Vorarlberger Walservereinigung

Vorarlberger Walservereinigung

in Vorarlberg, Tirol und Liechtenstein

40 Jahre Vorarlberger Walservereinigung

Kategorien: Geschichte und Online-Artikel
Walserheimat: WH82

von Gernot Ganahl

In sechs Talschaften Vorarlbergs leben Walser, ein Volk mit gemeinsamer Vergangenheit und auf dem Tannberg und in den Walsertälern mit gemeinsamer Mundart. Die Sorge um die Pflege und Erhaltung des Volkstums der Walser führte verantwortungsvolle Frauen und Männer aus verschiedenen Gebieten immer wieder zusammen. Was der losen Interessensgemeinschaft fehlte, war eine zentrale Stelle. Mit der Gründung des Vereins, der den bezeichnenden Namen „Vorarlberger Walservereinigung“ (VWV) erhielt, sollten die Bemühungen dieser Heimatpfleger auf eine rechtliche Grundlage gestellt werden. Vor 40 Jahren erfolgte die Gründung der VWV.

Gründungsversammlung

Nachdem sich in Blons im Haus von Eugen Dobler ein Proponentenkomitee gebildet hatte, fand am 8. Juli 1967 in Lech die Gründungsversammlung der Vorarlberger Walservereinigung statt. Mitglieder waren damals 16 Walsergemeinden. Die Einwohnerzahl jeder Gemeinde diente als Grundlage zur Berechnung der jährlichen Mitgliedsbeiträge. Zum ersten Obmann wurde Martin Walch aus Lech gewählt.

Die Walservereinigung Rankweil

Die abgewanderten Großwalsertaler in Vorarlberg gründeten bereits nach dem Lawinenjahr 1954 eine Vereinigung und nannten sich seit 1964 „Walservereinigung Rankweil“. Ziel dieses Vereines war, die über weite Landesteile verstreuten Großwalsertaler zu erfassen. In alljährlichen Walsertreffen zur Pfingstzeit wurden in geselliger Runde die Erfolge und natürlich auch die Schwierigkeiten und Sorgen besprochen. Zu Pfingsten 1967 trafen sich immerhin ca. 700 Teilnehmer aus dem ganzen Land in Feldkirch zu diesem Walsertreffen, wobei auch Gruppen aus dem Großen Walsertal bei der Programmgestaltung mitwirkten. Langjähriger Obmann war Alois Burtscher, Kassier Johann Hartmann und Schriftführer Alois Nigsch, allesamt abgewanderte Großwalsertaler. Mit der Gründung der Vorarlberger Walservereinigung verlor die Walservereinigung Rankweil allmählich an Bedeutung. Sie darf aber neidlos als Vorläuferin der Vorarlberger Walservereinigung angesehen werden.

Die ersten Exemplare der Halbjahreszeitschrift „Walserheimat in Vorarlberg“

Ein Sprachrohr zu den Vereinsmitgliedern der VWV war notwendig. Im Gründungsjahr 1967 erschien auch die erste Ausgabe der „Walserheimat in Vorarlberg“. Die Redaktion war identisch mit dem Vereinsvorstand. Die Halbjahreszeitschrift erschien in einer Auflage von etwa 1000 Stück, hatte 40 Seiten und kostete 15 Schilling. Das „Walserheft“ wurde von ehrenamtlichen Mitarbeitern in jeder Gemeinde an die Abonnenten persönlich verteilt und der Abo-Preis an Ort und Stelle gleich einkassiert. Die Chroniktexte sowie die Beiträge zur Volks- und Heimatkunde gelangten handschriftlich oder auf der Schreibmaschine geschrieben an die Redaktion und wurden dann erst in der Druckerei gesetzt. Honorare für Beiträge gab es nicht. Auf Werbung und öffentliche Förderung wird bis heute verzichtet. Die „Hefte“ finanzieren sich selbst.

