{"id":11792,"date":"2017-05-07T14:07:16","date_gmt":"2017-05-07T12:07:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=11792"},"modified":"2024-01-08T11:13:38","modified_gmt":"2024-01-08T10:13:38","slug":"neue-ergebnisse-zur-siedlungsgeschichte-am-tannberg-die-pollenanalysen-aus-dem-koerbersee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/neue-ergebnisse-zur-siedlungsgeschichte-am-tannberg-die-pollenanalysen-aus-dem-koerbersee\/","title":{"rendered":"Neue Ergebnisse zur Siedlungsgeschichte am Tannberg. Die Pollenanalysen aus dem K\u00f6rbersee"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong>VON CAROLINA WALDE &amp; KLAUS OEGGL<\/strong><\/p>\n<p align=\"center\"><strong>INSTITUT F\u00dcR BOTANIK DER LEOPOLD-FRANZENS-UNIVERSIT\u00c4T INNSBRUCK,<\/strong><br \/>\n<strong>STERNWARTESTRASSE 15, A-6020 INNSBRUCK<\/strong><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>Im Rahmen des Projektes &#8222;Alpmuseum uf m Tannberg&#8220; laufen zur Zeit am Institut f\u00fcr Botanik der Universit\u00e4t Innsbruck ausf\u00fchrliche Pollenanalysen an Sedimenten vom K\u00f6rbersee, welche neue zus\u00e4tzliche Informationen zur Vegetationsentwicklung und Besiedelungsgeschichte am Hochtannberg liefern sollen. Diese Untersuchungen stellen die Fortsetzung der palynologischen Analysen des Sedimentbohrkernes vom Kalbelesee (WALDE &amp; OEGGL 2003) dar, die eine bis in die Bronzezeit zur\u00fcckreichende Siedlungst\u00e4tigkeit auf dem Tannberg belegen. Die Bearbeitung des neuen Bohrkerns aus dem K\u00f6rbersee, der die Vegetationsentwicklung der letzten 10000 Jahre umfasst, soll einen Einblick in die Vegetations- und Siedlungsgeschichte des Tannberges geben, sowie den Beginn und die r\u00e4umliche Ausdehnung der Siedlungst\u00e4tigkeit auf dem Tannberg erfassen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die bereits vorliegenden Pollenanalysen vom Kalbelesee (WALDE &amp; OEGGL 2003) lieferten sensationelle Ergebnisse zur Besiedelungsgeschichte. Entgegen der g\u00e4ngigen Auffassung, dass der Tannberg von den Walsern urbar gemacht wurde, belegt das Profil Kalbelesee eine menschliche Besiedelung des Hochtannberges ab der Sp\u00e4tbronzezeit, also seit 3000 Jahren. Die Gebiete nahe der Waldgrenze wurden als Hochweiden genutzt. Seit der Eisenzeit sind regelm\u00e4\u00dfige Brandrodungen nachgewiesen, welche das Verbuschen der Weidefl\u00e4chen verhindern sollen. In der Eisen- und R\u00f6merzeit wird die Beweidung intensiviert, aber es wurde auch lokaler Ackerbau betrieben, der eine Dauersiedlung auf dem Tannberg voraussetzt.<\/p>\n<p>Im Zuge der zur Zeit laufenden pollenanalytischen Untersuchungen des Sedimentbohrkernes aus dem K\u00f6rbersee sollen einerseits die schon aus dem Kalbelesee vorliegenden Ergebnisse best\u00e4tigt werden, andererseits soll auch der fr\u00fcheste Beginn des menschlichen Eingriffes auf dem Tannberg erfasst werden. Da die Sedimentationsrate des K\u00f6rbersees geringer ist als die des Kalbelesees kann durch die Pollenanalyse des Sedimentbohrkernes die Vegetationsentwicklung am Tannberg w\u00e4hrend eines weiter zur\u00fcckliegenden Zeitraumes ermittelt werden.<\/p>\n<h2>Lage des Untersuchungsgebietes<\/h2>\n<figure id=\"attachment_11789\" aria-describedby=\"caption-attachment-11789\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11789 size-full\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/koerbersee.