etwa bis zum Jahr 400 n. Chr. gro\u00dfe Teile der Schweiz besetzt gehalten. Sie haben den Schweizer Raum aber auch in sprachlicher Hinsicht kolonisiert, indem sie ihr Romanisch dort eingef\u00fchrt haben, das sich dann mit dem Keltischen der Helvetier zum R\u00e4to-Romanischen vermischt hat (vgl. Tiburt Fritz, 2002, S. 672 ff., Gernot Ganahl, 2003, S. 155, sowie Mateo Taibon, 2004, S. 3)<sup>2<\/sup>.<\/p>\n<p>\u00dcber diese Zeit schreibt Klaus Augustiny (2004, S. 3): &#8222;Die keltische Bev\u00f6lkerung nahm schnell r\u00f6mische Kultur und Lebensart an und durchlebte in den beiden ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung eine friedliche und materiell gesicherte Zeit. Ein vorz\u00fcgliches Stra\u00dfennetz, dessen \u00dcberreste sich heute \u00fcberall in der Schweiz finden, f\u00fchrte \u00fcber den Gro\u00dfen Sankt Bernhard-Pass im Westen und \u00fcber die B\u00fcndner P\u00e4sse (Julier, Spl\u00fcgen, Oberalp) im Osten nach Rom, dem Mittelpunkt der damaligen Welt. Ein lebhafter Handel mit Rom bl\u00fchte auf.&#8220;<\/p>\n<p>Die starke Pr\u00e4senz der R\u00f6mer im Rhone-Tal l\u00e4sst es plausibel erscheinen, dass das heutige Wallis in dieser Zeit die lateinische bzw. romanische Bezeichnung &#8222;vallis&#8220; erhielt und bis etwa 400 n. Chr. behielt. Aber dann fielen die Germanen in das R\u00f6mische Reich ein. &#8222;W\u00e4hrend der V\u00f6lkerwanderungszeit fiel der westliche Teil des Imperiums an die germanischen Eroberer, die vorher regen Handelsbeziehungen mit dem Mittelmeerraum kamen zum Erliegen. Burgunder, die bereits das Christentum \u00fcbernommen hatten, siedelten im westlichen Teil der Schweiz und \u00fcbernahmen dessen Sprache, das Romanische. (Klaus Augustiny, 2004, S. 3) Daraus entwickelte sich (in der heutigen &#8222;Romandie&#8220;) ein franko-provenzalischer Dialekt. Es ist davon auszugehen, dass im oberen Rhone-Tal um das Jahr 1000 dieser Dialekt gesprochen wurde.<\/p>\n<p>Das von den Alemannen gehaltene Land, das bis ins heutige Berner Oberland reichte, wurde bis 900 n. Chr. vollst\u00e4ndig deutschsprachig (Althochdeutsch). Um das Jahr 1000 sind dann alemannische Volksgruppen aus dem Berner Oberland auf die S\u00fcdseite des Alpenhauptkammes gewechselt &#8211; vielleicht auf genau dem Weg, den heute die Eisenbahn nimmt, die von Thun am Thuner See nach Kandersteg f\u00e4hrt und nach der Durchquerung des L\u00f6tschberg-Tunnels ihren Abstieg ins Rhone-Tal nach Brig nimmt. Sie nahmen ihre alemannische Sprache (&#8222;H\u00f6chstalemannisch&#8220;) mit und verdr\u00e4ngten nicht nur die dort lebende Bev\u00f6lkerung, sondern auch deren romanische Sprache (vgl. Gernot Ganahl, 2003, S. 158).<\/p>\n<p>Die alemannischen Siedler bekamen oder \u00fcbernahmen (?) den Namen &#8222;Walliser&#8220;, der &#8211; wie bereits gesagt &#8211; auf das romanische Wort &#8222;vallis&#8220; (&#8222;Tal&#8220;) zur\u00fcckgeht. Im Folgenden soll aber dargelegt werden, warum das zumindest nicht eindeutig ist. Dazu m\u00fcssen wir uns zun\u00e4chst etwas mit dem Begriff &#8222;Welsche&#8220; befassen.<\/p>\n<h2>Welsche<\/h2>\n<p>Der Name &#8222;Welsche&#8220; (althochdeutsch (Singular) &#8222;walha&#8220;) ist die alte germanische Bezeichnung f\u00fcr die Kelten. Sie geht zur\u00fcck auf den keltischen Stamm der &#8222;volcae&#8220;, der in der heutigen Provence, der r\u00f6mischen &#8222;provincia&#8220;, lebte und von den R\u00f6mern romanisiert wurde.