{"id":10494,"date":"2017-01-12T22:48:56","date_gmt":"2017-01-12T21:48:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/?p=10494"},"modified":"2024-02-25T14:34:15","modified_gmt":"2024-02-25T13:34:15","slug":"tracht-im-grosse-walsertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/tracht-im-grosse-walsertal\/","title":{"rendered":"Tracht im Gro\u00dfes Walsertal"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1087\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/gwtkombi.gif\" width=\"120\" height=\"170\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-10493\" src=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/037gr21-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/037gr21-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/037gr21-112x150.jpg 112w, https:\/\/www.vorarlberger-walservereinigung.at\/vwvwp\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/037gr21.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Der Volksschriftsteller Hansjakob Heinrich bereiste im Jahre 1875 das Gro\u00dfe Walsertal. In seinen Aufzeichnungen schrieb er \u00fcber die Tracht:<\/p>\n<p><span class=\"zitat\"><strong><span style=\"font-size: small;\">&#8222;Am lustigsten ist die Kleidung der Walser. Der Mann tr\u00e4gt schwarzlederne kurze Hosen, Str\u00fcmpfe aus Schafwolle, weit ausgeschnittene Schuhe, lange Tuchwesten und Spenser, einen runden Filzhut, unter dem das Haar ziemlich lange hervorschaut. Die Jungen fangen \u00fcbrigens an, dieses &#8222;ehrliche H\u00e4\u00df&#8220;, wie die Alten sagen, abzulegen und sich &#8222;lutherisch&#8220; zu kleiden. Die Frauen und M\u00e4dchen sind der alten Tracht treuer. Diese ist im Walsertal die bunteste Zusammenstellung der Welt. In allen Farben prangt der Festschmuck der Walserin, wie die Alpenflora der Heimat. Die tonangebende Farbe ist jedoch die rote. Rot sind Rock, Mieder und Str\u00fcmpfe. Das Mieder ist am Rock angen\u00e4ht, kann aber \u00fcber der Brust nicht geschlossen werden, dazu dient ein Pappendeckel, der mit vielfarbigem Stoff \u00fcberzogen ist und mit gelben B\u00e4ndchen am Mieder befestigt wird. Auf dem Haupte sitzt die runde Pelzhaube, die Br\u00e4mkappe, oder eine Wollm\u00fctze, schwer und der Kuppel einer romanischen Kirche nicht un\u00e4hnlich. Im Sommer tragen die Frauen eine wei\u00dfe, gef\u00e4ltelte Spitzenhaube, die ich ebenso wenig beschreiben kann, wie die Berge auf dem Mond.&#8220;<\/span><\/strong><\/span><!--more--><\/p>\n<h4>Frauentracht<\/h4>\n<p>Die <b>Juppa<\/b> ist ein Rock aus Tuch oder fest gewobenem Wollstoff. Die Farbe ist meist schwarz, vereinzelt aber auch rot oder violett. Die Juppa ist am Saum innen mit farbigem Baumwollstoff in rot, blau oder violett belegt. An der Au\u00dfenseite des Saumes ist ein 3 cm breites Samtband aufgen\u00e4ht. Die Juppa reicht von knapp unter der Brust bis zum Schuhrand. Fr\u00fcher war sie vorne etwas k\u00fcrzer, um das Gehen im steilen Berggel\u00e4nde zu erleichtern.