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/koerbersee.jpg 540w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/koerbersee-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/koerbersee-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11789\" class=\"wp-caption-text\">Der K\u00f6rbersee auf dem Hochtannberg (Foto: Carolina Walde)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die beiden pollenanalytisch untersuchten Seen, Kalbelesee und K\u00f6rbersee, liegen in den N\u00f6rdlichen Kalkalpen im Osten von Vorarlberg. Das Untersuchungsgebiet befindet sich am Tannberg, der das Lechtal mit dem Bregenzer Wald verbindet. Der 7 m tiefe K\u00f6rbersee ist umgeben von Weidefl\u00e4chen und einer wunderbaren Gebirgskulisse mit Widderstein, Mohnenfluh und Braunarlspitze. Er geh\u00f6rt zur Gemeinde Schr\u00f6cken und liegt auf 1670 m Meeresh\u00f6he. 1958 wurde das Gebiet zum Pflanzenschutzgebiet K\u00f6rbersee erkl\u00e4rt. Niederschlagsreiche Sommer und milde aber schneereiche Winter kennzeichnen das mitteleurop\u00e4isch, ozeanisch get\u00f6nte Klima, das hier zum Ausdruck kommt (FLIRI 1975). Der mittlere Jahresniederschlag von Schr\u00f6cken liegt bei 2270 mm (KOSINNA &amp; FLIRI 1961).<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_11788\" aria-describedby=\"caption-attachment-11788\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11788 size-full\" title=\"Bohrung im K\u00f6rbersee im April 2004 (Foto: Tipsuda Tangtragoon)\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/bohrturm.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/bohrturm.jpg 540w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/bohrturm-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/bohrturm-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11788\" class=\"wp-caption-text\">Bohrung im K\u00f6rbersee im April 2004 (Foto: Tipsuda Tangtragoon)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<h2>Methode<\/h2>\n<p>Von der zugefrorenen Oberfl\u00e4che des K\u00f6rbersees wurde im April 2004 ein 3,75 m langer Bohrkern mit einem abgewandelten Streif-Kolbenbohrer aus der Seemitte entnommen. Die chemische Aufbereitung der Proben erfolgte nach der am Institut f\u00fcr Botanik der Universit\u00e4t Innsbruck angewandten Methode (SEIWALD 1980). Zur Methode der Pollenanalyse sei auf WALDE &amp; OEGGL (2003) verwiesen. Die Ergebnisse wurden mit dem am Institut f\u00fcr Botanik entwickelten Computerprogramm FAGUS 4 in Form von Schattenrissdiagrammen dargestellt. Bei der Berechnung des Relativdiagramms sind die Wasserpflanzen, Sporen, Holzkohlepartikel und die Cyperaceae aus der 100%-Summe ausgeschlossen. Ihre Werte sind auf die Gesamtsumme bezogen dargestellt. Im Pollenprofil ist auf der y-Achse die Tiefe und auf der x-Achse die H\u00e4ufigkeit der einzelnen Pollen abzulesen. Von links nach rechts werden die Baumpollen, dann das Hauptdiagramm, die Nichtbaumpollen (Kr\u00e4uter), die Einzelfunde und anschlie\u00dfend die Sporen und Holzkohlenpartikel dargestellt. Die dunkel unterlegten Fl\u00e4chen stellen die Prozentwerte, die wei\u00dfen Fl\u00e4chen die Promillewerte dar. Im Hauptdiagramm, in der Mitte, sind die wichtigsten Baumpollen links und die Gr\u00e4ser rechts aufgetragen. Die durchgehende Linie zeigt das Verh\u00e4ltnis Baumpollen (links) zu den Nichtbaumpollen (rechts) auf.