Die „Walserheimat in Vorarlberg, Tirol und Liechtenstein“

Das Erscheinungsbild blieb bis Heft 67 dasselbe, es wurde lediglich jeweils die Umschlagsfarbe zur besseren Unterscheidung gewechselt. Ab Heft 67 erhielt jedes Heft ein spezielles Umschlagsfoto, das auf den Schwerpunkt des Inhaltes hinweist. Auch die Bezeichnung musste erweitert werden, weil Triesenberg und Galtür der Vorarlberger Walservereinigung als Mitglieder beitraten. Inzwischen ist die Seitenanzahl auf das Doppelte oder noch mehr angestiegen. Mit Heft 79 erfolgte eine grundlegende Änderung. Im Februar erscheint in Hinkunft jeweils ein Heft mit den Jahreschroniken aller Walsergemeinden und als Ergänzung dazu traditionelle Beiträge aus den Regionen. Im August dagegen hat das Heft ein einziges Thema zum Inhalt. Bislang wurden „Unsere Trachten“ und „Wege, die verbinden“ vorgestellt.

Obleute

Ein Verein steigt und fällt mit der Tüchtigkeit seiner Mitarbeiter. Die Hauptverantwortung liegt bei den Obleuten. In den 40 Jahren des Vereinsbestehens waren vier rührige Obmänner tätig:

  • Martin Walch † aus Lech 1967 bis 1980
  • Othmar Beck † aus Brand 1980 bis 1988
  • Meinrad Bischof aus Sonntag 1988 bis 1997
  • Alois Fritz aus Riezlern 1997 bis heute

Schriftleiter

Die Herausgabe der Halbjahreszeitschrift zählt seit der Vereinsgründung zu den wichtigsten Aufgaben. Zusammen mit vielen Mitarbeitern waren in der Schriftleitung tätig:

  • Herbert Sauerwein und Eugen Dobler 1967 bis 1990
  • Herbert Sauerwein und Martha Dünser 1990 bis 1992
  • Martha Dünser und Erich Schallert 1992 bis 1994
  • Erich Schallert 1994 bis 1997
  • Tiburt Fritz 1997 bis heute

Ehrenmitglieder

Langjährige und wichtige Funktionäre, besondere Mitarbeiter und honorige Sponsoren wurden für ihre Verdienste zu Ehrenmitgliedern ernannt:

  • Alfons Köberle † aus Riezlern, geehrt am 8. 7.1968; Chronist und Familienforscher
  • Tita von Oetinger † aus Saas Fee, geehrt am 21. 6. 1976; Gründerin der Internationalen Walservereinigung und besondere Gönnerin der VWV
  • Univ. Prof. Dr. Karl Ilg † aus Dornbirn, geehrt am 25. 6. 1977; Gründungsmitglied, wissenschaftlicher Berater der Vorarlberger Walservereinigung und Autor der zwei Bände „Die Walser in Vorarlberg“
  • Oswald Werlen † aus Buchs, geehrt am 17. 6. 1978; großzügiger Gönner des Handwerks im Großen Walsertal
  • Eugen Dobler aus Blons, geehrt am 20. 6. 1981; Gründungsmitglied, langjähriger Schriftleiter und Autor vieler Beiträge
  • Herbert Sauerwein aus Lech, geehrt am 20. 6. 1981; Gründungsmitglied, langjähriger Schriftleiter und Autor vieler Beiträge
  • Othmar Beck † aus Brand, geehrt am 22. 6. 1985; langjähriger Obmann
  • Wilhelm Fritz † aus Mittelberg, geehrt am 20. 6. 1986; Gründungsmitglied, Organisator vieler Veranstaltungen, Komponist zahlreicher Walserlieder und Autor diversen Walser Schrifttums
  • Gebhard Breuß † aus Laterns, geehrt am 5. 5. 1987; Gründungsmitglied und langjähriges Redaktionmitglied
  • Meinrad Bischof aus Sonntag, geehrt im Jahre 1998; langjähriger Obmann
  • Erich Schallert aus Brand, geehrt im Jahre 2001; langjähriger Schriftführer der VWV, Schriftleiter der Walserheimat und Chronist für Brand durch viele Jahre
  • Franz Nachbaur † aus Faschina, geehrt im Jahre 2001; Walserforscher, Archivar der Vorarlberger Walservereinigung und Autor vieler Beiträge
  • Pius Bischof aus Schröcken, geehrt am 6. 5. 2007; langjähriger Obmannstellvertreter, Chronist und Mitarbeiter im Verein