<\/p>\n<p>Das <b>Mieder<\/b> ist aus schwarzem Moir\u00e8 gearbeitet und mit Seidenbrokat in den Farben rot, blau oder gr\u00fcn unterlegt. Es ist vorne gro\u00df ausgeschnitten und wird meist mit dem &#8222;Briisn\u00f6schl&#8220;, einer roten Schnur, geschn\u00fcrt. Das ausgeschnittene Mieder wird mit dem <b>F\u00fcrtuch<\/b> unterlegt, ein mit schwarzem Stoff \u00fcberzogener, dreieckiger Karton,mit reicher Stickerei geschm\u00fcckt.<\/p>\n<p>Die <b>Bluse<\/b> ist aus wei\u00dfem Leinen oder feinem Baumwollstoff mit weiten \u00c4rmeln gearbeitet. Der \u00c4rmel ist oben und am Handgelenk mit feinem Stehplissee gez\u00fcgelt und bestickt. Das Kr\u00e4gle oder Liibli ist aus wei\u00dfem Stoff, mit Spitzen verziert und wird von den verheirateten Frauen zum Sch\u00e4lkle oder Schl\u00fcttle getragen. M\u00e4dchen und ledige Frauen tragen das Liibli aus schwarzem Moir\u00e8, das mit den Farben des Mieders unterlegt ist. F\u00fcr M\u00e4dchen gab es auch rote Liibli.<\/p>\n<p>Die <b>Scho\u00df<\/b> ist aus Seide oder Kunstseide mit zartem Muster. Sie hat doppelte Stoffbreite, reicht hinten bis auf 10 cm zusammen und wird durch die Scho\u00dfb\u00e4ndel geschlossen. Frauen haben eine dunkle Scho\u00df, bei der oft ein Moir\u00e9band mitgez\u00fcgelt wird (nie aber bei der hellen Scho\u00df). M\u00e4dchen tragen eine wei\u00dfe Scho\u00df. Die Scho\u00dfb\u00e4ndel sind zwei bestickte Samt- oder Seidenb\u00e4nder. Die bestickten B\u00e4nder werden zu einem &#8222;H&#8220; gearbeitet und rechts und links mit einem Haken versehen, der mit dem Haft an der Scho\u00df geschlossen wird.<\/p>\n<p>Der <b>Unterrock<\/b> ist aus Wolle oder Baumwolle in den Farben violett, rot oder gr\u00fcn. Der Saum ist verschieden besetzt. Das Sch\u00e4lkle ist aus schwarzer, gemusterter Seide und der Form des Mieders angepasst.<\/p>\n<p>Das <b>Sch\u00e4lkle<\/b> ist mit schwarzem Moir\u00e8band eingefasst, das mit feinen Vorstichen befestigt ist. Es ist das eleganteste der drei \u00dcberbekleidungen und wird zu festlichen Anl\u00e4ssen getragen. Das <b>Schl\u00fcttle<\/b> ist aus schwarzer Seide, Kunstseide oder eventuell aus feinem gemustertem Wollstoff gefertigt. Am R\u00fccken sind kleine Falten eingearbeitet, sonst ist es dem Sch\u00e4lkle \u00e4hnlich. Das <b>Tsch\u00f6ple<\/b> ist in der Form dem Schl\u00fcttle \u00e4hnlich, ist jedoch aus einfachem schwarzem Wollstoff gefertigt. Die \u00c4rmel sind beim Schl\u00fcttle und Tsch\u00f6ple oben leicht gez\u00fcgelt und deshalb weiter und bequemer als beim Sch\u00e4lkle. Das Tsch\u00f6ple wird an Werktagen getragen.<\/p>\n<p>Die <b>Str\u00fcmpfe<\/b> sind in roter oder blauer Farbe, die <b>Schuhe<\/b> flach.<\/p>\n<p>Das <b>Sch\u00e4ppili<\/b> ist in verschiedenen Farben gehalten und wird mit zwei roten Seidenb\u00e4ndern befestigt. Es wird aus feinen Silberdr\u00e4hten, Silberbaillon, Gold- oder Silberbl\u00e4ttchen und unz\u00e4hligen kleinen Glasperlen gefertigt. Das Sch\u00e4ppili wird von den M\u00e4dchen und ledigen Frauen getragen. Dazu passt nur die wei\u00dfe Bluse. Das Sch\u00e4ppili ist die sch\u00f6nste aller Kopfbedeckungen.