<\/p>\n<p>Zur besseren Lesbarkeit und \u00dcbersichtlichkeit des Profils wird es in &#8222;assemblage-zones&#8220; (HEDBERG 1972a, b) gegliedert, die hier nur durch den Gehalt an Pollen und Sporen definiert werden, ohne sich an Klima, Vegetation oder Sediment anzulehnen. Diese Zonen, die durch Querstriche im Profil markiert sind, werden als Lokale Pollenansammlungszonen (local pollen assemblage zones, lpaz) bezeichnet.<\/p>\n<table border=\"1\">\n<tbody>\n<tr>\n<th width=\"10%\">Lpaz<\/th>\n<th>Zone<\/th>\n<th width=\"15%\">Tiefe (cm)<\/th>\n<th>Obergrenze<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>K\u00d6-1<\/td>\n<td>Kiefern-Birken (Pinus-Betula) Zone<\/td>\n<td>375 &#8211; 340<\/td>\n<td>Maximum der Kiefer (Pinus), R\u00fcckgang der Gr\u00e4ser (Gramineae)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>K\u00d6-2<\/td>\n<td>Hasel-Ulmen (Corylus avellana-Ulmus) Zone<\/td>\n<td>340 &#8211; 280<\/td>\n<td>Die Fichte (Picea) \u00fcbersteigt die Werte der Kiefer (Pinus)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>K\u00d6-3<\/td>\n<td>Fichten-Erlen (Picea-Alnus) Zone<\/td>\n<td>280 &#8211; 220<\/td>\n<td>R\u00fcckgang von Ulme (Ulmus) und der monoleten Sporen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>K\u00d6-4<\/td>\n<td>Erlen-Fichten-Gr\u00e4ser (Alnus-Picea-Gramineae) Zone<\/td>\n<td>220 &#8211; 55<\/td>\n<td>R\u00fcckgang der Erle (Alnus)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>K\u00d6-5<\/td>\n<td>Gr\u00e4ser-Fichten (Gramineae-Picea) Zone<\/td>\n<td>55 &#8211; 1<\/td>\n<td>Profilende<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h5>Tabelle 1: die lokalen Pollenansammlungszonen (lpaz) des Pollenprofils K\u00f6rbersee<\/h5>\n<h2>Die Vegetationsgeschichte des Tannberggebietes<\/h2>\n<p>Der 3,75 m lange Bohrkern des K\u00f6rbersees beginnt unter g\u00fcnstigen klimatischen Bedingungen in einer W\u00e4rmephase, dem Aller\u00f6d, vor ca. 13000 Jahren zu wachsen. Die Vegetationsentwicklung startet mit einer Kiefern-Birken (Pinus-Betula) Zone (lpaz K\u00d6-1). Die Vegetation zu dieser Zeit am Tannberg wird von lichten Kiefernw\u00e4ldern (Pinus) und Birke (Betula) dominiert. Im Unterwuchs sind Str\u00e4ucher und Kr\u00e4uter wie Wacholder (Juniperus), Gr\u00e4ser (Gramineae), Greiskraut (Senecio), Zungenbl\u00fctler (Cichoriaceae), Schmetterlingsbl\u00fctler (Papillionaceae), Sonnenr\u00f6schen (Helianthemum), Rosengew\u00e4chse (Rosaceae), Wiesenraute (Thalictrum), Brennnesselgew\u00e4chse (Urticaceae), Beifu\u00df (Artemisia), Ampfer (Rumex) oder G\u00e4nsefu\u00dfgew\u00e4chse (Chenopodiaceae) vorhanden<\/p>\n<figure id=\"attachment_11790\" aria-describedby=\"caption-attachment-11790\" style=\"width: 651px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11790 size-full\" title=\"Abbildung 3. Vereinfachtes Pollendiagramm des Sedimentbohrkernes aus dem K\u00f6rbersee.\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Statistik.gif\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"667\"><figcaption id=\"caption-attachment-11790\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 3. Vereinfachtes Pollendiagramm des Sedimentbohrkernes aus dem K\u00f6rbersee.