Internationale Walser Schimeisterschaften

Der Schi-Club Großwalsertal lud aus Anlass des 20-jährigen Bestehens im Jahre 1989 die Sportvereine aller Walsersiedlungen im In- und Ausland zu einer Walser Schimeisterschaft ein. Das Interesse war so überwältigend und die Veranstaltung so gelungen, dass man spontan beschloss, in Hinkunft alle zwei Jahre eine Internationale Walserschimeisterschaft durchzuführen. Dabei steht neben dem sportlichen Wettkampf das gegenseitige Kennenlernen und das gesellige Beisammensein im Vordergrund. Bisherige Austragungsorte waren Faschina, Vals, Mittelberg, Gressoney, Obersaxen, Malbun, Sonntag/Stein, Bosco Gurin, Silbertal und Splügen.

Die Internationalen Walsertreffen

Ins Leben gerufen von Tita von Oetinger finden seit 1962 alle drei Jahre die Internationalen Walsertreffen statt. Die Internationalen Walsertreffen fanden an folgenden Orten statt: Saas Fee (1962), Triesenberg (1965), Gressoney (1968), Klosters (1971), Brand (1974), Brig (1977), Triesenberg (1980), Alagna (1983), Kleines Walsertal (1986), Davos (1989), Saas Fee (1992), Lech (1995), Gressoney (1998), Brig und Naters (2001), Galtür (2004) und Alagna im Jahre 2007.

Vereinsausflüge

Zu einem Fixpunkt im Jahresprogramm zählen die Vereinsausflüge. Die Tagesfahrten werden bestens organisiert, sind regelmäßig von über 100 Teilnehmern besucht und führen meistens in ein Walsergebiet in der Schweiz. Wenn ein Walsertreffen stattfindet, entfällt der Vereinsausflug.

Obmann Alois Fritz brachte frischen Wind in die Walservereinigung

Für den seit 1997 tätigen Obmann Alois Fritz war es ein großes Anliegen, die Walser über die Täler hinweg einander näher zu bringen. Er bemühte sich daher besonders um Neuerungen, die das Zusammenrücken der Walsergruppen fördern sollten.

Kirchentage

Um die Jahreshauptversammlungen attraktiver zu gestalten, hatte Alois Fritz die Idee, die Veranstaltung mit einem religiös-gesellschaftlichen Treffen zu kombinieren. Der „Kirchentag“ beginnt jeweils mit einem Gottesdienst, setzt sich mit einem gemeinsamen Mittagessen fort und mündet dann in die Vollversammlung. Der erste Kirchentag war 2002 in Damüls. In den kommenden Jahren folgten die Kirchentage in Lech, Brand, Laterns, Fontanella und im Silbertal.

Bauerntage

Zu einer ständigen Einrichtung wurden die „Bauerntage“. Die Bauern sollten einander näher kommen. Der erste Bauerntag fand in Blons statt. Es folgten Triesenberg, Laterns, Warth, Bürserberg, Silbertal und Thüringerberg.