<\/p>\n<p>Von der &#8222;provincia&#8220;, dem Stammgebiet der &#8222;volcae&#8220;, aus haben die R\u00f6mer in der Folge alle keltischen V\u00f6lker auf dem europ\u00e4ischen Festland unterworfen und romanisiert; die germanische Bezeichnung f\u00fcr diese V\u00f6lker, &#8222;walha&#8220; (&#8222;Kelten&#8220;), blieb jedoch dieselbe. Vier Schritte sind hierbei deutlich zu unterscheiden:<\/p>\n<ol start=\"1\" type=\"1\">\n<li>So wie die Franzosen die Deutschen als &#8222;Alemannen&#8220; und die Finnen die Deutschen als &#8222;Sachsen&#8220; bezeichnen, so haben die Germanen die Kelten nach einem keltischen Stamm, den &#8222;volcae&#8220;, als &#8222;walha&#8220; bezeichnet.<\/li>\n<li>Nach der Unterwerfung und Romanisierung des keltischen Volksstammes der &#8222;volcae&#8220; durch die R\u00f6mer, ging die Bezeichnung &#8222;volcae&#8220; bzw. &#8222;walha&#8220; auf die R\u00f6mer selbst \u00fcber.<\/li>\n<li>Wo immer die R\u00f6mer sp\u00e4ter weitere keltische V\u00f6lker unterwarfen und romanisierten, ging die germanische Bezeichnung &#8222;walha&#8220; dann auf diese \u00fcber. Das mag damit zusammenh\u00e4ngen, dass die R\u00f6mer bei ihren gallischen Kriegen ihre Soldaten nicht in Italien, sondern zun\u00e4chst in der &#8222;provincia&#8220; und sp\u00e4ter in anderen Teilen Galliens rekrutierten. Die r\u00f6mischen Soldaten waren &#8211; ethnisch gesehen &#8211; somit in der Tat \u00fcberwiegend Kelten.<\/li>\n<li>Die aus &#8222;walha&#8220; abgeleitete germanische Bezeichnung &#8222;Welsche&#8220; f\u00fcr die Kelten ging mit der Romanisierung der verschiedenen Keltenv\u00f6lker dann generell auf die r\u00f6mischen Besatzer und ihre Nachkommen \u00fcber. Die Folge war, dass bis heute in den verschiedenen deutschen Dialekten die jeweils benachbarten Romanen als &#8222;Welsche&#8220; bzw. mit \u00e4hnlichen aus dem Wort &#8222;walha&#8220; abgeleiteten Namen bezeichnet werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&#8222;Welsche&#8220; sind somit &#8211; je nachdem, in welcher deutschsprachigen Region der Begriff verwendet wird<sup>3<\/sup>:<\/p>\n<ul>\n<li>die Franz\u00f6sisch Sprechenden in Belgien (&#8222;Wallonen&#8220;) und in der Schweiz (im &#8222;Welschland&#8220;);<\/li>\n<li>die R\u00e4toromanen in Graub\u00fcnden. Der &#8222;Walensee&#8220; ist folglich eigentlich der &#8222;welsche See&#8220; und &#8222;Walenstadt&#8220; am Ostende des Walensees (urspr\u00fcnglich &#8222;Walenstad&#8220;) bedeutet &#8222;Gestade der Welschen, der R\u00e4toromanen&#8220;. &#8222;Welschd\u00f6rfli&#8220; ist der Stadtteil von Chur, in dem am l\u00e4ngsten R\u00e4toromanen wohnten. Und &#8222;Kauderwelsch&#8220; ist das von den Tirolern nicht verstandene &#8222;Churer R\u00e4toromanisch&#8220;, das um Chur (tirolisch &#8222;Kauer&#8220;) gesprochen wurde &#8211; im \u00fcbertragenen Sinne heute aber zuweilen auch das von den Deutschen nicht verstandene Schwyzerd\u00fctsch. Der &#8222;Walgau&#8220; schlie\u00dflich bezeichnet den untersten Talabschnitt der Ill in Vorarlberg.<\/li>\n<li>die &#8222;Italiener&#8220;. Die Tiroler bezeichneten das Italienisch und Ladinisch sprechende Trentino, \u00fcber das sie von 1803 bis 1918 herrschten, als &#8222;Welschtirol&#8220;. Und auch der S\u00fcdtiroler Ort &#8222;Welschnofen&#8220; erhielt so seinen Namen. Auch die Bezeichnungen &#8222;Welschkohl&#8220; f\u00fcr den Wirsing, &#8222;Welschkorn&#8220; f\u00fcr den Mais und &#8222;Walnuss&#8220; (urspr\u00fcnglich &#8222;welsche Nuss&#8220;) haben hier ihren Ursprung.