<\/figcaption><\/figure>\n<table border=\"1\" width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"5%\">\u0394<\/td>\n<td>Fichte<\/td>\n<td width=\"10%\">DRIII<\/td>\n<td>j\u00fcngere Dryas<\/td>\n<td width=\"5%\">AT<\/td>\n<td>Atlantikum<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00ba<\/td>\n<td>F\u00f6hre<\/td>\n<td>PB<\/td>\n<td>Pr\u00e4boreal<\/td>\n<td>SB<\/td>\n<td>Subboreal<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>AL<\/td>\n<td>Aller\u00f6d<\/td>\n<td>BO<\/td>\n<td>Boreal<\/td>\n<td>SA<\/td>\n<td>Subatlantikum<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>W\u00e4hrend der Abk\u00fchlung in der j\u00fcngeren Dryas wird die Kiefer zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, wohingegen die Steppenelemente, z.B. Beifu\u00df (Artemisia), Gr\u00e4ser (Gramineae) und Sauergr\u00e4ser (Cyperaceae) zunehmen. Auch der Wacholder (Juniperus) ist weiterhin stark im Unterwuchs vertreten. Die W\u00e4lder werden durch die k\u00e4lteren Temperaturen in tiefere Lagen abgedr\u00e4ngt und aufgelichtet, wodurch sich Kr\u00e4uter und Str\u00e4ucher ausbreiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Zone, die Hasel-Ulmen (Corylus avellana-Ulmus) Zone (lpaz K\u00d6-2), ist durch Hasel (Corylus avellana) und Ulme (Ulmus) gekennzeichnet. Das Pr\u00e4boreal (9250 &#8211; 8000 v. Chr.) beginnt mit dem typischen Gipfel der Birke (Betula), die Kiefer (Pinus) nimmt rasch ab. Danach finden rund um den K\u00f6rbersee auf Grund der Klimaverbesserung und der Erw\u00e4rmung w\u00e4hrend des Pr\u00e4boreals die Hasel (Corylus avellana) und die Ulme (Ulmus) g\u00fcnstige Bedingungen und zeigen eine massive Zunahme. Im Tal breitet sich in dieser Zone der Eichenmischwald mit den klimatisch anspruchsvolleren Arten wie Eiche (Quercus robur), Esche (Fraxinus excelsior) oder Linde (Tilia) aus. Im Boreal (8000 &#8211; 6900 v. Chr.) dominieren am Tannberg weiterhin die Hasel (Corylus avellana) und die Ulme (Ulmus), aber die Fichte (Picea) wandert nun ein und beginnt sich auszubreiten.<\/p>\n<p>Die feuchteren klimatischen Bedingungen im Atlantikum (6900 &#8211; 3750 v. Chr.) f\u00fchren zur Ausbreitung der Erle (Alnus) um den K\u00f6rbersee. Auch die Fichte (Picea) nimmt nun zu und \u00fcbersteigt die Werte der Kiefer (Pinus). Rund um den See entstehen nun Fichtenw\u00e4lder. Die Hasel (Corylus avellana) wird in tiefere Lagen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>In der Fichten-Erlen (Picea-Alnus) Zone (lpaz K\u00d6-3) breiten sich die Erle (Alnus) und die Fichte (Picea) weiterhin aus. Im Gegensatz dazu gehen die Gr\u00e4ser (Gramineae) zur\u00fcck. In montanen Lagen wandern auf Grund des feucht-atlantischen Klimas die Tanne (Abies) und die Buche (Fagus) in der so genannten Frosnitzschwankung, einer Klimaschwankung, die durch erh\u00f6hte Niederschl\u00e4ge gekennzeichnet ist, ein (BORTENSCHLAGER 1972). W\u00e4hrend die Tanne (Abies), welche frische bis feuchte Standorte ben\u00f6tigt (LANG 1994), und die Buche (Fagus), die sommerfeuchte Gebiete bevorzugt (LANG 1994), durch die vermehrten Niederschl\u00e4ge gef\u00f6rdert werden, wird der Eichenmischwald durch die f\u00fcr ihn ung\u00fcnstigen Klimabedingungen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>In der Erlen-Fichten-Gr\u00e4ser (Alnus-Picea-Gramineae) Zone (lpaz K\u00d6-4) sind die Erle (Alnus) und die Fichte (Picea) weiterhin die dominierenden Geh\u00f6lze, die rund um den See wachsen. Ab ca. 190 cm Tiefe zeigt sich nun eine Ver\u00e4nderung in der Vegetationsentwicklung am Tannberg. Im Subboreal (3750-800 v.Chr.) herrschen weiterhin die Fichte (Picea) und die Erle (Alnus) rund um den K\u00f6rbersee vor. Wir k\u00f6nnen aber jetzt auch den menschlichen