Vorarlberger Walservereinigung

Vorarlberger Walservereinigung

in Vorarlberg, Tirol und Liechtenstein

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Brand

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Gemeindewappen

Das Gemeindewappen stellt einen in rotem Schrägflammenschnitt geteilten silbernen Schild dar. Es spielt an die Herkunft des Ortsnamens Brand von „brennen“ an und soll an die Rodungsarbeit durch die ersten Walser erinnern. Dem steht allerdings auch eine andere Auslegung gegenüber, wonach der Name vom rätoromanischen „pratu grande“ abgeleitet sei, was große Wiese bedeutet.

Geschichtliches
„Ich Grave Hardtmans von Werdenberg von Sargans vergich ainer Warhaitt, was von mir an disem brief geschrieben statt, vnnd das Ich durch Pett willen mein Innsigl an disen brief gehenckht han, der geben ist an dem nächsten Freytag nach Sant Niclaustag, do man zallt von Gottes Geburt dreyzechenhundert vnd vierzig Jar, darnach dem Sybenden Jar“. So steht es geschrieben in der Schenkungsurkunde vom 7. Dezember 1347.

Es gibt in Vorarlberg oder der Schweiz nur wenige Walsersiedlungen, die ihre Gründung urkundlich so genau belegen können wie Brand. Die Urkunde nennt nicht nur die Familiennamen der ersten zwölf Kolonisten mit Alaman, Ganntenbainen, Salzgeber und Schwarzen, sie gibt auch die Namen der Gemarkungen des übergebenen Gutes und den festgesetzten Lehenszins an. Einzigartig unter den Walsersiedlungen in Vorarlberg ist, dass die „Vnderthan ze Bürs„, also die Bürser selbst, die Lehensgeber waren, während der Landesherr lediglich den Vertrag zustimmend besiegelte. Diese Tatsache lässt auf eine bereits große Eigenständigkeit der Menschen in der Herrschaft Sonnenberg schließen.

Die Lehensurkunde selbst ist nicht erhalten, aber eine sogenannte Vidimusurkunde. Das ist eine gerichtlich beglaubigte Abschrift, die am 7. Juni 1580 von Hanns Hartmann, dem Ammann und Richter der Herrschaft Sonnenberg, ausgestellt worden ist. Anlass dazu war die Klage des Pfarrherrn von Bürs, Johannes Benntz, gegen die Brandner Walser, wonach diese ihren vertraglich eingegangenen Zinszahlungen nicht mehr nachkommen würden. Das ist begreiflich, waren seit der Übergabe des Tales „Vallawier“ doch schon über 200 Jahre vergangen und unangenehme Verpflichtungen geraten gerne in Vergessenheit. Neben dem klagenden Bürser Pfarrherrn erschienen vor Gericht „Christian Frumbelt der ellter und Hans Glatterner beed derzeit Geschwornen anstatt uund Innamen der ganzen gemaind und nachparschafft in Pranndt, Item Andreas Schwald unnd Hanns Beckh, geordnete Kirchenpfleger Unser lieben Frauwen Gotshaus daselbs, all vier mit Vollmechtigem gewallt antworten am Anderen Thayl“.

Der Weg der zwölf Erstsiedlerfamilien führte nicht gleich hierher. Sie ließen sich über mehrere Zwischenstationen zunächst im benachbarten Prättigau in der Schweiz nieder. Nach Brand zugewandert sind sie schließlich vom heute aufgelassenen Stürvis oberhalb von Seewis. Genaue Hinweise über den Weg von dort in ihre neue Heimat gibt es nicht. Es ist aber anzunehmen, dass sie über das Salarueljoch herzogen, mit 2.250 m die niedrigste Querung des Rätikon-Hauptkammes. Sie dürften sich zunächst im Zalimtal oberhalb von Brand, in der dortigen Ebene der „Wies und Zagabna“ niedergelassen haben, bevor sie ihren Wohnsitz in die Talebene verlegten. Hier fanden sie eine unberührte Naturlandschaft vor und mussten den Talboden erst urbar machen.

Da es sich beim „Thal Vallawier“ um eine noch sehr unwirtliche und unwegsame Urwaldlandschaft handelte, war der Lehenszins auch dementsprechend niedrig. Der jährlich zu entrichtende „Martinizins“ von 21 Vierteln Schmalz, gemeint ist sicher Butter, entspricht einer Gewichtsmenge von 212,5 Kilogramm mit einem heutigen Wert von etwa 800 Euro. Hinzu kam noch der Geldzins von 12 Pfund Pfennig Konstanzer Münze, dessen Wert aber nicht mehr als 70 € betragen haben dürfte. Ob die Bürser das Tal um so einen geringen Betrag heute noch hergeben würden?

Von der Landwirtschaft zum Tourismus

Jahrhundertelang änderte sich wenig an der anspruchslosen Lebensweise der Brandner Bauern. Wenn sie auch in einem ständigen Kampf mit den Unbilden der Natur standen, so führten sie doch ein freies, gesundes Leben in einem landschaftlich reizvollen Bergtal. Ab Mitte des 19. Jhdt. war ein bescheidener Hauch von Alpinismus zu spüren. Mit dem Bau einer Schutzhütte am Lünersee im Sommer 1871 wurde nicht nur „das Zeitalter des Bergführerwesens“ eingeläutet, dasselbe Jahr kann auch als „Das Geburtsjahr des Fremdenverkehrs im Brandnertal“ bezeichnet werden. Brand wurde in den Folgejahren zu einem Eldorado für Bergsteiger und ab der Jahrhundertwende zu einem beliebten Luftkurort für Sommerfrischler.

Während der beiden Weltkriege kam der Fremdenverkehr total zum Erliegen. Als im Jahr 1950 die erste Seilbahn auf den Niggenkopf gebaut wurde, entwickelte sich das Bergdorf nach und nach zu einem blühenden Tourismusort für Sommer-und Wintergäste. Die Landwirtschaft ging dabei immer mehr zurück. Sie ist für den Ort zwar unverzichtbar, spielt aber wirtschaftlich nur noch eine untergeordnete Rolle. Von den einst über 60 Landwirten um das Jahr 1900 sind im Jahr 2016 gerade noch 14 aktive Bauern übrig geblieben. Allerdings lebt keiner mehr von der Landwirtschaft allein.

Brand ist heute ein weit über die Landesgrenzen bekannter Ferienort. Ein ausgewogenes Freizeitangebot sorgt dafür, dass sowohl im Winter wie auch im Sommer für jeden etwas dabei ist. Das Gesicht des Walserdorfes hat sich aber geändert. Zwischen Hotels, Gastronomiebetrieben und Freizeitanlagen finden sich nur noch vereinzelt alte, sonnenverbrämte Ställe. Sie stehen bis auf wenige Ausnahmen leer, erinnern aber an jene Zeit, als noch die Landwirtschaft der Haupterwerb der Dorfbevölkerung war. Wir Brandner haben allen Grund, uns dankbar unserer Vorfahren zu erinnern, die vor fast 700 Jahren den Grundstein für unsere schöne Heimat und unseren Wohlstand gelegt haben.

Sehenswürdigkeiten:

  • Walserensemble
  • Naturdenkmal Kesselfall
  • Freizeitzentrum mit Badesee

Veranstaltungen in Brand:

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