<\/p>\n<p>Die <b>Br\u00e4mchappa<\/b> ist aus schwarzem Seehundfell und mit gr\u00fcnem Samtboden ausgestattet. Sie ist die nobelste aller Kopfbedeckungen f\u00fcr Frauen. Die <b>Blaue Kappa oder Nudelkappa<\/b> ist aus Wolle gestrickt und f\u00fcr den Winter gedacht. Dazu tragen die Frauen einen breiten und langen Flor (Wollschal). Die <b>Wei\u00dfe Haube<\/b> besteht aus T\u00fcll mit Spitzen und ist sehr stark gest\u00e4rkt. Sie wurde in der Trauer und bei Festtagen (besonders in der warmen Jahreszeit) getragen. In j\u00fcngster Zeit wurde die Frauentracht durch einen schwarzen Hut bereichert. Dieser ersetzt sozusagen die Wei\u00dfe Haube.<\/p>\n<p>Die Frauen tragen eine <b>Kette<\/b> aus Granaten oder roten Glasperlen, die drei- bis viermal um den Hals reicht. Weiters wird um den Hals schr\u00e4g hinten ein schwarzes Seidentuch gebunden. Vor dem Mieder und dem F\u00fcrtuch werden zwei Silberketten in losen Schlingen am Kr\u00e4gle befestigt.<\/p>\n<h4>M\u00e4nnertracht<\/h4>\n<p>Die <b>Hose<\/b> ist aus schwarzem Wollstoff oder Leder &#8211; bis unter das Knie reichend &#8211; mit Silberkn\u00f6pfen und einem Band gebunden. Das <b>Brusttuch<\/b> ist eine schwarze Weste aus glattem Stoff, mit Blumenmuster bestickt und mit Silberkn\u00f6pfen versehen. Der <b>Tschopa<\/b> ist ein Rock aus schwarzem oder dunkelblauem Wollstoff, ebenfalls mit Silberkn\u00f6pfen versehen. Das <b>Hemd<\/b> ist aus wei\u00dfem Leinen mit weiten \u00c4rmeln und an den B\u00fcndchen rot bestickt. Um den Hals tragen die M\u00e4nner ein gr\u00fcnes oder schwarzes Band, das in Schlaufen gebunden ist, oder eine kleine Krawatte, die wie das Brusttuch bestickt ist.<\/p>\n<p>Den Kopf bedeckt ein schwarzer niedriger <b>Filzhut<\/b>. Die Burschen setzen die bestickte und mit einer Quaste versehene runde <b>Chappa<\/b> auf. Im Winter kann unter dem Hut die schwarze Zipfelchappa getragen werden. Die knielangen <b>Str\u00fcmpfe<\/b> sind aus Wolle und gemustert gestrickt. Sie sind blau oder wei\u00df. Flache <b>Schuhe<\/b> mit Silberschnalle bekleiden die F\u00fc\u00dfe. Der <b>Hafilok<\/b>, ein schwarzer Schwungmantel, wurde meist nur von den verm\u00f6genden M\u00e4nnern getragen. Ein ca. 6 bis 10 cm breiter <b>G\u00fcrtel<\/b> aus Stoff ist bestickt und wird hinten geschlossen. Vorne sind die Initialen des Tr\u00e4gers eingestickt. M\u00e4nner wie Frauen rauchten meist eine lange Pfeife.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war die Tracht ein Alltagsgewand und sicher nicht immer in der noblen Ausf\u00fchrung wie beschrieben. Hier handelte es sich um die Festtagstrachten. Da die Tracht in nobler Ausf\u00fchrung auch eine finanzielle Frage war, wurden die Trachten vererbt und \u00fcber Generationen getragen. Die Tracht kann heute als das nobelste aller Kleidungsst\u00fccke bezeichnet werden, und wir k\u00f6nnen sie mit Stolz tragen und damit die Zugeh\u00f6rigkeit zum Walsertum pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<h5>Emil Burtscher<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Volksschriftsteller Hansjakob Heinrich bereiste im Jahre 1875 das Gro\u00dfe Walsertal. In seinen Aufzeichnungen schrieb er \u00fcber die Tracht: &#8222;Am lustigsten ist die Kleidung der Walser. 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