<\/li>\n<li>die &#8222;Rum\u00e4nen&#8220;. Die &#8222;Walachei&#8220; ist eine Landschaft in Rum\u00e4nien &#8211; und ein &#8222;Wallach&#8220; ein Pferd &#8222;nach Art der Rum\u00e4nen&#8220;, ein kastriertes Pferd.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Slawen haben das germanische Wort &#8222;walha&#8220; (im Sinne von &#8222;Romane&#8220;) von den Germanen \u00fcbernommen. Die polnische Bezeichnung f\u00fcr &#8222;Italien&#8220; ist deshalb bis heute &#8222;Wlochy&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Rotwelsch&#8220; ist eine Bezeichnung f\u00fcr die Gauner- und Bettlersprache im deutschsprachigen Raum, wobei &#8222;rot&#8220; in dieser Sprache &#8222;Bettler&#8220; bedeutet. Schon im 13. Jahrhundert gab es das Wort &#8222;rotwalsch&#8220;. Viele W\u00f6rter dieser Sprache sind &#8211; wie das Wort &#8222;Kohldampf&#8220; (&#8222;Hunger&#8220;) &#8211; ins Hochdeutsche \u00fcbernommen worden.<\/p>\n<p>Als die Angel-Sachsen aus dem heutigen Schleswig-Holstein im 5. Jahrhundert die britischen Inseln besetzten, trafen sie auf Kelten und teilweise auf romanisierte Kelten, die sie als &#8222;welsh&#8220; (&#8222;Welsche&#8220;\/&#8220;Waliser&#8220;) bezeichneten, aber in die britischen Randgebiete &#8222;Wales&#8220; und &#8222;Cornwall&#8220; abdr\u00e4ngten. Ob sie dabei mit &#8222;welsh&#8220; die Kelten generell oder nur die romanisierten Kelten bezeichneten, ist unklar.<\/p>\n<p>Kehren wir nach dieser &#8222;tour d&#8217;horizon&#8220; \u00fcber die Welschen zu den &#8222;Wallisern&#8220; (im Wallis) zur\u00fcck. Solange sie im Berner Oberland lebten, haben sie die romanische Bev\u00f6lkerung im Rhonetal h\u00f6chstwahrscheinlich als &#8222;Welsche&#8220; bzw. als &#8222;walha&#8220; bezeichnet. Bei ihrer Besiedlung des Rhone-Tales haben sie dann wom\u00f6glich realisiert, dass die dortige romanische Bev\u00f6lkerung die Region selbst als &#8222;vallis&#8220; (&#8222;Tal&#8220;), vielleicht mit einem sich auf die &#8222;Rhone&#8220; beziehenden Zusatz, bezeichnete. Es k\u00f6nnte also durchaus sein, dass das Wort &#8222;Wallis&#8220; von den Wallisern selbst im ersten Schritt aus ihrer eigenen Bezeichnung &#8222;walha&#8220; (&#8222;Welsche&#8220;) abgeleitet und im zweiten Schritt an das romanische &#8222;vallis&#8220; angepasst wurde. Das w\u00fcrde bedeuten, dass der Name &#8222;Walliser&#8220; und damit auch der Name &#8222;Walser&#8220; zwei Urspr\u00fcnge hat, die miteinander verwoben, verwalkt wurden. F\u00fcr die Richtigkeit dieser \u00dcberlegung gibt es keinen Beweis &#8211; f\u00fcr das Gegenteil aber wohl ebenfalls nicht. Zumindest ist es aber schwer vorstellbar, dass die alemannischen Walliser bei dem Wort &#8222;vallis&#8220; nicht an das Wort &#8222;walha&#8220; f\u00fcr die dort lebenden romanisierten Kelten gedacht haben &#8211; zumal sich das romanische Wort &#8222;vallis&#8220; ja in Richtung des heutigen franz\u00f6sischen Wortes &#8222;vall\u00e9e&#8220; (&#8222;Tal&#8220;) auch weiterentwickelt hat<sup>4<\/sup>.