Eingriff am Hochtannberg nachweisen. Dadurch ist es nun schwierig, die klimatischen Ursachen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen in der Pflanzenzusammensetzung von anthropogenen zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Im Profil K\u00f6rbersee kommt es nun zu einer Zunahme der Gr\u00e4ser (Gramineae) und einem Einbruch in der Fichtenkurve (Picea). Gleichzeitig tritt in 180 cm Tiefe der erste Pollen vom Spitzwegerich (Plantago lanceolata-Typ) auf, einer typischen anthropogenen Zeigerpflanze, die auf belichteten und vom Menschen beeinflussten Fl\u00e4chen vorkommt. Zusammen mit den koprophilen Pilzen (Pilze, die auf Dung wachsen) liefert der Spitzwegerich (Plantago lanceolata-Typ) einen deutlichen Hinweis auf die Beweidung der umliegenden Fl\u00e4chen. Auch die Holzkohlen steigen an und zeigen den Einsatz von Feuer an. Der Mensch hat also seit der Mittelbronzezeit (1600-1300 v. Chr.) die W\u00e4lder rund um den K\u00f6rbersee f\u00fcr die Gewinnung von Weidefl\u00e4chen durch Brand gerodet.<\/p>\n<p>Ein zweiter menschlicher Eingriff zeigt sich ab 140 cm Tiefe im R\u00fcckgang der Fichte und in der gleichzeitigen Zunahme der Holzkohlen und der so genannten Siedlungszeiger, also Pflanzen, die unter dem menschlichen Einfluss vermehrt vorkommen, so etwa der Spitzwegerich (Plantago lanceolata-Typ), der gro\u00dfe Wegerich (Plantago major-Typ), der Mittlere Wegerich (Plantago media), Ampferarten (Rumex-Typ), ebenso stickstoffliebende Pflanzen wie Brennnesselgew\u00e4chse (Urticaceae), G\u00e4nsefu\u00dfgew\u00e4chse (Chenopodiaceae-Typ) oder Beifu\u00df (Artemisia), die ged\u00fcngte B\u00f6den wie Viehweiden, \u00c4cker und Brachfl\u00e4chen anzeigen (Iversen 1941; Behre 1981). Es kommt zu einer Intensivierung der Beweidung. Da die Holzkohlen gleichzeitig mit Siedlungszeigern auftreten, kann auf vom Menschen gelegte Br\u00e4nde geschlossen werden, um die Weidefl\u00e4chen offen zu halten.<\/p>\n<p>Ein dritter markanter anthropogener Eingriff kann am \u00dcbergang vom Subboreal zum Subatlantikum (800 v. Chr. bis heute) nachgewiesen werden. Diese Ereignisse fallen in die Eisenzeit (780 bis 15 v. Chr.), wobei eine neuerliche Verst\u00e4rkung des menschlichen Eingriffs festzustellen ist. Ab nun treten auch Kulturzeiger, also Pflanzen, die vom Menschen angebaut werden, auf. So wird der Roggen (Secale) in der Umgebung des K\u00f6rbersees angebaut. Dies best\u00e4tigen die Analysen aus dem Kalbelesee (WALDE &amp; OEGGL 2003). Auch dort kommt es in der Eisenzeit zu gro\u00dffl\u00e4chigen Eingriffen des Menschen, wobei die gerodeten Gebiete als Weidefl\u00e4chen genutzt werden. Ebenso sind die Kulturzeiger wie Getreide (Cerealia) und Roggen (Secale) ab der Eisenzeit im Profil Kalbelesee nachgewiesen und dokumentieren lokalen Ackerbau.<\/p>\n<p>Ab 80 cm Tiefe steigen Gr\u00e4ser (Gramineae), Siedlungs- und Kulturzeiger und ebenso die Holzkohlen stark an. Auf Grund der starken Ver\u00e4nderungen in der Vegetation kann hier eine neue Zone, lpaz K\u00d6-5, Gr\u00e4ser-Fichten (Gramineae-Picea) Zone, unterschieden werden. Die Gr\u00e4ser (Gramineae) steigen stark an, w\u00e4hrend die Erle zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wird. Der Wacholder (Juniperus) ist jetzt stark vorhanden. Der Wacholder (Juniperus) z\u00e4hlt zu den Weideunkr\u00e4utern, die vom Vieh nicht gefressen werden, und weist gemeinsam mit Spitzwegerich (Plantago lanceolata-Typ) auf eine intensive Beweidung der H\u00e4nge um den K\u00f6rbersee hin. Die Siedlungs- und Kulturzeiger sind durchgehend und mit hohen Werten vertreten. In diese Zone f\u00e4llt die Zuwanderung der Walser. Es zeigt sich hier der intensive menschliche Eingriff am Tannberg, der bis heute andauert.