Organisatorische Veränderungen in der Walservereinigung

Eine Umstrukturierung der Vorarlberger Walservereinigung wurde ins Auge gefasst. Obmann Alois Fritz beauftragte eine Arbeitsgruppe mit der Erstellung eines Leitbildes. Zwei bedeutende Änderungen wurden vorgenommen:

  1. Waren bislang lediglich die Gemeinden Mitglieder der Vorarlberger Walservereinigung, so wurden nunmehr Einzelmitgliedschaften möglich. Dadurch wird die Mitbestimmung und die Mitarbeit vieler Interessierter gefördert. Derzeit zählt die VWV 410 Einzelmitgliedschaften (16 €), 272 Familienmitgliedschaften (23 €), 2 Fördermitglieder und 716 Abonnenten (12 €). Dazu kommen die 19 Walsergemeinden als Kollektivmitglieder, sie entrichten pro Einwohner jährlich einen Betrag von 30 Cent.
  2. Der Mehraufwand erforderte die Einrichtung eines Sekretariats, das Barbara Fritz in Riezlern als Teilbeschäftigte souverän betreut. Der finanzielle Mehraufwand wird von der Raiffeisen-Stiftung Kleinwalsertal getragen.

Walser Medien

Seit Bestehen der Vorarlberger Walservereinigung war der Verein um eine Sammlung von Walser Literatur bemüht. Anfänglich wurde die Bibliothek (fälschlicherweise als „Walserarchiv“ bezeichnet) von Eugen Dobler geführt und im Schulhaus in Blons untergebracht. Später wanderten die Bestände in den Archivraum des Heimatmuseums Großes Walsertal nach Sonntag. Franz Nachbaur übernahm die Betreuung. Seit 2006 sind die Walser Medien in Fontanella untergebracht. Die umfangreichen Medien können nicht ausgeliehen werden, es steht aber ein geeigneter Raum zum Studium an Ort und Stelle zur Verfügung. Ein Online-Katalog erleichtert das Suchen von Literatur: http://www.vorarlberger-walservereinigung.at/vwvwp/walser-medien/

Die Walser WebSite im Internet ist einmalig

Seit 2002 wurde an einem EU-Projekt „Walser Alpen“ gearbeitet. Beteiligt waren alle Walserregionen im Alpenraum. Ziel dieses Großprojektes war, die Walseridentität auf allen Gebieten zu stärken. Die Vorarlberger Walservereinigung hatte die schwierige, aber erfüllende Aufgabe, eine informative WebSite über das Walsertum zu erstellen. Dies ist der Arbeitsgruppe unter der Moderatorin Gesine Schneider, Barbara und Alois Fritz, Christoph Schmidt, Stefan Heim und Tiburt Fritz bestens gelungen. Auf dieser Webseite ist vieles Wissenswerte über die Walser abrufbar: www.walser-alps.eu. Die Walser WebSite ist übrigens eines der wenigen Walser-Alps-Projekte, das auch tatsächlich umgesetzt wurde. Außerdem verfügt die Vorarlberger Walservereinigung über eine eigene Homepage www.vorarlberger-walservereinigung.at.

Besondere Ereignisse in den letzten zehn Jahren

1996 Triesenberg und Galtür werden Mitglieder der VWV.
1998 In Blons fand der 1. Bauerntag statt.
1999 Lawinenunglücke in Galtür und in Malbun machen betroffen.
2001 Bürserberg wird als 19. Gemeinde Mitglied der VWV.
2001 Das Große Walsertal wird Biosphärenpark.
2002 Zum 1. Kirchentag wurde nach Damüls eingeladen.
2004 Im Großen Walsertal findet der 1. Walserherbst statt.
2005 Hochwasserkatastrophen in vielen Walserorten machen betroffen.

Und wie geht es weiter?

„Es geht nichts weiter, wenn wir nur weitermachen!“, meinte einmal Obmann Alois Fritz sehr treffend. Wir leben in einer Zeit ständiger Veränderungen. Da gilt es einerseits, auf dem Boden zu bleiben, und andererseits, die Zeichen der Zeit zu erkennen und dementsprechend zu reagieren. Diese Grundsätze hat die VWV in den letzten 40 Jahren befolgt. Möge die Vorarlberger Walservereinigung im Sinne der Erhaltung eines lebendigen Walsertums auf diesem Weg in die Zukunft weitergehen!

Der Artikel ist in Heft 82 der „Walserheimat“ zu finden.