<\/p>\n<p>Kurzum, der Verfasser will hier deutlich machen, dass gegen\u00fcber der herrschenden Auffassung, dass das Wort &#8222;Wallis&#8220; eindeutig auf &#8222;vallis&#8220; zur\u00fcckgeht, durchaus Zweifel angebracht werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<h2>Die Silbe &#8222;Wal(l)-&#8220; mit v\u00f6llig anderen Urspr\u00fcngen<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich stellt man sich bei anderen W\u00f6rtern, die eine Silbe &#8222;Wal-&#8220; oder &#8222;Wall-&#8220; enthalten, die Frage, ob sie etwas mit der Silbe &#8222;Wal-&#8220; in &#8222;Walser&#8220; zu tun haben. Bei n\u00e4herer Betrachtung ihrer Etymologien muss man dann aber feststellen, dass es hier durchaus sehr verschiedene Urspr\u00fcnge dieser Silbe(n) gibt<sup>5<\/sup>.<\/p>\n<p>Das deutsche Wort &#8222;<b>Wal<\/b>&#8220; z.B. geht auf ein entsprechendes altnordisches Wort &#8222;hvalr&#8220; gleicher Bedeutung zur\u00fcck. Der Fischname &#8222;<b>Wels<\/b>&#8220; (auch &#8222;Waller&#8220; oder &#8222;Weller&#8220; genannt) ist aus &#8222;Wal&#8220; abgeleitet.<\/p>\n<p>&#8222;<b>Walross<\/b>&#8220; geht auf ein niederl\u00e4ndisches Wort &#8222;walrus&#8220; zur\u00fcck, das seinen Ursprung in zwei altisl\u00e4ndischen W\u00f6rtern, n\u00e4mlich &#8222;hrosshvalr&#8220; (&#8222;eine Art Wal&#8220;) und &#8222;rosmhvalr&#8220; (Walross&#8220;) hat. Der erste Wortteil &#8222;rosm&#8220; entspricht dem altdeutschen &#8222;rosamo&#8220; (&#8222;R\u00f6te, Rost&#8220;) und geht darauf zur\u00fcck, dass das Tier eine rotbraune Farbe hat. Die Metathese, die Umstellung der Silben von &#8222;hrossvalr&#8220; zu &#8222;walrus&#8220; ist in der Linguistik nicht ungew\u00f6hnlich, wenngleich bei Silben seltener als bei Buchstaben (z.B. &#8222;Bernstein&#8220; aus &#8222;Brennstein&#8220; oder &#8222;Risiko&#8220; aus dem italienischen &#8222;rischio&#8220;).<\/p>\n<p>&#8222;<b>Walhalla<\/b>&#8220; ist ein Wort, das auf die altnordische Mythologie zur\u00fcckgeht. Es bezeichnet dort die Halle, in die die in der Schlacht Gefallenen kommen. Der &#8222;Tote auf dem Schlachtfeld&#8220; hei\u00dft im Altnordischen &#8222;valr&#8220;, das Schlachtfeld selbst hei\u00dft im Mittelhochdeutschen &#8222;walstat&#8220; (&#8222;Walstatt&#8220;). Gem\u00e4\u00df der Mythologie sind es die &#8222;Walk\u00fcren&#8220; (altnordisch &#8222;valkyrja&#8220;), die Schlachtjungfrauen, die die Toten zu Odin in die Walhalla geleiten.<\/p>\n<p>Eine &#8222;<b>Wallfahrt<\/b>&#8220; ist eine Pilgerreise (mittelhochdeutsch &#8222;wal(le)vart&#8220;). Das seltene Wort &#8222;wallen&#8220; (&#8222;pilgern&#8220;) geht auf ein entsprechendes althochdeutsches Wort &#8222;adalon&#8220; (&#8222;umherschweifen, wandern&#8220;) zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&#8222;<b>Walken<\/b>&#8220; ist die Bezeichnung f\u00fcr das Tuchwalken (Verfilzen von Stoff durch Kneten). Das Wort hat seinen Ursprung in einem altnordischen Wort &#8222;valka&#8220; (&#8222;hin- und herbewegen&#8220;).<\/p>\n<p>Der &#8222;<b>Walzer<\/b>&#8220; ist ein Tanz, bei dem man sich dreht &#8211; und nicht hopst oder schreitet. Das Wort geht auf &#8222;Walze&#8220; (althochdeutsch &#8222;walza&#8220;) und entsprechende Verben mit der Bedeutung &#8222;drehen, rollen, bewegen&#8220; zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich &#8222;<b>Walpurgisnacht<\/b>&#8220; (&#8222;Hexensabbat&#8220;). Gem\u00e4\u00df Volksglauben reiten in dieser Nacht die Hexen auf den Blocksberg. Es ist die Nacht vor dem Tag der Heiligen Walpurg(is), dem 1. Mai. Der Zusammenhang zwischen der Heiligen und den Hexen ist nur durch das Datum begr\u00fcndet.