<\/p>\n<h2>Schlussfolgerungen<\/h2>\n<p>Die Vegetationsabfolge im Profil K\u00f6rbersee reicht wesentlich weiter zur\u00fcck als im Profil Kalbelesee und erfasst die Vegetationsentwicklung ab dem Aller\u00f6d, also vor 13000 Jahren. Das untersuchte Pollenprofil vom Kalbelesee hingegen zeigt die Vegetationsentwicklung erst seit der Bronzezeit.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Ergebnisse zur Siedlungsaktivit\u00e4t des Menschen um den K\u00f6rbersee seit der Bronzezeit best\u00e4tigen die Untersuchungen vom Kalbelesee (WALDE &amp; OEGGL 2003). Zus\u00e4tzlich konnte die erste menschliche Siedlungsaktivit\u00e4t in der Bronzezeit und damit einige hundert Jahre fr\u00fcher als im Kalbelesee nachgewiesen werden. Seither n\u00fctzt der Mensch die Gr\u00fcnfl\u00e4chen um den Kalbelesee zur Beweidung. Diese Ergebnisse stehen keineswegs isoliert, sondern besitzen regionales Ausma\u00df. So sind bronzezeitliche anthropogene Eingriffe in den Hochlagen aus pollenanalytischen Untersuchungen aus dem Oberinntal bekannt (Kral 1979; Oeggl, unpubl., Walde, unpubl. Daten).<\/p>\n<p>Die Weidenutzung seit der Eisenzeit ist auch aus Serfaus (Wahlm\u00fcller 2002) und dem Kleinen Walsertal (Grosse-Brauckmann 2002) bekannt.<\/p>\n<p>Die pollenanalytischen Untersuchungen konnten damit die Siedlungsgeschichte auf dem Tannberg um 2000 Jahre verl\u00e4ngern.<\/p>\n<h3>Abk\u00fcrzungsverzeichnis<\/h3>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>K\u00d6<\/td>\n<td>K\u00f6rbersee<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>lpaz<\/td>\n<td>lokale Pollenansammlungszonen<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3>Dank:<\/h3>\n<p><span class=\"zitat\">Diese Untersuchungen wurden mit finanzieller Unterst\u00fctzung der inatura &#8211; Erlebnis Naturschau Vorarlberg m\u00f6glich gemacht. Der Dank gilt auch Herrn Univ. Prof. Dr. Erich Gnaiger, Universit\u00e4t Innsbruck.<\/span><\/p>\n<h3>Literatur:<\/h3>\n<p><span class=\"zitat\">Behre, K.-E. 1981: The Interpretation of Anthropogenic Indicators in Pollen Diagrams. &#8211; Pollen et Spores XXIII: 225-245.<br \/>\nBortenschlager, S. 1972: Der pollenanalytische Nachweis von Gletscher- und Klimaschwankungen in Mooren der Ostalpen. Ber. Deutsch. Bot. Ges. Bd. 85, H. 1-4: 113-122.<br \/>\n<\/span><span class=\"zitat\">Fliri F. 1975: Das Klima der Alpen im Raume von Tirol. Monographien zur Landeskunde Tirols. Folge 1. 454pp.<br \/>\nGrosse-Brauckmann G. 2002: Pal\u00e4obotanische Befunde von zwei Mooren im Gebiet des Hohen Ifen, Vorarlberg (\u00d6sterreich). Telma, 32: 17 &#8211; 36.<br \/>\nHedberg, H.D. (ed.) 1972a: Introduction to an International Guide to Stratigraphic Classification, Terminology and Usage. Report 7a. &#8211; Boreas 1: 199-211.<br \/>\nHedberg, H.D. (ed.) 1972b: Summary of an International Guide to Stratigraphic Classification, Terminology and Usage. Report 7b. &#8211; Boreas 1: 213-239.<br \/>\nIversen J. 1941: Land Occupation in Denmark\u00b4s Stone Age. Danmarks Geol. Unders. II, 66.<br \/>\nKossinna, E. &amp; Fliri, F. 1961: Wetter und Klima. &#8211; in Ilg K. (Hg.): Landes- und Volkskunde. Geschichte, Wirtschaft und Kunst Vorarlbergs, Bd. 1: 95-133, Innsbruck (Wagner).<br \/>\nKral, F. 1979: Sp\u00e4t- und Postglaziale Waldgeschichte der Ostalpen aufgrund der bisherigen Pollenanalysen. &#8211; 175 S., Wien.<br \/>\nLang, G. 1994: Quart\u00e4re Vegetationsgeschichte Europas. Methoden und Ergebnisse. Fischer. 462pp. Mangerud, J., Andersen, S.T., Berglund, B.E. &amp;. Donner, J.J. 1974: Quarternary stratigraphy of Norden, a proposal for terminology and classification. &#8211; Boreas 3: 109-128.<br \/>\nOeggl, K.: Pollenanalytische Grundlagenforschung zur Siedlungsgeschichte im Inntal von der Eisenzeit bis ins Mittelalter. Unver\u00f6ffentlichtes Manuskript.<br \/>\nSeiwald, A. 1980: Beitr\u00e4ge zur Vegetationsgeschichte Tirols IV: Natzer Plateau &#8211; Villanderer Alm. &#8211; Ber. nat. med. Ver. Innsbruck 67: 31-72.<br \/>\nWalde C. &amp; K. Oeggl 2003: <a href=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/walserheimat-73-dezember-2003\/\">Bl\u00fctenstaub enth\u00fcllt dreitausendj\u00e4hrige Siedlungsgeschichte im Tannberggebiet<\/a>. In: Walserheimat in Vorarlberg, Tirol und Liechtenstein, Heft 73, Dezember 2003, 162 &#8211; 175.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VON CAROLINA WALDE &amp; KLAUS OEGGL INSTITUT F\u00dcR BOTANIK DER LEOPOLD-FRANZENS-UNIVERSIT\u00c4T INNSBRUCK, STERNWARTESTRASSE 15, A-6020 INNSBRUCK Einleitung Im Rahmen des Projektes &#8222;Alpmuseum uf m Tannberg&#8220; laufen zur Zeit am Institut f\u00fcr Botanik der Universit\u00e4t Innsbruck ausf\u00fchrliche Pollenanalysen an Sedimenten vom K\u00f6rbersee, welche neue zus\u00e4tzliche Informationen zur Vegetationsentwicklung und Besiedelungsgeschichte am Hochtannberg liefern sollen. Diese Untersuchungen [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11789,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[154],"tags":[],"taetigkeiten":[],"chronik-jahre":[],"chronik-gemeinden":[],"walserheimat":[434],"gebiete":[],"superkategorien":[],"class_list":["post-11792","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-online-artikel","walserheimat-wh75"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11792","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11792"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11792\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17248,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11792\/revisions\/17248"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11789"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11792"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11792"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11792"},{"taxonomy":"taetigkeiten","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/taetigkeiten?post=11792"},{"taxonomy":"chronik-jahre","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/chronik-jahre?post=11792"},{"taxonomy":"chronik-gemeinden","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/chronik-gemeinden?post=11792"},{"taxonomy":"walserheimat","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/walserheimat?post=11792"},{"taxonomy":"gebiete","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/gebiete?post=11792"},{"taxonomy":"superkategorien","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-json\/wp\/v2\/superkategorien?post=11792"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}