<\/p>\n<h3>Anmerkungen:<\/h3>\n<ol start=\"1\" type=\"1\">\n<li>W\u00e4hrend die Kelten sich selbst als &#8222;Kelten&#8220; bezeichneten, nannten die R\u00f6mer die Kelten &#8222;Gallier&#8220;.<\/li>\n<li>Hier ist ein kurzer Exkurs zum Wort &#8222;Romanisch&#8220; angebracht. Romanisch war die Sprache des Volkes in Rom. Je vornehmer eine Familie, umso n\u00e4her war die Sprache dieser Familie der Schriftsprache Lateinisch. Je einfacher jedoch die Familie, umso mehr sprach sie ein &#8222;Lateinisch der einfachen Leute&#8220;, Romanisch. (Das Wort &#8222;Roman&#8220; hat &#8211; nebenbei &#8211; hier genau seinen Ursprung: Ein Roman ist eine Erz\u00e4hlung in der Sprache des Volkes, nicht in Lateinisch.) Die einfachen Soldaten, die mit ihren Heerf\u00fchrern nach Norden zogen, sie sprachen folglich auch Romanisch.<\/li>\n<li>Im Folgenden st\u00fctzt sich der Verfasser auf die Wikipedia-Artikel &#8222;Welsche&#8220; und &#8222;Romandie&#8220; sowie auf Hans-Gert Braun (2003).<\/li>\n<li>Hinzuweisen ist hier aber auch auf die formal \u00e4hnlich verlaufene Entstehung des Wortes &#8222;Walross&#8220; aus zwei verschiedenen Urspr\u00fcngen (vgl. unten).<\/li>\n<li>Der Verfasser st\u00fctzt sich in diesem Teil auf Hans-Gert Braun (2003) und Friedrich Kluge (1989).<\/li>\n<\/ol>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<div><span class=\"zitat\">Artikel o.V. (2005): &#8222;Welsche&#8220;, in: <a href=\"http:\/\/wikipda.de\/infos\/w\/we\/welsche.html\">http:\/\/wikipda.de\/infos\/w\/we\/welsche.html<\/a><br \/>\nArtikel o.V. &#8222;Romandie&#8220; (2005), in: <a href=\"http:\/\/www.wikipda.de\/infos\/r\/ro\/romandie.html\">http:\/\/www.wikipda.de\/infos\/r\/ro\/romandie.html<\/a><br \/>\nAugustiny, Klaus (2004): Geschichte der Schweiz, in: <a href=\"http:\/\/www.genealogienetz.de\/reg\/CH\/hist-de.html\">http:\/\/www.genealogienetz.de\/reg\/CH\/hist-de.html<\/a><br \/>\nBraun, Hans-Gert (2003): Wenn die W\u00f6rter wandern. Eine unterhaltsame Geschichte von Begriffen und ihr Weg ins Deutsche, Hohenheim Verlag, Stuttgart und Leipzig<br \/>\nCaesar, Gaius Julius (1980): Der Gallische Krieg, Philipp Reclam Junior, Stuttgart<br \/>\nFritz, Tiburt (2002): Die Romanen in Graub\u00fcnden &#8211; Teil 1, in: Walserheimat in Vorarlberg, Tirol und Liechtenstein, Heft 70\/Juni 2002, S. 671-678<br \/>\nFritz, Tiburt\/Werner Drechsel\/Karl Kessler (o.J.): Kleinwalsertaler Mundartw\u00f6rterbuch. Der Wortschatz einer Vorarlberger Walsergemeinde, Tiburt Fritz Verlag<br \/>\nFritz, Wilhelm (1981): Kleinwalsertal einst und jetzt, Verlag Walserdruck Erich St\u00f6ckeler, Riezlern\/Kleinwalsertal<br \/>\nGanahl, Gernot (2003): R\u00e4toromanisches im Gro\u00dfen Walsertal, in: Walserheimat in Vorarlberg, Tirol und Liechtenstein, Heft 73\/Dezember 2003,S. 155-161<br \/>\nKluge, Friedrich (1989): Etymologisches W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache, 22. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin, New York<br \/>\nTaibon, Mateo (2005): Ladinien. Informationen \u00fcber die ladinische Realit\u00e4t, in: <a href=\"http:\/\/www.gfbv.it\/ladin\/dossier\/ladin\/ladinien-de.html\">http:\/\/www.gfbv.it\/ladin\/dossier\/ladin\/ladinien-de.html<\/a><\/span> <\/p>\n<h3>Zum Autor<\/h3>\n<p>Hans-Gert Braun ist ein vielseitiger Mann. \u00dcber 20 Jahre war er Direktor und Chefvolkswirt einer internationalen Finanzinstitution in K\u00f6ln. Er lehrt seit 1983 als Professor der Volkswirtschaftlehre vor allem Internationale Wirtschafts- und Entwicklungspolitik an der Universit\u00e4t Stuttgart und er ist Mitherausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift &#8222;Internationales Afrikaforum&#8220;. Regelm\u00e4\u00dfig war er als Berater nationaler Regierungen und zahlreicher Institutionen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit t\u00e4tig. Daneben hat er eine Reihe von B\u00fcchern u. a. \u00fcber &#8222;Nutzentheorie&#8220; , &#8222;Programmierte Instruktion&#8220; oder &#8222;Auslandsdirektinvestitionen&#8220; sowie ein Schulbuch \u00fcber &#8222;Mikro\u00f6konomie&#8220; (mit-)verfasst und er hat zahlreiche wirtschafts- und entwicklungspolitische Artikel in Fachzeitschriften und in der \u00fcberregionalen Presse (NZZ, FAZ etc.) publiziert. 2003 ist sein Buch &#8222;Wenn die W\u00f6rter wandern&#8220; erschienen, das Ergebnis eines seiner Hobbys, der Etymologie. Sein neues Buch (April 2005) &#8222;Das Ziel ist im Weg&#8220; ist ein tiefsinniges, aber dennoch unterhaltsames Buch, in dem er die kleinen Erlebnisse am Rande gro\u00dfer Reisen in Entwicklungsl\u00e4nder erz\u00e4hlt. Auf Grund freundschaftlicher Beziehungen ist er dem Kleinwalsertal und der Kultur der Walser seit \u00fcber 30 Jahren verbunden.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VON HANS-GERT BRAUN Der Name &#8222;Walser&#8220; hat Geschichte und deshalb fragen sich viele, was er denn wohl mit \u00e4hnlichen Namen, z.B. den &#8222;Wallisern&#8220; (im Wallis) und den &#8222;Walisern&#8220; (in Wales) zu tun hat. Hier soll die Verwandtschaft dieser Namen ein wenig gekl\u00e4rt werden. Aber wenn man das tut, dann kann man vielleicht auch ein paar [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[154],"tags":[],"taetigkeiten":[],"chronik-jahre":[],"chronik-gemeinden":[],"walserheimat":[435],"gebiete":[],"superkategorien":[],"class_list":["post-11799","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-online-artikel","walserheimat-wh76"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11799","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11799"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11799\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17246,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11799\/revisions\/17246"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11799"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11799"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11799"},{"taxonomy":"taetigkeiten","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/taetigkeiten?post=11799"},{"taxonomy":"chronik-jahre","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/chronik-jahre?post=11799"},{"taxonomy":"chronik-gemeinden","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/chronik-gemeinden?post=11799"},{"taxonomy":"walserheimat","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/walserheimat?post=11799"},{"taxonomy":"gebiete","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/gebiete?post=11799"},{"taxonomy":"superkategorien","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/superkategorien?post=11799"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}